Damon Albarns Auftritt fällt in eine Phase intensiver Debatten über die Freiheit von Künstlern, sich zu Palästina zu äußern. Seine Worte hallen nach, denn die Zurückhaltung von Stars wie Ed Sheeran stößt auf breite Kritik.
Gorillaz haben ihre US-Tour 2026 gestartet. Frontmann Damon Albarn rief das Publikum auf, angesichts der Gräueltaten im Gazastreifen nicht „neutral“ zu bleiben.
Beim Konzert im Kia Center in Orlando an diesem Wochenende nahm Albarn einem Zuschauer eine palästinensische Flagge ab, hielt sie über den Kopf und rief ins Rund: „Vergesst das nicht. Niemals. Bezieht klar Stellung. Seid niemals neutral.“
Albarn ist nicht der erste Künstler, der auf der Bühne offen über die Gewalt im Nahen Osten spricht. Viele Acts wie Massive Attack, Kneecap, Fontaines D.C., Patti Smith und andere zeigen Solidarität mit den Palästinensern. Dennoch bekommen Albarns Worte besondere Aufmerksamkeit – vor dem Hintergrund der Ed-Sheeran-Kontroverse.
Die Debatte darüber, wie frei Künstler ihre Meinung zu Palästina äußern können, hält an. Auslöser war Macklemores „Free Palestine“-Rede während Sheerans Tour und die anschließende Streichung des Rappers aus dem Line-up.
Der Besitzer des Gillette Stadium, Robert Kraft, erklärte, er empfinde Macklemores Rede als „zutiefst beleidigend und verletzend für die jüdische Gemeinschaft“. Daraufhin flog der Rapper aus dem Programm – obwohl Macklemore in seiner Ansprache betonte: „An alle meine jüdischen Brüder und Schwestern: Kritik an Israel, Kritik an Apartheid, der Protest gegen Völkermord ist in keiner Weise Kritik an euch. Meine Botschaft ist Frieden; Liebe dafür, dass alle Menschen mit Würde, Respekt und Gleichheit behandelt werden.“
Sheeran, der an diesem Wochenende ohne seine Vorgruppen und ohne Begleitband wieder auf die Bühne zurückkehrte – sie hatten aus Solidarität mit Macklemore die Tour verlassen –, äußerte sich zu der Situation und räumte „Fehler“ ein. Außerdem sagte er, die Kontroverse habe ihn daran zweifeln lassen, ob er „überhaupt Künstler sein“ wolle.
„Ich will keine Fans enttäuschen, und ich wollte nie ein aktivistischer Musiker sein. Aber das hat mich mitten hinein in eine wichtige und leidenschaftliche Debatte über Meinungsfreiheit und das komplexeste politische Thema dieses Planeten gestellt“, sagte er. „Die vergangene Woche war eine der schlimmsten meines Lebens … Heute Abend war ehrlich gesagt die beste Show meines Lebens. (…) In solchen Situationen merkt man, wer wirklich Freund ist … Menschen, die ich seit Jahren kenne, ziehen sich zurück.“
Seine Aussagen lösten weiteren Widerspruch aus. Viele Nutzerinnen und Nutzer im Netz werfen ihm vor, die Kontroverse auf sich selbst statt auf den verheerenden Verlust von Menschenleben zu lenken.
Mehrere Künstler stellen sich hinter Macklemore und kritisieren Sheeran scharf. Massive Attack erklärte: „Neutralität angesichts des Massakers an mehr als 20.000 Kindern kann nie Neutralität sein“, und Ex-Pink-Floyd-Mitglied Roger Waters nannte Sheeran ein „kleines Arschloch“.
Albarn hat sich bereits mehrfach öffentlich für die Rechte der Palästinenser eingesetzt.
Im Gespräch mit Channel 4 News sagte er im vergangenen Jahr: „Es geht darum, Palästina nicht die Legitimität abzusprechen, die historische Präsenz der Palästinenser nicht zu leugnen und den Völkermord anzuerkennen, der dort stattfindet. (…) Das ist kaum auszuhalten. Es fühlt sich entsetzlich hilflos an, und wir dürfen den Palästinensern ihre Existenz nicht absprechen – genau das geschieht im Moment. Das ist einfach falsch. Palästinenser gehören dorthin, und man kann sie nicht einfach vertreiben. Das ist nicht akzeptabel.“
Damon Albarn von Gorillaz tritt beim Shaky Knees Music Festival auf – Sonntag, 20. September 2026Damon Albarn von Gorillaz tritt beim Shaky Knees Music Festival auf – Sonntag, 20. September 2026
Die Hamas griff Israel am 7. Oktober 2023 an. Das Gesundheitsministerium in Gaza meldet in den vergangenen drei Jahren israelischer Bombardierungen mehr als 73.000 Tote. Organisationen wie Amnesty International, Human Rights Watch und die Vereinten Nationen sprechen von „Völkermord“.
Ein Bericht einer unabhängigen UN-Kommission, der im Juni veröffentlicht wurde (Quelle auf Englisch), kommt zu dem Schluss, dass „israelische Behörden und Sicherheitskräfte gezielt palästinensische Kinder ins Visier genommen haben und so im Gazastreifen Völkermord und schwerste Verbrechen sowie im Westjordanland Kriegsverbrechen verübt wurden“.
Ein früherer Bericht einer von den Vereinten Nationen eingesetzten Untersuchungskommission vom vergangenen September kam bereits zu dem Ergebnis, dass Israel Völkermord begangen habe. Demnach seien diese Handlungen von hochrangigen israelischen Regierungsvertretern, darunter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, angestachelt worden. Israel weist die Vorwürfe immer wieder als „verleumderisch“ und „verzerrt“ zurück.