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EU-Australien-Abkommen: Zölle auf Olivenöl, Wurst und Honig fallen

ARCHIV - EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Australiens Premierminister Anthony Albanese nach Einigung auf ein Freihandelsabkommen in Canberra, 24. März 2026.
ARCHIV - EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Australiens Premier Anthony Albanese nach Einigung auf ein Freihandelsabkommen in Canberra, 24. März 2026. Copyright  AP Photo
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Von Una Hajdari
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Nach acht Jahren zäher Verhandlungen einigen sich Europa und Australien auf ein Handelsabkommen. Von Sekt bis kritische Rohstoffe: Wer profitiert, was sich ändert.

Acht Jahre, fünfzehn Verhandlungsrunden, eine im Jahr 2023 ausgesetzte Gesprächsrunde und ein globaler Handelskrieg mussten ins Land gehen. Nun liegt das lange erwartete Abkommen endlich vor.

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In dieser Woche besiegelten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Australiens Premierminister Anthony Albanese mit einem Händedruck ein Freihandelsabkommen. Es soll die wirtschaftlichen Beziehungen zum scheinbar unkompliziertesten Handelspartner der EU neu ordnen – ein bemerkenswerter Erfolg in angespannten Zeiten für den Welthandel.

Anders als viele der jüngsten Handelspartner der EU bereitet Australien kaum politische Kopfschmerzen, wie sie die Abkommen mit den Mercosur-Staaten oder Indien plagen.

Beide Seiten bekennen sich zu regelbasiertem Handel und demokrischer Regierungsführung und betrachten eine zu starke wirtschaftliche Abhängigkeit von China zunehmend mit Skepsis. Damit wird Canberra für Brüssel zum natürlichen Partner, das im Schatten von US-Präsident Donald Trumps Zollkrieg händeringend nach Diversifizierung sucht.

Der Warenhandel zwischen der EU und Australien beläuft sich laut EU-Kommission bereits auf mehr als 49,4 Milliarden Euro pro Jahr. Ein dichtes Geflecht aus Zöllen hat bislang jedoch verhindert, dass beide Seiten das volle Potenzial dieser Beziehungen ausschöpfen.

Das Abkommen lichtet dieses Dickicht. Die Folgen werden weit reichen, vor allem für Hersteller geschützter EU-Produkte, deren Absatz in den USA zuletzt zurückgegangen ist.

ARCHIV - Mitarbeitende der Qualitätskontrolle inspizieren einen Parmigiano-Reggiano-Käse in Noceto, Parma, Italien. 8. Oktober 2019.
ARCHIV - Mitarbeitende der Qualitätskontrolle inspizieren einen Parmigiano-Reggiano-Käse in Noceto, Parma, Italien. 8. Oktober 2019. AP Photo

Australien kauft europäisch

Europäische Hersteller mussten lange hohe Aufschläge in Kauf nehmen, damit ihre Produkte in australischen Supermarktregalen landen.

Das ändert sich nun. Australische Zölle auf europäischen Wein, Sekt, Obst, Gemüse und Schokolade fallen vom ersten Tag an auf null. Für Käse läuft die Abschaffung über drei Jahre.

Auch Champagner, Spirituosen, Kekse und Pasta werden an australischen Kassen günstiger.

Für europäische Produzenten geht es aber nicht nur um den Preis.

Geografische Herkunftsangaben – der EU-Schutz, der etwa Champagner von einfachem Schaumwein oder Pecorino Romano von gewöhnlichem Schafskäse unterscheidet – galten lange als Stolperstein. Nach einer kurzen Übergangsfrist genießen sie nun vollen Schutz.

Beim Namen Feta wird es komplizierter. Australische Hersteller, die die Bezeichnung seit mindestens fünf Jahren ununterbrochen verwenden, dürfen dies weiter tun – Voraussetzung ist eine klare Herkunftskennzeichnung auf der Packung.

Prosecco-Winzer im australischen King Valley dürfen ihre Produkte weiterhin im Inland verkaufen. Ausfuhren in andere Länder sind jedoch nur noch zehn Jahre lang erlaubt.

