Plastikmüll überschwemmt Flüsse und Meere weltweit. Ein niederländisches Unternehmen setzt auf Luftblasenvorhänge, um ihn zu stoppen.
Jedes Jahr landen Millionen Tonnen Plastik in den Weltmeeren – der Großteil gelangt über Flüsse dorthin. Strandsäuberungen und Sammelaktionen auf dem Meer haben in den vergangenen Jahren zwar zugenommen, kommen der Plastikflut aber nicht hinterher.
„Die Produktion von Plastik nimmt weiter zu“, sagt Anne Marieke Eveleens, Chief Business Development Officer von The Great Bubble Barrier, Euronews Earth. „Bis 2030 dürfte sie sich verdreifachen. Die Nachfrage nach Kunststoffen ist enorm. Wir nutzen sie in fast allen Alltagsbereichen – und zugleich wissen wir kaum, wohin mit dem Plastik, wenn seine Lebensdauer abgelaufen ist.“
Weniger als zehn Prozent des Plastiks werden recycelt, merkt sie an. Der Rest landet häufig versehentlich oder wegen mangelhafter Abfallentsorgung in Flüssen und anderen Gewässern. Säuberungsaktionen im Meer, sagt sie, „helfen – aber wir müssen deutlich mehr tun, um den Eintrag wirklich zu stoppen“.
Blasenbarriere gegen Plastik
The Great Bubble Barrier setzt auf einen anderen Ansatz: Plastik in Flüssen und Kanälen abfangen, bevor es überhaupt ins Meer gelangt. Dazu liegt ein perforiertes Rohr auf dem Gewässergrund und ist mit einer Luftpumpe verbunden. So entsteht ein aufsteigender Vorhang aus Luftblasen. Wird das System schräg zur Strömung installiert, treibt der Fluss schwimmenden Müll – und Material, das tiefer im Wasser schwebt – zu einem Sammelpunkt am Ufer.
„Wir behindern weder Fische noch die Schifffahrt, können aber die gesamte Breite und Tiefe eines Flusses abdecken“, sagt Eveleens Euronews Earth.
Nach Angaben der Mitgründerin haben Universitäten und unabhängige Forschungsinstitute das System geprüft. Es fängt rund 86 Prozent des Plastiks an der Wasseroberfläche ab. „Dieser Wert ist tatsächlich ziemlich stabil“, sagt Eveleens.
Derzeit betreibt das Unternehmen Barrieren in Amsterdam, Katwijk und Harlingen in den Niederlanden sowie nahe Vila do Conde in Portugal. Weitere Anlagen sind in Europa und den Vereinigten Staaten im Gespräch.
Great Bubble Barrier geht weltweit an den Start
Die Technologie soll nun hochskaliert werden – vor allem in Südostasien, wo einige der verschmutztesten Flüsse der Welt fließen. Die Umsetzung ist jedoch mehr als nur eine technische Aufgabe, erklärt Eveleens. Regierungen, lokale Entsorger und Anwohner müssen gleichzeitig an einen Tisch.
„Es muss klar sein, dass alle Genehmigungen vorliegen und ein Sammelsystem existiert, damit der Abfall nicht ein paar Meter weiter wieder im Fluss landet“, erklärt sie. „Wir arbeiten mit den Gemeinden vor Ort zusammen. Wir bitten sie um Hilfe, um herauszufinden, welche Gegenstände am häufigsten in der Barriere hängen bleiben – und ob sich direkt vor Ort etwas dagegen tun lässt.“
Dieses Zusammenwirken vieler Akteure war nach ihren Worten bisher der Schlüssel zu jedem erfolgreichen Projekt.
Öffentliche Anerkennung hat die Verbreitung der Idee beschleunigt. Als Finalist für den Earthshot Prize, den internationalen Umweltpreis von Prinz William, gewann The Great Bubble Barrier deutlich an Bekanntheit.
„Fast überall auf der Welt, wo wir hinkommen, haben die Menschen schon einmal von einer Blasenbarriere gehört“, sagt Eveleens Euronews Earth. „Der Preis hat uns enorm geholfen, international zu gehen und unsere Lösung dorthin zu bringen, wo sie gebraucht wird.“
Für die Zukunft wünscht sich Eveleens Barrieren an Verschmutzungs-Hotspots in Metropolen weltweit. Sie sollen nicht nur Müll einsammeln, sondern auch Daten liefern, die politische Entscheidungen stützen.
„All diese Daten, die wir sammeln, sind auch eine Grundlage für neue Regeln, die Verschmutzung von vornherein verhindern sollen“, sagt sie. „Wenn solche Barrieren an allen entscheidenden Stellen der Welt auftauchen würden – das wäre der größte Traum.“