Deutschlands angeschlagene Wirtschaft ist im vergangenen Jahr nach zwei Jahren Rezession wieder leicht gewachsen. Die Hoffnung steigt, dass höhere Ausgaben für Brücken, Bahnstrecken und Verteidigung die jahrelange Stagnation beenden könnten. Ökonomen warnen jedoch vor einer weiterhin fragilen Lage.
Das Bruttoinlandsprodukt legte 2025 um 0,2 Prozent zu. Treiber waren höhere Konsum- und Staatsausgaben. Die Exporte litten dagegen unter einer restriktiveren US-Handelspolitik unter Präsident Donald Trump, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte.
"Deutschlands Exportgeschäfte standen unter starkem Gegenwind: höhere US-Zölle, die Aufwertung des Euro und wachsende Konkurrenz aus China", sagte die Präsidentin des Statistischen Bundesamts, Ruth Brand, während der Pressekonferenz am Nachmittag in Berlin. Die Erwartungen für dieses Jahr steigen also. Deutschland könnte endlich wieder stärker wachsen.
Sonderschulden sind Hauptgrund für aktuelles Wachstum
Besonders die Aussicht auf weiter steigende Staatsausgaben nährt die Hoffnung auf eine spürbare wirtschaftliche Erholung in den kommenden Jahren. "Das Jahr 2025 wird voraussichtlich das letzte mit einer so schwachen Wirtschaftsentwicklung sein", sagt Sebastian Dullien vom gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK).
Bereits im laufenden Jahr dürften staatliche Impulse erstmals deutlich wirken. Dazu zählen das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz sowie wachsende Verteidigungsausgaben.
Doch der Aufschwung hat einen Haken: Er ist nur zum Teil strukturell und stark von Sondereffekten getragen – finanziert über höhere Staatsschulden. So fallen in diesem Jahr ungewöhnlich viele Feiertage auf Wochenenden, was das rechnerische Wachstum automatisch erhöht. Zusammengenommen könnten dieser Kalendereffekt und die zusätzlichen staatlichen Investitionen im Jahr 2026 rund 0,7 Prozentpunkte des Wachstums ausmachen.
Bereinigt um diese Effekte bleibt das Bild ernüchternd: Aus eigener wirtschaftlicher Dynamik wächst Deutschlands Volkswirtschaft weiterhin nur schwach.
Ob es zu einer echten Trendwende kommt, liegt nach der Einschätzung von Ökonomen nun bei der Bundesregierung. Entscheidend seien grundlegende Reformen in der Sozial- und Wirtschaftspolitik. Bleiben diese auch weiterhin aus, dürfte der Blick in die Zukunft auch weiterhin durchwachsen bleiben.
Lange Phase ohne Wachstum einmalig
Die letzen beiden Jahre waren für die Deutsche Wirtschaft besonders schwierig. 2024 schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt um 0,5 Prozent, 2023 sogar um 0,9 Prozent. Einen derart langen und tiefgreifenden Abschwung hat die Bundesrepublik bislang nicht erlebt.
Die Folgen sind deutlich: Die Wirtschaftsleistung liegt heute gerade einmal 0,2 Prozent über dem Niveau von 2019, also vor der Corona-Pandemie. "Eine Phase von sechs Jahren ohne reales Wachstum ist in der Geschichte der Bundesrepublik einmalig", so der Ökonom Nils Jannsen vom Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW).
Im internationalen Vergleich fällt Deutschland besonders stark zurück: Kein anderes G-7-Land verzeichnete zuletzt eine ähnlich schwache Entwicklung. Auch innerhalb der Europäischen Union war die Bundesrepublik zuletzt das Schlusslicht beim Wirtschaftswachstum.