Weitere Lebensmittel, die in Australien günstiger werden, sind die geräucherte Kransky-Wurst, EU-Honig und Olivenöl. Umgekehrt können sich Verbraucherinnen und Verbraucher in Europa auf preiswertere Meeresfrüchte – auch Hummer – sowie auf australische Walnüsse, Mandeln und Macadamianüsse einstellen.

Autos auf der Überholspur

Europäische Autobauer ärgern sich seit Langem über Australiens Luxusautosteuer. Die Abgabe von 33 Prozent hat das obere Ende der EU-Modellpalette de facto vom Markt ferngehalten.

Das Abkommen schafft die Steuer nicht vollständig ab, öffnet aber eine wichtige Tür.

Australien hebt die Schwelle, ab der für Elektrofahrzeuge die Luxussteuer fällig wird, auf 120.000 Australische Dollar an. Damit fallen rund 75 Prozent der in der EU produzierten E-Autos nicht mehr unter diese Abgabe.

Zugleich liberalisiert Australien den Marktzugang für alle EU-Pkw vollständig. Zölle auf Lkw werden in kurzer Frist abgebaut. Die EU-Kommission erwartet, dass die Ausfuhren von Kraftfahrzeugen aus der EU um bis zu 52 Prozent steigen könnten.

Deutschlands Premiumhersteller BMW, Mercedes und Porsche profitieren voraussichtlich zuerst. Ein zusätzlicher Einfuhrzoll von fünf Prozent auf importierte Autos entfällt ebenfalls.

Milchprodukte: 400-Millionen-Euro-Chance

Im Jahr 2025 exportierte die EU Milchprodukte im Wert von knapp 400 Millionen Euro nach Australien. Den größten Anteil hatte Käse, gefolgt von Butter, Milchpulvern und Säuglingsnahrung.

Mit dem neuen Abkommen sollen diese Lieferungen deutlich zulegen. Die Kommission rechnet mit einem Plus bei den Milchexporten von bis zu 48 Prozent.

Der europäische Branchenverband Eucolait spricht von einem wichtigen und positiven Schritt. Er begrüßt sowohl den Wegfall der Zölle als auch den Schutz der Herkunftsangaben.

ARCHIV - Schwere Maschinen bewegen Kohle, die nahe Muswellbrook im Hunter Valley, Australien, auf einen Haufen verladen wird. 2. November 2021.
ARCHIV - Schwere Maschinen bewegen Kohle, die nahe Muswellbrook im Hunter Valley, Australien, auf einen Haufen verladen wird. 2. November 2021. AP Photo

Schlüsselrohstoffe im Fokus

An diesem Punkt geht es nicht mehr um den Einkaufswagen, sondern um Geopolitik.

Das Abkommen streicht EU-Zölle auf australische kritische Rohstoffe, darunter Lithium und Mangan. Das ist ein wichtiger Schritt, denn beide Seiten sorgen sich darüber, dass China derzeit rund 90 Prozent der weltweiten Verarbeitung seltener Erden kontrolliert – Mineralien, die für Batterien von Elektroautos, Windräder und Rüstungstechnologie unverzichtbar sind.

„Wir dürfen bei solch entscheidenden Rohstoffen nicht von einem einzigen Lieferanten abhängig sein. Genau deshalb brauchen wir einander“, sagte von der Leyen am Dienstag vor dem australischen Parlament.

Die Abkehr von dieser Abhängigkeit steht in Brüssel seit Jahren ganz oben auf der Agenda.

Noch im Mai 2025 betonte Bruegel-Analyst Ignacio García Bercero, das Netz aus Handels- und Investitionsabkommen der EU sei entscheidend, um die wirtschaftliche Widerstandskraft zu stärken. Es sei zugleich das wichtigste geopolitische Instrument, um Allianzen zur Bewältigung globaler Herausforderungen zu stützen. Bruegel nannte ein Abkommen mit Australien ausdrücklich als Priorität – neben Indien und zentralen ASEAN-Partnern.

