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Europa: Energieverbrauch fürs Kühlen verdoppelt – welche Länder nutzen am meisten?

ARCHIV: Am 23. September 2024 geht die Sonne hinter Hochspannungsleitungen im Stadtteil Porter Ranch in Los Angeles unter.
ARCHIV: Am 23. September 2024 geht die Sonne hinter Hochspannungsleitungen im Stadtteil Porter Ranch in Los Angeles unter. Copyright  AP Photo/Mark J. Terrill, File
Copyright AP Photo/Mark J. Terrill, File
Von Servet Yanatma
Zuerst veröffentlicht am
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Die vergangenen drei Jahre waren weltweit die heißesten seit Beginn der Aufzeichnungen. Der Energiebedarf für Kühlung steigt; in EU-Haushalten hat er sich in nur sechs Jahren verdoppelt.

Der Juni 2026 war in Westeuropa der heißeste Juni seit Beginn der Aufzeichnungen und weltweit der zweitwärmste, meldet der Copernicus-Dienst. Global gesehen waren 2024, 2023 und 2025 – in dieser Reihenfolge – die drei wärmsten Jahre seit Messbeginn.

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Steigende Temperaturen und häufigere Hitzewellen bringen immer mehr Menschen dazu, ihre Wohnungen zu kühlen. Dadurch wächst der Energiebedarf in ganz Europa. Der Energieverbrauch privater Haushalte für Kühlung hat sich in der EU zwischen 2018 und 2024 verdoppelt.

Wie verändert sich der Energieverbrauch für Kühlung in Europa? Welche Länder verzeichnen die größten Zuwächse? Und wo macht Kühlung bereits einen besonders großen Anteil am Energieverbrauch der Haushalte aus?

Die Energiemenge, die Haushalte in der EU für Kühlung verbrauchen, zeigt den Trend deutlich. Sie stieg von 40,5 Tausend Terajoule (TJ) im Jahr 2018 auf 80,4 Tausend TJ im Jahr 2024 – ein Plus von 99 Prozent.

Im Jahr 2010 lag der Verbrauch noch bei lediglich 15,5 Tausend TJ. Damit hat er sich in vierzehn Jahren um 420 Prozent erhöht.

Größte Zuwächse: Was hinter den Zahlen steckt

Die Entwicklung zwischen 2018 und 2024 unterscheidet sich in Europa deutlich. Die Wachstumsraten sollte man jedoch vorsichtig interpretieren.

Manche Länder, in denen bisher kaum Energie für Kühlung eingesetzt wurde, holen nach und installieren Klimaanlagen oder andere Kühlsysteme. Ihr Verbrauch bleibt insgesamt noch niedrig, doch in der Statistik schlagen diese Neuzugänge mit sehr hohen prozentualen Zuwächsen zu Buche.

In Österreich stieg der Energieverbrauch der Haushalte für Kühlung zum Beispiel von 22 TJ im Jahr 2018 auf 253 TJ im Jahr 2024.

Damit verzeichnet Österreich zwischen 2018 und 2024 den größten Zuwachs beim Energieverbrauch für Kühlung – mehr als 1.000 Prozent. Unter den EU-Staaten meldet Tschechien ein Plus von 244 Prozent. Italien liegt mit einem Anstieg um 193 Prozent auf Rang drei. Dort zeigt sich, dass die Nachfrage weiter wächst, obwohl Klimaanlagen längst weit verbreitet sind.

Auch in Ungarn (171 Prozent), Finnland (163 Prozent), Spanien (127 Prozent), Slowenien (114 Prozent) und Griechenland (103 Prozent) hat sich der Energieverbrauch für Raumkühlung in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt.

Zusammen mit Italien machen die Zuwächse in Spanien und Griechenland deutlich, wie stark der Kühlbedarf in Südeuropa steigt.

Unter den größten Volkswirtschaften der EU verzeichnet Frankreich einen Anstieg um 52 Prozent. Deutschland bleibt vergleichsweise stabil und kommt nur auf ein Plus von acht Prozent.

