Milliarden fließen in die Verteidigung, die Rüstungsindustrie wächst rasant. Neben Konzernen drängen zunehmend Start-ups in den Markt. Ein Ex-Soldat entwickelt mit seinem Unternehmen erfolgreich unbemannte Systeme, die bereits in der Ukraine eingesetzt werden – und sieht die Branche im Wandel.
Es ist ein Novum: Zum ersten Mal stellen Rüstungsproduzenten auf der größten Industriemesse der Welt, der Hannover Messe, ihre Produkte aus. Es ist ein Symbol für den Zeitgeist. Aufrüstung statt Abrüstung ist zunehmend das Credo.
Deutschland sicherer machen, insbesondere Deutschlands Staudämme, das ist das Kernanliegen von Jannik Vieten und seinen Kollegen. Vieten ist IT-Sicherheitsberater beim deutschen Softwareunternehmen "SySS" aus Tübingen. "Wir haben hier einen kleinen Aufbau gemacht, wo wir mit einer Siemens-Steuerung und einem Minicomputer ein kleines Staudammmodell simuliert haben", so Vieten. In dem Aufbau verstecken sich Sicherheitslücken, die gehackt werden können. Verschafft ein Angreifer sich Zugriff, "lässt sich der Staudamm öffnen und somit das Dorf fluten".
Die Nachricht: IT-Sicherheitslücken können drastische Auswirkungen in der echten Welt haben. "Das Beispiel ist auch nicht ganz aus der Luft gegriffen, denn genau so ein Fall gab es letztes Jahr in Norwegen, wo tatsächlich Angreifer es geschafft haben, im Internet ein Steuerungsinterface von einem Staudamm zu finden und dieses dann über mehrere Tage einfach geöffnet haben und laufen lassen konnten."
Rüstung boomt
Mehr als 300 Staudämme gibt es in Deutschland, so die Internationale Kommission für große Talsperren. Sie umfassen teils mehr als 100 Millionen Kubikmeter (m³) Wasser, wie etwa die Rappbodetalsperre im Harz mit fast 110 Millionen m³ Stauseevolumen. Unvorstellbar sind die Konsequenzen, sollte ein solcher Stausee manipuliert werden.
Kaum eine deutsche Industrie boomt so sehr wie die Rüstungsindustrie. Ab 2029 will die Bundesregierung jährlich mehr als 150 Milliarden Euro in äußere Sicherheit investieren. Rheinmetall, Airbus Defence, KNDS – die Liste alteingesessener Rüstungskonzerne ist lang.
Doch inzwischen ist die Rüstungsindustrie eine Art Start-up-Paradies geworden. Einer der Gründer: Marc Wietfeld. 14 Jahre lang war er bei der Bundeswehr, bis er sich mit "ARX Robotics" selbständig machte.
Zunehmend werden Vorbehalte gegen die Rüstungsindustrie "abgebaut", so Wietfeld. Früher war es eine Branche, sagt Wietfeld, "die war sehr nah an Alkohol, Tabak, Glücksspiel und Pornografie". Mittlerweile sei Rüstung "Teil der wirtschaftlichen und demokratischen Gesellschaft geworden".
Wietfelds Münchner Start-up entwickelt unter anderem den unbemannten Mini-Panzer "Gereon". In der Ukraine ist er bereits im Einsatz. In München hat das ukrainische Militär die weltweit größte militärische Robotikflotte bestellt.
Wichtig seien jetzt Skalierungsfähigkeiten und Komponenten aus europäischen Lieferketten, erklärt Wietfeld weiter. "Unternehmen aus dem Mittelstand brauchen wieder verlässliche Aufträge. So wachsen wir zusammen in sehr engen Partnerschaften."