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Barrikaden und Pyrotechnik beim AfD-Parteitag – Chrupalla und Weidel bleiben Parteichefs

Demonstranten versammeln sich vor dem Bundesparteitag der Alternative für Deutschland (AfD) in Erfurt am Samstag, dem 4. Juli 2026.
Demonstranten versammeln sich vor dem Bundesparteitag der Alternative für Deutschland (AfD) in Erfurt am Samstag, dem 4. Juli 2026. Copyright  (c) Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
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Von Nela Heidner & Laura Fleischmann
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Nach Polizeiangaben beteiligten sich bis zum Vormittag rund 20.000 Menschen an den Protesten – deutlich weniger als die im Vorfeld erwarteten 50.000 Demonstranten. Indes wurde Tino Chrupalla mit 70,05 Prozent als AfD-Chef im Amt bestätigt.

Gegner des AfD-Bundesparteitags haben am Samstagmorgen mehrere Zufahrten zum Erfurter Messegelände blockiert. Nach Polizeiangaben beteiligten sich an vier Blockaden jeweils bis zu 1.000 Menschen. Viele Demonstranten reisten demnach mit rund 200 Reisebussen aus dem gesamten Bundesgebiet an. Der Straßenbahnverkehr in Teilen der Erfurter Innenstadt wurde unterbrochen, nachdem sich Demonstranten an Gleisen festgeklebt hatten.

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Etwa 6.000 Polizeibeamte sind im Einsatz. Die Thüringer Polizei wird dabei von Kräften aus allen Bundesländern sowie der Bundespolizei unterstützt.

Der Bundesparteitag der AfD hat indes planmäßig und ohne Verzögerungen begonnen. Viele Delegierte reisten bereits in den frühen Morgenstunden an, vor 5 Uhr waren nach Angaben der Partei schon rund 540 Delegierte auf dem Messegelände.

Chrupalla als AfD-Chef bestätigt, Weidel wieder Co-Vorsitzende

Tino Chrupalla wurde mit 70,05 Prozent als AfD-Chef im Amt bestätigt. Für den alten und neuen Co-Vorsitzenden ist das ein deutlicher Rückschlag – bei der Wahl vor zwei Jahren hatte er noch 82,7 Prozent erreicht.

Der Malermeister, der einst von AfD-Mitgründer Alexander Gauland gefördert wurde, steht seit November 2019 an der Spitze der Partei – zunächst gemeinsam mit Jörg Meuthen, der die AfD später verließ, weil sie ihm zu radikal geworden war. Chrupalla ist damit inzwischen der dienstälteste Parteichef in der Geschichte der AfD seit ihrer Gründung 2013 und hat erst vor wenigen Tagen Meuthens Amtszeit übertroffen.

Alice Weidel wurde mit 81,31 Prozent der Stimmen als Co-Vorsitzende bestätigt. Damit verbesserte sie ihr Ergebnis gegenüber vor zwei Jahren, als sie 79,7 Prozent erhielt. Zugleich lag sie bei der Abstimmung deutlich vor ihrem Co-Vorsitzenden Tino Chrupalla.

Schon vor dem AfD-Parteitag am 4. und 5. Juli in Erfurt hatte Thüringens Polizei mit einem "Endzeit-Szenario" gerechnet. Unter den Demonstranten sollen auch gewaltbereite Gruppen sein, die sich "aus den Blockadebereichen lösen und sich in Richtung Messegelände bewegen könnten", wie Focus Online zuvor aus einem internen Lagepapier der Polizei zitierte.

Eine der größten Gruppierungen, die ihre Ankunft angekündigt hatten, war das bundesweite Aktionsbündnis "widersetzen". Dessen Aktivisten planen, den Parteitag mit Sitzblockaden zu behindern. Unter anderem die Klimaaktivistin Luisa Neubauer nimmt daran teil. Ziel sei es gewesen, den Parteitag "so lange wie möglich aufzuhalten".

Der Großteil der Aktivisten sei dem studentischen sowie zivilgesellschaftlichen Milieu zuzuordnen, das wenig Erfahrung "mit gewaltsamen Auseinandersetzungen oder dem aktiven Überwinden polizeilicher Sperren" habe.

Im Vorfeld des Parteitags erklärte Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD), dass die Polizei sowohl für den AfD-Parteitag als auch für friedliche Demonstranten das Recht auf Versammlungsfreiheit durchsetzen werde.

Wegweisender Parteitag für AfD

Zu Demonstrationen in Erfurt hatten unter anderem auch die Grünen, die Linke Thüringen und die SPD aufgerufen. "Am 4. Juli hält die AfD ihren Parteitag in Erfurt ab – exakt 100 Jahre nach dem Reichsparteitag von Hitler und seiner NSDAP im benachbarten Weimar. Doch die AfD setze nicht nur auf rechtsextreme Symbolik, sondern auch auf rechtsextreme Politik", so die SPD auf ihrem Instagram-Account. Die Partei verwies auf ein kürzlich erschienenes Gutachten der Gesellschaft für Freiheitsrechte, laut dem die AfD "nachweislich verfassungswidrig" sei.

Ein neues Gutachten der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF), einem gemeinnützigen Verein aus Berlin, hatte die AfD am 25. Juni als Gesamtpartei als verfassungswidrig eingestuft, die Gesellschaft hält ein Parteiverbotsverfahren für wahrscheinlich erfolgversprechend. Über ein Verbot könnte allerdings nur das Bundesverfassungsgericht entscheiden.

Seit Sommer/Herbst 2025 bewegt sich die AfD in bundesweiten Sonntagsfragen (Forsa, infratest dimap, INSA) zwischen ca. 24 und 29 % und hat sich damit in der Bevölkerung dauerhaft als stärkste Kraft etabliert.

In der Kampfabstimmung um einen Platz im AfD-Bundesvorstand setzte sich der frühere Chef der Jungen Alternative, Sven Tritschler, gegen Kay Gottschalk durch. Mit 50,7 Prozent der Stimmen fiel sein Sieg allerdings denkbar knapp aus – er lag lediglich zwei Stimmen über der erforderlichen Mehrheit. Gottschalk erhielt 36,06 Prozent, während 13,24 Prozent der Delegierten gegen beide Kandidaten stimmten.

Tritschler ist Fraktionsvize in NRW und war von 2015 bis 2018 Chef der Jungen Alternative. Er war von Alice Weidel vorgeschlagen worden. Gottschalk gilt als dem Lager von Chrupalla zugehörig und ist finanzpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion.

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