Eine Null in der Grafik bedeutet, dass für das betreffende Land kein Energieverbrauch für Kühlung gemeldet wurde. Sie zeigt nicht an, dass es keinen Anstieg gab.

Kühlung hat in manchen Ländern großen Anteil

Der Anteil der Energie für Raumkühlung am gesamten Haushaltsverbrauch unterscheidet sich in Europa stark. Das spiegelt verschiedene Klimazonen und geografische Bedingungen wider.

Im Jahr 2024 lag der EU-Durchschnitt lediglich bei 0,84 Prozent, also unter einem Prozent.

In einigen Staaten hat Kühlung jedoch einen deutlich größeren Anteil am Energieverbrauch der Haushalte. Zypern liegt mit 16 Prozent an der Spitze. Zweistellige Werte erreicht Kühlung auch in Malta (15 Prozent) und in Albanien (13,4 Prozent), das EU-Beitrittskandidat ist.

In Griechenland fließen 7,4 Prozent des Haushaltsenergieverbrauchs in Kühlung. Über 2 Prozent erreicht der Anteil zudem in Nordmazedonien (3 Prozent), Montenegro (2,9 Prozent), Spanien (2,5 Prozent), Italien (2,3 Prozent) und Kroatien (2,1 Prozent).

Italien verbraucht ein Drittel der EU-Energie für Kühlung

Italien verzeichnet mit 26,3 Tausend TJ den höchsten Energieverbrauch für Kühlung in der EU. Noch wichtiger: Das entspricht fast einem Drittel des gesamten EU-Verbrauchs, nämlich 32,7 Prozent.

Spanien liegt sowohl beim Anteil als auch beim absoluten Verbrauch auf Platz zwei, mit 17,8 Prozent und 14,3 Tausend TJ. Griechenland hat mit 14,8 Prozent den dritthöchsten Anteil in der EU und liegt damit deutlich vor Frankreich (11,8 Prozent).

Wer die EU-Beitrittskandidaten einbezieht, findet die dritthöchsten Verbrauchswerte für Kühlung in der Türkei mit 13,6 Tausend TJ.

Hitzewellen im Juni 2026 treiben Stromnachfrage und Preise nach oben

Der wachsende Kühlbedarf verändert Europas Strommarkt bereits spürbar.

Während der Hitzewellen im Juni 2026 ist die Stromnachfrage in den vier größten Volkswirtschaften der EU deutlich gestiegen, am stärksten in Frankreich. Nach Angaben des französischen Netzbetreibers RTE führt jedes Plus von einem Grad Celsius in der Regel zu einem zusätzlichen Bedarf von 0,7 bis 1 Gigawatt Strom. An den heißesten Tagen entfällt davon schätzungsweise ein Mehrbedarf von 10 bis 14 Gigawatt allein auf Kühlung.

Die höhere Nachfrage trieb die Großhandelspreise für Strom stark nach oben. In Deutschland überstiegen sie 200 Euro je Megawattstunde (MWh), in Frankreich näherten sie sich 160 Euro/MWh und in Spanien lagen sie über 110 Euro/MWh. Der Preissprung lässt sich nicht nur mit dem gestiegenen Kühlbedarf erklären, sondern auch mit einem begrenzten Angebot: In Deutschland wehte wenig Wind, zugleich kam es in Frankreich vorübergehend zu Drosselungen der Atomstromproduktion, weil die Flussgewässer ungewöhnlich warm waren. Sprünge der Großhandelspreise schlagen sich nicht sofort auf den Haushaltsstrom durch. Halten sie jedoch länger an, steigen mit der Zeit auch die Tarife für Endkunden.

Europa erwärmt sich doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt

Europa ist der Kontinent, der sich weltweit am schnellsten erwärmt. Es heizt sich doppelt so schnell auf wie der globale Durchschnitt. Nach Daten der FAO gehören die zehn Länder mit dem größten Temperaturanstieg im Jahr 2023 allesamt zu Europa. Das zeigt, wie stark die Folgen des Klimawandels den Kontinent bereits treffen.

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