Das dänische Unternehmen Novo Nordisk, das unter anderem Ozempic und Wegovy herstellt, fährt große Gewinne in den USA ein. Laut Fachleuten stellt es in laufenden Verhandlungen zu einem Grönland-Abkommen trotzdem kein Druckmittel.
Dänemark und die USA wollen sich zu Grönland einigen. Mit Pharmakonzernen wie Novo Nordisk, die unter anderem die in den USA beliebten Ozempic-Produkte herstellen, hat Dänemark jedoch nicht viel in der Hand.
Die größte Branche des Landes verschaffe Dänemark dabei wohl kaum ein Druckmittel, sagen Fachleute zu Euronews Health. Derzeit laufen noch Gespräche zwischen Dänemark und den Vereinigten Staaten über ein mögliches Abkommen zu Grönland.
Ozempic & Co. Dänischer Verkaufsschlager in den USA
Dänemarks wichtigste Exporte in die Vereinigten Staaten sind Chemikalien und verwandte Produkte, darunter Pharmazeutika aus dem Gesundheitswesen. Ihr Wert lag 2024 bei rund 21,5 Milliarden DKK (2,8 Milliarden Euro) und damit bei 34 Prozent der Ausfuhren über den Atlantik, so das Statistikamt Dänemarks.
Im Zentrum dieses Handels steht Novo Nordisk, der dänische Pharmariese hinter den viel gefragten Abnehm- und Diabetesmedikamenten Ozempic und Wegovy.
Das Unternehmen hält laut der US-Finanzfirma Morningstar rund 43 Prozent Marktanteil in den USA bei Abnehmpräparaten und bleibt trotz Konkurrenz ein Schwergewicht.
Doch die neue Geopolitik im Pharmahandel könnte sich rächen, sollten die bilateralen Gespräche zu Einschränkungen für dänische Produkte führen, etwa durch Zölle, die US-Präsident Donald Trump beispielsweise auf französischen Wein erheben wollte.
"Dänemark würde sich ins eigene Fleisch schneiden. Es hätte kaum Druckmittel", sagte Marta Wosinska, Gesundheitsökonomin und Senior Fellow beim US-Thinktank Brookings, zu Euronews Health. "Das wäre für sie alles andere als klug."
"Es ist kein Antibiotikum und kein Krebsmedikament"
Der Wirkstoff in Ozempic und Wegovy, Semaglutid, wird überwiegend in Dänemark hergestellt. Die Pens, mit denen sich Patientinnen und Patienten das Mittel spritzen, werden sowohl in Dänemark als auch im US-Bundesstaat North Carolina befüllt, so Prashant Yadav, Senior Fellow für globale Gesundheit beim US-Thinktank Council on Foreign Relations.
Diese Unterscheidungen seien wichtig, wenn Regierungen entscheiden, in welcher Produktionsstufe sie Zölle oder Sanktionen ansetzen, ergänzte Yadav. Denn das werfe komplexe Fragen auf, welches Land die Zusatzkosten tragen würde.
"Die USA könnten auf Fertigprodukte hohe Zölle erheben. Weil Novo in North Carolina aber bereits Abfüll- und Endfertigung betreibt, ließe sich das Unternehmen damit kaum komplett aus dem US-Markt drängen", sagte er.
Dänemark könnte theoretisch den Export von Semaglutid in die USA einschränken. Der Effekt bliebe jedoch begrenzt, so Yadav.
Sanktionen bei Arzneien greifen vor allem, wenn das Mittel unverzichtbar ist. Das treffe auf Wegovy und Ozempic nicht zu, auch wenn sie Menschen mit Diabetes wirksam helfen, sagte er.
"Es ist nicht wie bei einem Antibiotikum oder einem Krebsmedikament, bei dem ein Gesundheitssystem ohne das Mittel komplett ins Wanken gerät."
Wer kann Ozempic Konkurrenz machen?
