"Als FIFA-Präsident bin ich unglaublich stolz, dass ich zu dieser Show, wenn auch nur ein wenig, beitragen durfte. Es ist ein großartiges Gefühl“, schrieb Infantino. Für seine Kritiker hatte er online vor allem Herablassung übrig.
FIFA-Präsident Gianni Infantino hat in einem bizarren Instagram-Post gegen seine Kritiker ausgeteilt. Ihnen rät er, sie sollten "meditieren, beten oder ein Fußballspiel schauen“, statt "ihre Zeit und Energie darauf zu verwenden, uns zu hassen".
In einem Beitrag mit ganzen fünfzehn Folien auf seinem Account feierte Infantino das, was er die "beste Show der Welt" nennt, und verteidigte den Weltfußballverband gegen "diejenigen hinter ihren Bildschirmen, die Hass und falsche Gerüchte verbreiten".
Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada endete am 19. Juli: Spanien besiegte Lionel Messis Argentinier im MetLife Stadium mit 1:0 und holte so den Titel.
Infantino sorgte für WM-Kritik
Die WM kam bei den Fans bestens an. Ganz ohne Kontroversen verlief sie aber nicht – und oft stand der FIFA-Präsident im Zentrum der heftigsten Debatten.
Vielleicht der umstrittenste Moment des Turniers ereignete sich nach dem 2:0-Sieg der US-Nationalmannschaft der Männer gegen Bosnien und Herzegowina im Sechzehntelfinale.
US-Stürmer Folarin Balogun erhielt nach einem Foul an Bosniens Tarik Muharemović die Rote Karte und eine Sperre für ein Spiel. Damit hätte er das wichtige Achtelfinale der USA gegen Belgien verpasst.
Doch die FIFA setzte die Sperre überraschend aus, nachdem Donald Trump Infantino angerufen und ihn gebeten hatte, die Entscheidung zu überprüfen. Das löste scharfe Kritik in der Fußballwelt aus, auch vom europäischen Verband UEFA – und darüber hinaus.
In seinem Instagram-Post ging Infantino auf den Vorfall ein und warf den Kritikern Heuchelei vor.
"Tatsächlich gehören ‚diskutable‘ Schiedsrichterentscheidungen oder ‚merkwürdige‘ Disziplinarurteile – etwa möglicherweise falsche rote oder gelbe Karten oder nachträgliche Entscheidungen, Spieler in bestimmten Situationen doch nicht zu sperren – in einigen der größten Ligen der Welt zum Alltag und werden breit akzeptiert", schrieb er.
"Merkwürdig ist, dass ausgerechnet die Länder, die diese Praxis anwenden, uns jetzt kritisieren", fügte er hinzu.
Infantino lobte außerdem Irans Teilnahme am Turnier vor dem Hintergrund des anhaltenden Konflikts mit den Vereinigten Staaten und pries die Bemühungen der FIFA, "zwei miteinander im Krieg liegende Länder zu vereinen".
"Iran ist ohne Zwischenfälle oder Konflikte in die Vereinigten Staaten eingereist", schrieb er – und blendete damit die Visa-Probleme der iranischen Mannschaft vor Turnierbeginn aus.
Irritierende Momente der WM
Mehrere Mitglieder des Betreuerstabs der Iraner erhielten zunächst kein Visum für die USA. Wegen der Verzögerungen musste das Team sein Trainingslager zudem aus den Vereinigten Staaten, wo alle Gruppenspiele stattfanden, nach Mexiko verlegen.
Die Iraner waren nicht die Einzigen, die mit den US-Einreisebehörden Probleme hatten.
Der somalische Schiedsrichter Omar Artan, einer der weltweit bestbewerteten Unparteiischen, durfte vor Turnierbeginn ebenfalls nicht in die USA einreisen. Die US-Zoll- und Grenzschutzbehörde stufte ihn wegen "Bedenken nach der Sicherheitsüberprüfung“ als "nicht zulässig" ein, was erneut Kritik auslöste.
Infantino, der im Jahr 2016 erstmals zum FIFA-Präsidenten gewählt worden war, versuchte, solche Vorfälle in seinem Post herunterzuspielen.
Ermittlungen gegen Argentinien
Infantino dürfte gehofft haben, dass die Debatten nach dem WM-Finale abebben. Doch das Verhalten Argentiniens nach dem Schlusspfiff sorgte für neue Beschwerden.
Der Weltverband hat ein Verfahren gegen die argentinische Mannschaft eröffnet, nachdem mehrere Spieler und Betreuer von Lionel Scaloni in unschöne Auseinandersetzungen mit den Spaniern verwickelt waren.
Auch die britische Regierung forderte die FIFA zu Ermittlungen in einem weiteren Fall auf. Nach dem 2:1-Sieg Argentiniens gegen England im WM-Halbfinale, in dem die Südamerikaner einen späten Rückstand von null zu eins noch drehten, posierten mehrere Spieler mit einem Banner, das den Anspruch auf die Falklandinseln bekräftigte.
"Much love to all"
Zum Schluss wünschte Infantino "denjenigen hinter ihren Bildschirmen, die Hass und falsche Gerüchte verbreiten", sie mögen "Liebe" und "Frieden" finden.
"Ich bin als FIFA-Präsident unglaublich stolz, zu dieser Show, wenn auch nur ein wenig, beigetragen zu haben. Das fühlt sich großartig an“, schrieb er weiter. "Much love to all."