Mehrere Künstler sagen ihre Auftritte bei einem Comedy-Festival im Oktober ab. Sie protestieren offenbar gegen Hauptact Jerry Seinfeld und dessen pro-israelische Haltung zum Gaza-Krieg.
Ein Comedy-Festival in Portugal liefert derzeit wenig Anlass zum Lachen. Die erste Ausgabe des Internationalen Humorfestivals von Lissabon, Commedia a La Carte Fest, sorgt für Spannungen: Mehrere portugiesische Künstler haben ihre Auftritte abgesagt.
Zuletzt zog die Schauspielerin Inês Aires Pereira nach: Sie kündigte am Samstag an, ihr Stück „Namastê“ aus dem Programm des Festivals zu nehmen.
In sozialen Netzwerken schrieb sie: „Einer der Beteiligten vertritt beharrlich Ideen und Handlungen, die ich für unvertretbar halte.“ Und sie ergänzte: „Wir dürfen einen Genozid nicht relativieren oder zur Normalität machen.“
Sie nannte keinen Namen. Ziel der Kritik scheint jedoch der US-Komiker Jerry Seinfeld zu sein, der Star des Festivals, der seine Unterstützung für Israel offen bekundet.
Die portugiesische Schauspielerin war nicht die Erste, die ihre Teilnahme absagte. Ebenfalls am Samstag erklärte das Comedy-Duo Cebola Mol, bestehend aus Eduardo Madeira und Filipe Homem Fonseca, dass es beim Festival nicht auftreten werde.
„Gerechtigkeit, Freiheit und Freude feiern wir bei nächster Gelegenheit gemeinsam mit euch“, schrieben sie in den sozialen Netzwerken.
Auf dem dazugehörigen Bild ist eine Illustration der beiden Komiker mit einer Wassermelone zu sehen, einem im Netz weit verbreiteten Symbol der Solidarität mit der palästinensischen Sache.
Der Musikabend „Tributo Pop“ mit Carolina Deslandes, Tatanka und Bárbara Tinoco sowie das Ensemble Cuca Monga waren die ersten, die sich zurückzogen. Danach sagten der Comedian Pedro Tochas und der bildende Künstler Vhils (Alexandre Farto) ab.
„Danke an alle, die nachgefragt haben. Mein Name stand auf einem der Festivalplakate. Ich habe darum gebeten, ihn zu entfernen, und dem wurde entsprochen. Da offenbar noch einige glauben, ich sei dabei, halte ich es hier fest: Ich werde nicht beim MEO Commedia a La Carte Fest auftreten“, erklärte der Künstler auf Instagram.
Die Beteiligten gaben bislang nur die Absage ihrer Auftritte und ihrer Teilnahme bekannt, ohne Gründe zu nennen.
Die erste Ausgabe des Internationalen Humorfestivals von Lissabon, Commedia a La Carte Fest, soll vom 29. Oktober bis zum 1. November stattfinden. Aufrufe zu Boykott und Absagen mehren sich, vor allem in den sozialen Netzwerken.
Bislang halten die Veranstalter am Programm fest. Auf der Liste stehen weiterhin Namen wie Herman José, Clarice Falcão, Matilde Breyner sowie das Quartett César Mourão, Vasco Palmeirim, Pedro Ribeiro und Vera Fernandes. Öffentlich gibt es keine Hinweise darauf, dass sie die Teilnahme Seinfelds überdenken könnten.
Der Komiker äußert sich seit den Angriffen vom siebten Oktober 2023 deutlich offensiver politisch. Seinfeld traf Familien von Geiseln, die von der Hamas verschleppt wurden, und stellte sich demonstrativ auf die Seite Israels, eine klare Annäherung an die israelische Position im laufenden Krieg.
Der Kurswechsel nach Jahrzehnten, in denen er politische Stellungnahmen vermied, gilt inzwischen als einer der meistdiskutierten Aspekte seiner jüngeren Karriere.
Bei einer Veranstaltung im vergangenen Jahr an der Duke University im US-Bundesstaat North Carolina verglich der Komiker die Bewegung „Free Palestine“ mit dem Ku Klux Klan (Quelle auf Portugiesisch) (KKK), einer Organisation weißer Suprematisten.
„Wenn du ‚Free Palestine‘ sagst, gibst du nicht zu, was du eigentlich denkst. Deshalb, verglichen mit dem Ku Klux Klan, finde ich, dass der Klan in dieser Hinsicht sogar ein bisschen besser ist, weil er offen sagen kann: ‚Wir mögen keine Schwarzen, wir mögen keine Juden.‘ Okay, das ist ehrlich.“
Der Angriff der Hamas auf israelisches Gebiet forderte rund 1.200 Tote und mehr als 200 Geiseln. Er ließ den Konflikt in der Region eskalieren; nach Angaben der Hamas, die nicht zwischen Kämpfern und Zivilisten unterscheidet, wurden bisher mehr als 73.000 Menschen getötet und über 174.000 verletzt.
Jerry Seinfeld tritt am 1. November in der MEO Arena auf (Quelle auf Portugiesisch). Die Tickets kosten zwischen 60 und 250 Euro, einige Bereiche sind bereits ausverkauft.