Deutschland hinkt beim Einbau intelligenter Stromzähler deutlich hinter anderen europäischen Ländern her.
Mit dem Boom der erneuerbaren Energien haben sich Europas Stromsysteme grundlegend verändert.
Früher deckten vor allem steuerbare Kraftwerke mit Kohle, Gas, Atomkraft und Wasserkraft den Bedarf. Betreiber konnten ihre Leistung anpassen, um den wechselnden Stromverbrauch zu decken.
Doch Wind- und Solarenergie folgen keinem festen Fahrplan. Das Wetter entscheidet, wann sie Strom liefern. Solarstrom entsteht vor allem am Tag. Gleichzeitig ist der Verbrauch dann oft niedriger, weil viele Menschen bei der Arbeit oder in der Schule sind.
Sich auf diese Schwankungen einzustellen, gehört heute zu den größten Aufgaben für Europas Energiesystem. Intelligente Stromzähler, sogenannte Smart Meter, spielen dabei eine zentrale Rolle.
Damit das Stromnetz stabil bleibt, müssen Angebot und Nachfrage fein austariert sein. Das wird komplizierter, je größer der Anteil schwankender erneuerbarer Energien wird.
Der Ausbau von Wind- und Solaranlagen ist in Europa schneller vorangekommen als viele Formen der Netzflexibilität, etwa Batteriespeicher. Ein deutlich smarteres Management der Netze ist daher unverzichtbar, um Fehlentwicklungen bei Angebot und Nachfrage zu vermeiden.
Die Internationale Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) betont: Batteriespeicher können in Kombination mit Wind- und Solarstrom eine verlässliche Stromversorgung rund um die Uhr sichern – auch wenn das Wetter nicht ideal ist. Um die Ziele für 2030 zu erreichen, muss die EU ihre Batteriespeicherkapazität allerdings etwa verzehnfachen.
Wie funktionieren Smart Meter?
Smart Meter übermitteln den Stromverbrauch automatisch an Ihren Energieversorger oder Netzbetreiber. Manuelle Ablesungen entfallen, die Rechnungen werden genauer.
Außerdem erhalten Sie mehr Kontrolle über Ihren Energieverbrauch. Sie können Tarife mit flexiblen „Time-of-Use“-Preisen nutzen, die Strom günstiger machen, wenn die Nachfrage niedrig ist oder viel erneuerbare Energie produziert wird.
Damit werden Smart Meter zu einem wichtigen Baustein für die Integration wetterabhängiger erneuerbarer Energien wie Wind- und Solarstrom ins Netz. Flexible Tarife ermutigen Haushalte, stromintensive Geräte wie Waschmaschinen dann zu nutzen, wenn besonders viel Ökostrom verfügbar ist. So passt sich die Stromnachfrage besser an das Angebot an.
Das verringert den Bedarf an Abregelungen – Situationen, in denen Betreiber erneuerbarer Anlagen Geld dafür erhalten, dass sie ihre Produktion drosseln oder Anlagen vorübergehend abschalten, weil mehr Strom erzeugt wird, als das Netz aufnehmen kann.
Wenn mehr Haushalte Elektrofahrzeuge, Wärmepumpen und Heimspeicher einführen, wächst die Bedeutung von Smart Metern weiter. Sie helfen, diese deutlich größeren Stromverbraucher in Zeiten zu verschieben, in denen reichlich erneuerbare Energie zur Verfügung steht.
Smart-Meter-Einführung in Europa kommt nur langsam voran
Trotz dieser Vorteile stockt die Einführung von Smart Metern in der Europäischen Union seit Jahren.
Bereits 2009 sah das dritte Energiepaket der EU vor: Mitgliedstaaten, für die ein positiver Kosten-Nutzen-Nachweis vorlag, sollten bis 2020 mindestens 80 Prozent der Haushalte mit Smart Metern ausstatten. Inzwischen ist diese Frist um sechs Jahre überschritten, doch der Durchschnittswert im Binnenmarkt liegt erst bei rund 60 Prozent.
Die im Juni vorgeschlagenen neuen EU-weiten Rollout-Ziele fallen weniger ehrgeizig aus: Bis 2030 sollen mindestens 50 Prozent der Endverbraucherinnen und -verbraucher einen Smart Meter haben, bis 2033 sollen es 65 Prozent sein – sofern die Pläne verabschiedet werden.
