Die israelischen Behörden treiben das umstrittene Projekt „Krokodil-Gefängnis“ von Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir voran. In einen neu ausgehobenen Graben könnten die Reptilien gesetzt werden, um palästinensische Gefangene von der Flucht abzuhalten. Nicht nur Tierschützer schlagen Alarm.
Rund um einen Flügel des Gefängnisses Ktziot wurde israelischen Medienberichten zufolge am Mittwoch damit begonnen, einen Graben auszuheben. In der Haftanstalt sind palästinensische Häftlinge, darunter auch Mitglieder der Hamas, untergebracht.
Der geplante Graben soll eine Länge von etwa 170 Metern haben und ist lediglich vom Gefängnis aus zu sehen, nicht von außen. Lokale Behördenvertreter bestätigten, dass die Vorbereitungen bereits liefen. Es sei aber noch nicht entschieden, ob darin wirklich Krokodile gehalten werden sollen.
Wie füttert man Krokodile? Personal soll geschult werden
Das Büro von Ben-Gvir bestätigte, dass das Projekt in die Umsetzungsphase eingetreten sei. Die Gefängnisbehörde habe einen umfassenden Plan ausgearbeitet, der Maßnahmen zur Pflege und Überwachung der Krokodile sowie deren Unterbringung umfasse, ebenso wie die Schulung ihres Personals zur Bewachung des Geländes und zum Umgang mit den Tieren.
Zudem hat das Ministerium für nationale Sicherheit ein Budget in Höhe von 21 Millionen Schekel – das entspricht etwa 6,3 bis 7 Millionen US-Dollar – für die Umsetzung des Pilotprojekts bereitgestellt.
In einer scharf formulierten Erklärung teilte das Ministerium mit, das Projekt werde die Belastung der mit der Bewachung der Häftlinge betrauten Mitarbeiter der Strafvollzugsbehörde verringern, und fügte hinzu:
„Jeder, der getötet, Massaker verübt, vergewaltigt und sich wie ein Tier verhalten hat, verdient es, von einem Tier wie ihm bewacht zu werden“, so der Wortlaut.
Umstrittener Ministerialbeschluss
Die Aushubarbeiten erfolgten wenige Tage, nachdem Umweltministerin Idit Selman einen Beschluss erlassen hatte, das Nilkrokodil als „gezüchtetes Wildtier“ einzustufen. In diesem Zusammenhang sei eine neue Kategorie mit der Benennung „für Sicherheitszwecke gehaltenes Wildtier“ geschaffen worden, die den Einsatz in Sicherheitseinrichtungen erlaubt.
Dieser Schritt gilt als Fortsetzung einer zuvor von Ben-Gvir unter dem Namen „Krokodilgefängnis“ vorgestellten Initiative, deren Ziel es war, die Reptilien rund um Gefängnisse mit palästinensischen Häftlingen auszusetzen.
Die israelischen Natur- und Parkbehörde hat das Vorhaben als wissenschaftlich und fachlich unbegründet eingestuft.
Rechtsexperten warnten zudem, diese grundlegende Änderung könne möglicherweise eine Gesetzgebung durch die Knesset erfordern - und eben nicht nur einen Ministerialbeschluss.
Kritik am Vorhaben wird laut
Die Natur- und Parkbehörde bekräftigte, dass sie weltweit keinen Präzedenzfall für den Einsatz von Krokodilen zur Sicherung von Gefängnissen gefunden habe, und wies darauf hin, dass das israelische Gesetz die Haltung dieser Tiere zu Bildungszwecken, für wissenschaftliche Forschung oder zur Aufklärung der Öffentlichkeit erlaube, nicht jedoch zu Sicherheitszwecken.
Die Behörde fügte hinzu, dass die Einführung eines „großen, langlebigen und nicht heimischen Raubtiers“ zu diesem Zweck Gefängniswärter, Häftlinge und die Öffentlichkeit physischen und ökologischen Gefahren aussetzen könnte, und betonte, dass diese Tiere geschützt werden sollten, anstatt diese einzusetzen, um Menschen zu schützen.
Sie wies zudem darauf hin, dass es in Israel derzeit nur eine begrenzte Anzahl von Nilkrokodilen im Wildschutzgebiet „Hamat Gader“ gebe, sowie mehr als 200 Krokodile auf der „Crocoloco“-Farm in der Arava-Wüste, wobei sie betonte, dass sie keinen offiziellen Antrag auf die Lieferung von Krokodilen an Gefängnisse erhalten habe.
Ein Teil der Einwände stützt sich zudem auf frühere Erfahrungen, bei denen Krokodile aus kommerziellen Zuchtbetrieben entkommen waren, was den damaligen Umweltminister dazu veranlasste, die Einstufung aufzuheben, die ihre Zucht zu kommerziellen Zwecken erlaubte – wegen der Gefahren, die durch ihr Eindringen in die Umwelt entstehen könnten. Denn heute kommen Krokodile in Israel nur noch in kontrollierter Form vor, also in Zoss und auf Farmen.
Die isarelische Umweltministerin verteidigte das Projekt heute jedoch und erklärte, die Regierung spreche damit „die Sprache, die unsere Feinde verstehen“. Sie vertrat die Ansicht, dass der starke Anstieg der Zahl der Sicherheitshäftlinge nach dem 7. Oktober 2023 und die damit einhergehende Überbelegung der Gefängnisse die Suche nach zusätzlichen Abschreckungsmaßnahmen erforderlich machten.