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Erster jährlicher Preisrückgang auf dem britischen Immobilienmarkt seit über einem Jahrzehnt

Der britische Immobilienmarkt erlebt den ersten jährlichen Preisrückgang seit 2012
Der britische Immobilienmarkt erlebt den ersten jährlichen Preisrückgang seit 2012 Copyright ENNIO LEANZA/KEYSTONE/AP
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Von Daniel Harper
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Dieser Artikel wurde im Original veröffentlicht auf Englisch

Der britische Immobilienmarkt verzeichnet zum ersten Mal seit 2012 einen jährlichen Preisrückgang, allerdings steigt die Nachfrage angesichts der gesunkenen Immobilienpreise wieder.

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Nach vielen Jahren könnte dies der Moment sein, um Investitionsideen im britischen Immobiliensektor neu zu überdenken, da die Hauspreise im Vereinigten Königreich laut der britischen Immobilienwebseite Zoopla zum ersten Mal seit über zehn Jahren gesunken sind.

Dieser Preisrückgang ist nur eine Facette einer komplexen Immobilienlandschaft, die von verschiedenen wirtschaftlichen Faktoren und der Stimmung der Verbraucher beeinflusst wird.

Hohe Zinsen fordern ihren Tribut

Ein wichtiger Faktor, der Käufer anlockt, sind die höchsten Preisnachlässe auf Häuser seit vier Jahren. Häuser werden derzeit mit einem durchschnittlichen Preisnachlass von 4,2 Prozent verkauft, was 12 125 Pfund (14 020 Euro) unter dem Durchschnittsangebotspreis entspricht. Dieses Phänomen der Preisnachlässe wurde durch die jüngsten Erhöhungen der Hypothekenzinsen noch verstärkt, die potenzielle Käufer dazu veranlasst haben, günstige Angebote zu suchen.

In diesem Umfeld ist die Nettoaufnahme von privaten Hypothekenkrediten im Vereinigten Königreichs deutlich angestiegen und erreichte im August 1,2 Milliarden Pfund (1,38 Milliarden Euro). Dies ist der vierte monatliche Anstieg in Folge und der höchste Stand seit Januar 2023. Trotz der Herausforderungen drängen die Käufer:innen weiterhin auf den Markt.

Die Nettobewilligungen für Hauskäufe im Vereinigten Königreich, die oft als Vorhersage für die künftige Entwicklung der Kreditaufnahme gelten, fielen im August 2023 auf 45,4 Tausend und damit auf den niedrigsten Stand seit Februar. Dieser Rückgang kann auf die aggressive Straffung der Geldpolitik durch die Bank of England zurückgeführt werden, die sich auf die Wohnungsbauaktivitäten ausgewirkt hat.

Die Genehmigungen für Refinanzierungen, die nur bei anderen Kreditgebern erfolgen, sanken ebenfalls auf 25.000 £ (28.800 €) und erreichten damit den niedrigsten Stand seit Juli 2012. Diese Trends deuten darauf hin, dass sowohl Käufer als auch Hausbesitzer angesichts der steigenden Zinsen vorsichtig sind.

Steuerliche Änderungen drohen

Das Institute for Fiscal Studies (IFS) hat für die nächsten Parlamentswahlen eine signifikante Steuererhöhung in Höhe von etwa 3.500 Pfund (4.046 Euro) pro Haushalt prognostiziert. Diese voraussichtliche Steuererhöhung würde etwa 37 Prozent des nationalen Einkommens ausmachen, gegenüber etwa 33 Prozent im Jahr 2019. Diese Änderungen würden der britischen Regierung jährlich über 100 Milliarden Pfund (115,5 Milliarden Euro) mehr an Steuereinnahmen in die Staatskasse spülen.

Ben Zaranko, leitender Forschungsökonom bei IFS, erklärt, dass diese Verlagerung hin zu einer höheren Besteuerung nicht nur auf die Pandemie zurückzuführen ist, sondern auch auf höhere Staatsausgaben, demografische Veränderungen, Druck im Gesundheitswesen und die Lockerung der Sparmaßnahmen. Diese Entwicklung könnte sich sowohl auf den Wohnungsmarkt als auch auf die Gesamtwirtschaft auswirken.

Ein Hoffnungsschimmer

Trotz dieser Herausforderungen gibt es auf dem britischen Immobilienmarkt einen Hoffnungsschimmer. Die Käufernachfrage hat sich wieder belebt, mit einem Anstieg der Anfragen bei Immobilienmaklern um 12 Prozent seit dem August-Feiertagswochenende. Allerdings ist dieser Nachfrageschub teilweise saisonbedingt.

Auch das Verbrauchervertrauen nimmt zu, unterstützt durch die Aussicht auf niedrigere Hypothekenzinsen in den kommenden Monaten.

Blick in die Zukunft

Während die Hauspreise im vergangenen Jahr um 0,5 Prozent gefallen sind, wobei der Südosten und der Osten Englands mit 1,5 Prozent den stärksten Rückgang zu verzeichnen hatten, wird erwartet, dass die Preise im Herbst weiter sinken werden. Der britische Immobilienmarkt wird das Jahr voraussichtlich mit Hauspreisen abschließen, die etwa 2 bis 3 Prozent niedriger sind als zu Beginn des Jahres, aber immer noch 17 Prozent über dem Niveau von vor der Pandemie liegen.

Der Schlüssel zur Wiederbelebung des Immobilienmarktes könnte in einer Senkung der Hypothekenzinsen liegen, die die Erschwinglichkeit erhöhen und mehr Käufer anziehen könnte. Da Kreditgeber nun beginnen, wettbewerbsfähige Festhypothekenzinsen von unter 5 Prozent anzubieten, besteht die Hoffnung, dass die Käufer in größerer Zahl zurückkehren werden, was die Verkäufe und die Preisgestaltung unterstützen wird.

Der britische Immobilienmarkt befindet sich in einer Übergangsphase, die durch Preisrückgänge, steuerliche Änderungen und veränderte Käuferpräferenzen gekennzeichnet ist. Da sich die wirtschaftlichen Faktoren weiterentwickeln, bleibt der weitere Weg des Marktes ungewiss, wobei niedrigere Hypothekenzinsen eine entscheidende Rolle bei der Erholung spielen könnten.

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