In den meisten EU-Staaten und im Vereinigten Königreich zahlen Haushalte die Installation eines Smart Meters nicht direkt. Wer den Einbau organisiert, unterscheidet sich allerdings von Land zu Land. In einigen, darunter das Vereinigte Königreich, drohen Versorgern Strafen, wenn sie ihre Einbauziele verfehlen. In Frankreich müssen Haushalte, die den Einbau verweigern, dagegen mit Gebühren für manuelle Ablesungen rechnen.
Die Kosten holen sich Netzbetreiber und Versorger in der Regel über regulierte Netzentgelte oder andere Bestandteile der Stromrechnung zurück. Die genaue Ausgestaltung variiert je nach Land.
Wie viel Geld spart ein Smart Meter?
Nach Angaben der Europäischen Kommission (Quelle auf Englisch) könnte mehr Flexibilität auf der Verbrauchsseite den Menschen in der EU bis 2030 Einsparungen von über 71 Milliarden Euro pro Jahr bringen – im bestmöglichen Szenario. Die Zahl stammt allerdings aus einer 2022 von der Industrie in Auftrag gegebenen Studie, die eine weit verbreitete Nutzung von Flexibilität simuliert und nicht nur Einsparungen durch Smart Meter abbildet.
Vorsichtigere Schätzungen der EU gehen davon aus, dass Smart Meter in Verbindung mit zeitvariablen Tarifen üblicherweise zwischen zwei und zehn Prozent einer Haushaltsrechnung einsparen können.
Smart Meter können auch die Kosten für das Netzmanagement senken. Netzbetreiber erhalten bessere Informationen, können Investitionen gezielter planen und die Nachfrage besser steuern. Außerdem sinkt der Bedarf, erneuerbare Anlagen abzuregeln – Kosten, die letztlich über das Stromsystem bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern landen.
Deutschland zahlte 2025 rund 435 Millionen Euro an Erneuerbare-Energien-Produzenten für Abregelungen, das Vereinigte Königreich zahlte rund 363 Millionen Pfund (424 Millionen Euro).
Smart Meter ermöglichen es Haushalten außerdem, sich an Energiegemeinschaften und Stromteilungsmodellen zu beteiligen, indem sie erfassen, wer Strom erzeugt, teilt oder verbraucht.
Diese von Bürgerinnen und Bürgern getragenen Initiativen ermöglichen es Gemeinschaften, gemeinsam erneuerbare Energie zu erzeugen und zu nutzen. Teilnehmende erhalten so Zugang zu günstigeren, saubereren Kilowattstunden, die weniger anfällig für die Schwankungen der Großmarktpreise für fossile Brennstoffe sind.
Smart Meter in Europa: Wer liegt vorn?
Nach Angaben der EU-Agentur für die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden (ACER (Quelle auf Englisch)) verfügten 2024 rund 60 Prozent der europäischen Haushalte über einen Smart Meter. In 15 EU-Ländern lag der Anteil bereits über 80 Prozent.
Schweden und Italien gehörten zu den Pionieren. Italien begann 2001 mit der Installation digitaler Zähler und erreichte bis 2011 nahezu eine Vollabdeckung. Schweden schrieb 2003 monatliche Ablesungen vor und verfügte ab 2009 praktisch flächendeckend über Smart Meter.
Dänemark hatte bis 2024 (Quelle auf Englisch) ebenfalls eine Abdeckung von 100 Prozent erreicht; Estland, Finnland, Lettland, Luxemburg, Norwegen, Portugal und Spanien lagen jeweils bei rund 99 Prozent; Österreich und Slowenien bei 97 Prozent; Frankreich bei 94 Prozent; Malta bei 93 Prozent; die Niederlande bei 90 Prozent; Irland bei 84 Prozent; Großbritannien bei 70 Prozent; und Litauen bei 51 Prozent.
Deutlich zurück lagen Belgien mit 46 Prozent, Polen mit 36 Prozent, Kroatien mit 34 Prozent, Rumänien mit 27 Prozent und Ungarn mit elf Prozent. Zypern stand zu diesem Zeitpunkt bei null Prozent, begann jedoch 2025 mit einer breiten Einführung.
Am auffälligsten ist jedoch Deutschland: 2024 verfügten dort erst rund zwei Prozent der Haushalte über einen fortgeschrittenen Smart Meter. Zwar wurden Smart Meter 2025 für bestimmte Verbrauchergruppen verpflichtend, doch der Rollout kommt weiterhin nur schleppend voran.
Eine ausführliche Erklärung, warum das so ist, folgt später in diesem Monat.