Der Optimismus der europäischen Anleger hat ein Rekordhoch erreicht, wie die jüngste Umfrage der Bank of America unter Fondsmanagern zeigt. Gewettet wird auf einen deutschen Konjunkturaufschwung und auf weiterhin steigende Verteidigungsausgaben.
Der Optimismus unter institutionellen Anlegern ist so hoch wie nie. Vor allem die Erwartungen an eine expansivere Haushaltspolitik in Deutschland und steigende Verteidigungsausgaben treiben das Vertrauen in Europas Wirtschaft.
Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Bank of America unter europäischen Fondsmanagern. Demnach rechnen 74 Prozent der Befragten damit, dass sich das Wachstum in den kommenden Monaten beschleunigt – ein Rekordwert.
Im Januar lag dieser Anteil noch bei 67 Prozent. Gleichzeitig erwarten nur noch 15 Prozent eine Stagnation, nach zuvor 23 Prozent. Eine Rezession halten die wenigsten für wahrscheinlich: 96 Prozent der Investoren gehen nicht davon aus.
Deutsche Konjunkturmaßnahmen werden als wichtiger Katalysator gesehen
Die positiven Aussichten werden weitgehend von den deutschen Steuerplänen gestützt. Rund 63 % der Befragten sehen in den deutschen Konjunkturprogrammen den wichtigsten Katalysator für ein stärkeres europäisches Wachstum, während 22 % auf die Erhöhung der EU-Verteidigungsausgaben verweisen.
Insgesamt glauben 59 %, dass die deutschen Steuer- und EU-Verteidigungsausgaben Europa in die Lage versetzen werden, sich von den globalen Wachstumstrends und der Dynamik der US-Politik abzukoppeln.
"Die Auswirkungen der deutschen fiskalischen Anreize zeigen sich allmählich in den Makrodaten", sagte Andreas Bruckner, Investmentstratege bei der Bank of America.
Die verbesserten Aussichten stehen im Gegensatz zu den zunehmenden Sorgen über die US-Wirtschaft.
Dagegen hat sich die Stimmung gegenüber den Vereinigten Staaten verschlechtert. Fast die Hälfte der europäischen Anleger (48 %) erwartet, dass die US-Wirtschaft in den kommenden Monaten in eine Stagnationsphase eintreten wird; im Januar waren es noch 44 %.
Der Anteil derjenigen, die eine Beschleunigung des US-Wachstums erwarten, ist von 36 % auf 33 % gesunken.
Eine Abschwächung des US-Arbeitsmarktes und der Verbraucher wird von 44 % der Befragten als Hauptrisiko für das globale Wachstum angesehen, während 41 % den Policy-Mix der Trump-Regierung als Hauptrisiko nennen.
Nach wie vor starke Überzeugung für europäische Aktien
Die Anleger sind nach wie vor sehr positiv gegenüber europäischen Aktien eingestellt.
Per Saldo sehen 89 % in den nächsten zwölf Monaten ein Aufwärtspotenzial für die Anlageklasse, auch wenn dies gegenüber 97 % im Januar zurückgegangen ist.
Bemerkenswert ist, dass keiner der Befragten einen Rückgang erwartet. Gewinnsteigerungen werden von 89 % der Teilnehmer als der wahrscheinlichste Grund für Kursgewinne genannt, gegenüber 77 % im Januar.
Nur 4 % glauben, dass ein sinkender Diskontsatz der Hauptgrund für höhere Aktienkurse sein wird. Eine Mehrheit (63 %) geht davon aus, dass sich europäische Aktien im nächsten Jahr mäßig besser entwickeln werden als US-Papiere, während 22 % mit einer deutlichen Outperformance rechnen.
Weniger als 10 % rechnen mit einer vergleichbaren oder schwächeren Performance im Vergleich zu den USA. Die Sektorpositionierung spiegelt eine prozyklische Tendenz wider.
Etwa 59 % der Anleger gehen davon aus, dass sich zyklische Werte in den kommenden Monaten besser entwickeln werden als defensive Werte, während es im Januar noch 54 % waren.
Das Gesundheitswesen und die Banken sind im Konsens am stärksten übergewichtet, während der Automobil- und der Mediensektor am stärksten untergewichtet sind.
Der Automobilsektor wird jedoch neben dem Energie- und Gesundheitssektor als einer der am stärksten unterbewerteten Sektoren in Europa angesehen.
Technologie, Versicherungen und Versorger werden als am stärksten überbewertet angesehen.
Dreißig Prozent der Befragten - der größte Anteil - gehen davon aus, dass Industriewerte in den nächsten 12 Monaten am besten abschneiden werden, ein deutlicher Anstieg gegenüber 5 % im Januar.
Rohstoffe folgen mit 19 %. Trotz der starken Erholung halten 56 % der Befragten die europäischen Banken nach wie vor für attraktiv, auch wenn diese Zahl gegenüber dem Vormonat (64 %) gesunken ist; 26 % erwarten nun eine Stagnation des Sektors.
Deutschland ist nach wie vor der beliebteste europäische Aktienmarkt, während Frankreich der am wenigsten bevorzugte ist.
Deutsche Stimmung erreicht 4-Jahres-Hoch
Separate Daten des ZEW zeigen, dass der Indikator für die wirtschaftliche Stimmung in Deutschland im Februar 2026 leicht auf 58,3 gesunken ist, nach einem Vierjahreshoch von 59,6 im Januar, und damit hinter den Markterwartungen von 65 zurückgeblieben ist.
Der ZEW-Indikator bleibt stabil. Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer - wenn auch fragilen - Erholungsphase", sagte ZEW-Präsident Achim Wambach.
Die exportorientierten Branchen haben sich moderat bis stark verbessert.
Vor allem in der Chemie- und Pharmabranche, der Stahl- und Metallerzeugung sowie im Maschinenbau verbesserte sich die Stimmung, da die Auftragseingänge Ende 2025 stärker ausfielen als erwartet.
Auch die Aussichten für den privaten Konsum verbesserten sich, während die Erwartungen für Banken, Versicherungen und Informationstechnologie schwächer ausfielen.