Im Januar legte die Privatwirtschaft in der Eurozone zu. Doch die Preise für Dienstleistungen ziehen dauerhaft an. Das weckt neue Sorgen bei der EZB.
Die Aktivität im Privatsektor der Eurozone wuchs im Januar den achten Monat in Folge. Zugleich zieht die Teuerung im Dienstleistungsbereich wieder an. Das könnte den Zinskurs der Europäischen Zentralbank in diesem Jahr erschweren.
Die jüngsten Schnellumfragen zum Einkaufsmanagerindex (PMI) von Hamburg Commercial Bank (HCOB) und S&P Global deuten zum Jahresauftakt auf einen fragilen Wachstumspfad hin.
Der Composite-PMI für den Euroraum, der Industrie und Dienstleistungen abbildet, verharrte im Januar bei 51,5. Das liegt leicht unter den Erwartungen von 51,8.
„Die Erholung wirkt weiterhin recht schwach“, sagte Dr. Cyrus de la Rubia, Chefökonom der HCOB.
Die Dienstleistungen blieben zwar im Expansionsbereich, zeigen aber Abkühlungstendenzen.
Der Dienstleistungs-PMI der Eurozone sank im Januar auf 51,9, den niedrigsten Stand seit vier Monaten. Im Dezember hatte er bei 52,4 gelegen und verfehlte die erwarteten 52,6.
Die Industrie tut sich weiter schwer. Der PMI lag den dritten Monat in Folge knapp unter der Marke von 50 Punkten und signalisiert anhaltende Schrumpfung.
Inflationsrisiken
Die größte Sorge ist jedoch die wieder anziehende Inflation im Dienstleistungsbereich.
Zwar fiel die Inflation im Euroraum im Dezember auf 1,9 % und lag damit unter dem EZB-Ziel von 2 %. Doch der PMI-Bericht für Januar zeigt: Der grundlegende Preisdruck ist längst nicht gebannt.
„Die Inflation im Dienstleistungssektor, die die Notenbank besonders genau beobachtet, hat sich bei den Verkaufspreisen deutlich erhöht“, sagte de la Rubia.
Die Teuerung bei den Verkaufspreisen erreichte den höchsten Stand seit April 2024, vor allem getrieben von den Dienstleistungen. Dagegen setzten die Erzeugerpreise der Industrie ihren leichten Rückgang fort.
„Für die EZB sind diese Ergebnisse alles andere als beruhigend“, ergänzte de la Rubia. Die Währungshüter dürften sich in ihrem vorsichtigen Kurs bestätigt sehen.
Nach Einschätzung de la Rubias könnten einige der eher straffen Stimmen im EZB-Rat sogar für eine nächste Zinserhöhung plädieren.
In ihrer jüngsten Prognose sieht die EZB die Inflation für 2026 bei 1,9 % und für 2027 bei 1,8 %.
Bei der EZB-Sitzung im vergangenen Monat sagte Präsidentin Christine Lagarde, es sei „kaum überraschend“, dass die Dienstleistungsinflation höher ausfällt als erwartet und die aktuelle Inflationsrate mit nach oben treibt.
Zugleich verwies sie auf sinkende Warenpreise, die einen Ausgleich schaffen. Beide Komponenten entwickeln sich gegenläufig.
Trotz gemischter Konjunktursignale und neuer Inflationssorgen stieg das Geschäftsklima in der Eurozone spürbar.
Der Optimismus für das kommende Jahr erreichte den höchsten Stand seit 20 Monaten, getragen von besserer Stimmung in Industrie und Dienstleistungen. Die Hersteller zeigten den größten Optimismus seit fast vier Jahren.
Auseinanderlaufende nationale Trends
Ein Blick auf die zwei größten Volkswirtschaften der Eurozone zeigt unterschiedliche Entwicklungen.
In Deutschland legte der Privatsektor wieder etwas zu. Der Composite-PMI stieg im Januar auf ein Drei-Monats-Hoch von 52,5, nach 51,3 im Dezember und übertraf die Erwartungen von 51,6.
„Insgesamt zeigen die Daten einen guten Start ins neue Jahr“, sagte de la Rubia.
„Die Industrieproduktion und die Auftragseingänge verzeichneten wieder leichtes Wachstum. Im Dienstleistungssektor zog die Aktivität deutlicher an.“
Frankreich hingegen rutschte zurück in die Schrumpfung. Der französische Composite-PMI fiel im Januar auf 48,6, nach einem neutralen Wert von 50 im Dezember. Das ist der erste Rückgang seit Oktober und blieb unter den Markterwartungen.
Äußere Gegenwinde belasten französische Unternehmen weiter, besonders die Exporteure.
„Neue Zolldrohungen aus den USA, darunter die Aussicht auf einen Zoll von 200 % auf französischen Champagner, zeigen, wie fragil das Umfeld bleibt“, sagte Jonas Feldhusen, Junior-Ökonom der HCOB.
Solche Maßnahmen mögen politisches Säbelrasseln sein, sie verstärken dennoch die Unsicherheit für exportorientierte Firmen. Diese kämpfen bereits mit einem festen Euro und wachsender Konkurrenz aus China.
Auch wenn die Aussicht auf eine Einigung zum Staatshaushalt 2026 für etwas politische Stabilität sorgt, warnte Feldhusen, dass die französische Industrie vor einem schwierigen Weg steht.
„Ob die Industrie 2026 in eine Erholung startet, ist ungewiss“, sagte er. Neue Aufträge schrumpfen weiter, und die Exportleistung steht unter Druck.