Novo Nordisk hat zudem einen großen US-Rivalen: Eli Lilly, der globale Pharmakonzern hinter dem Abnehmpräparat Mounjaro. Die Marktanteile seien "in etwa gleich" zwischen Eli Lilly und Novo Nordisk verteilt. Damit haben die USA eine "große Abhängigkeit" von dänischen Adipositasmedikamenten, sagte Yadav.
China, Kanada, Japan und europäische Länder sind nach den Vereinigten Staaten die größten Märkte von Novo Nordisk, schrieb das Unternehmen in einer 2024 bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichten Jahresreport.
Doch keiner dieser Märkte sei groß genug, um das US-Loch in den Gewinnen von Novo Nordisk zu stopfen, falls Beschränkungen kämen, so Yadav. "Die USA stehen für rund 70 Prozent von Novo Nordisks Semaglutid-Markt", schätzte der Thinktanker.
Die Produkte von Novo Nordisk und Eli Lilly ähneln sich zudem so sehr, dass Patientinnen und Patienten bei Bedarf von dem einen auf das andere wechseln könnten, argumentierten Yadav und Wosinska. Das einzige Hindernis sei das neue Rezept vom Arzt, so Wosinska.
Sollte es in den USA Einschränkungen für Produkte des Konzerns geben, müssten einige Betroffene von der oralen Wegovy-Tablette auf eine Injektion umsteigen, sagte Yadav. Die Zahl der Patientinnen und Patienten auf dieser Darreichungsform ist jedoch sehr klein.
Die US-Arzneimittelbehörde FDA erteilte die Zulassung im Dezember, wie Novo Nordisk mitteilt. Eli Lilly testet derzeit seine eigene Tablette. Erste Ergebnisse zeigen, dass sie den Gewichtsverlust auf dem Niveau der Injektionspräparate wie Wegovy oder Ozempic halten kann.
"Wenn [Novo Nordisk] eine Zeit lang quasi vom Markt verschwindet und Eli Lilly die Tablette herausbringt, wäre das ein enormer Verlust für Novo", ergänzte Wosinska.
Möglicher Engpass bei Wirkstoff
Beschränkungen für Semaglutid-Produkte, egal ob aus Dänemark oder den USA, würden auch bedeuten, dass die US-Arzneimittelbehörde FDA den Wirkstoff als "knapp" einstufe, sagte Wosinska.
Arzneimittel sind durch 20-jährige Patente geschützt, die dem Hersteller das exklusive Recht geben, das Präparat herzustellen, zu verwenden und zu verkaufen, so eine Regelung der FDA.
Steht ein Mittel wie Semaglutid auf der Knappheitsliste, erlaubt eine Lücke im US-Recht zugelassenen Apotheken, Markenpräparate legal zu verändern und so eine "nicht genehmigte Version" herzustellen. Dieses Verfahren laute "Compounding", sagte Wosinska.
"[Die Apotheken] könnten sagen: Wir wählen für [Patientinnen und Patienten] ein ganz anderes Dosierungsschema … oder wir fügen Vitamin D hinzu", sagte Wosinska. "Man könnte einwenden, dass das keine ausreichend gravierenden Änderungen sind. Das Gesetz definiert diese Anpassung aber nicht klar."
2022 setzte die FDA Semaglutid von Novo Nordisk und Tirzepatid von Eli Lilly, den Wirkstoff in Mounjaro, wegen hoher Nachfrage auf die Knappheitsliste, heißt es in einer Mitteilung der Behörde. Beide Mittel gelten inzwischen nicht mehr als knapp.
Nach dem Engpass reichte Novo Nordisk laut Unternehmensangaben mehr als 130 Klagen gegen US-Firmen in 40 Bundesstaaten ein, die nicht genehmigte Versionen von Semaglutid verkauften, dem Wirkstoff in Wegovy und Ozempic.
Sollte Dänemark Beschränkungen für den US-Markt verhängen, müsste Novo Nordisk der FDA jede Störung der Semaglutid-Lieferung melden, sagte Wosinska. Die Substanz dürfte dann wohl wieder auf der Knappheitsliste landen.