Der Ärger der Bauern

Doch nicht alle jubeln. Europäische Bauernverbände haben diese Debatten schon einmal geführt – sie stellten sich vehement gegen das Mercosur-Abkommen – und sie geben auch jetzt nicht nach.

Der gesamteuropäische Dachverband Copa-Cogeca bezeichnet die Zugeständnisse als untragbar und verweist auf die kumulativen Folgen einer ganzen Reihe von Handelsabkommen.

Zankapfel ist vor allem Rindfleisch. Die jährliche Quote für australisches Rindfleisch steigt innerhalb von zehn Jahren auf 30.600 Tonnen. Das entspricht rund einem halben Prozent des EU-Binnenverbrauchs und weniger als zwei Prozent aller Rindfleischexporte Australiens.

Beide Seiten behalten sich vor, Schutzklauseln zu aktivieren, falls ein sprunghafter Anstieg der Importe heimische Produzenten in Bedrängnis bringt.

Die strukturellen Spannungen dahinter reichen tief. In einer Analyse aus dem Jahr 2023, die sich als vorausschauend erwies, beschrieb der Bruegel-Senior-Fellow André Sapir, warum diese Gespräche politisch schmerzhaft werden mussten.

„Landwirtschaftliche Erzeugnisse und Rohstoffe machen fast 85 Prozent der australischen Ausfuhren aus, aber weniger als 20 Prozent der EU-Exporte. [Industriegüter] stehen dagegen für mehr als 80 Prozent der EU-Ausfuhren, aber für weniger als zehn Prozent der Exporte Australiens“, hieß es in der Analyse.

Beide Seiten mussten also ausgerechnet jene Sektoren öffnen, in denen ihre Landwirte und Beschäftigten am stärksten unter Druck stehen.

Der größere Zusammenhang

Das Abkommen ist nicht im luftleeren Raum entstanden.

Seit Donald Trump wieder an der Macht ist, haben Handelsabkommen für die EU deutlich an geostrategischer Bedeutung gewonnen. In den vergangenen Monaten schloss sie Verträge mit Mexiko, der Schweiz und Indonesien ab, während das Mercosur-Abkommen auf eine vorläufige Anwendung zusteuert.

Australien ist der jüngste – und wohl symbolträchtigste – Neuzugang auf dieser Liste.

Nach Angaben der EU-Kommission dürften Exporteure aus der Union durch das Abkommen jährlich mehr als eine Milliarde Euro an Zöllen sparen. Insgesamt könnten die Warenexporte der EU nach Australien in den kommenden zehn Jahren um bis zu ein Drittel zulegen.

Nun steht auf beiden Seiten die Ratifizierung an. Sie könnte ins Stocken geraten, falls Bauern in Europa und Australien massiven Widerstand organisieren.

Das Abkommen beseitigt zudem EU-Zölle auf australischen Wasserstoff – ein Detail, das in vielen Berichten kaum Beachtung gefunden hat.

Für einen Staatenverbund, der seine Energieversorgung nach dem Bruch mit russischem Gas noch immer neu ordnet, hat ein bevorzugter Zugang zu einem großen Produzenten von sauberem Wasserstoff eine Bedeutung, die weit über die nackten Zahlen hinausgeht.

Wasserstoff lässt sich als Brennstoff verbrennen oder in Brennstoffzellen zur Stromerzeugung nutzen. Dabei entsteht als Nebenprodukt lediglich Wasser – damit zählt er zu den saubersten verfügbaren Energiequellen.

Allerdings ist seine Herstellung sehr stromintensiv. Australien ist hier im Vorteil: Das Land verfügt über enorme Potenziale für erneuerbare Energien aus Sonne und Wind, die eine kostengünstige Produktion im großen Maßstab ermöglichen.

Die EU sieht Wasserstoff als Ersatz für das Erdgas, das früher aus Russland kam – vor allem für energieintensive Industrien wie Stahl, Chemie und Zement.

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