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Welt erwärmt sich schneller als erwartet: Weniger Luftverschmutzung hebt verdeckten Kühleffekt auf

Ein Mann spült sich mit Wasser ab nach einer Runde Footvolley am öffentlichen Strand Ramlet al-Baida in Beirut, Libanon, am 14. August 2025. Es ist drückend heiß.
Ein Mann spült sich nach Footvolley am öffentlichen Strand Ramlet al-Baida in Beirut, Libanon, mit Wasser ab. Es ist der 14. August 2025, ein brütend heißer Tag. Copyright  Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved
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Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am
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Fachleute schlagen Klimaalarm. Neue Analysen zeigen: Weltweite Temperaturen steigen schneller als prognostiziert.

Die Welt hat das Tempo der Erderwärmungund ihre Folgen für die Wirtschaft „schwer unterschätzt“. Wissenschaftler fordern einen dringenden „Rettungsplan“.

Ein neuer Bericht des Institute and Faculty of Actuaries (IFoA) und der University of Exeter warnt: Die Temperaturen steigen schneller als bislang erwartet. Ohne rasches Gegensteuern dürfte die Erde vor 2050 die Marke von zwei Grad über vorindustriellem Niveau erreichen.

Dieses Tempo führt zu „katastrophalen“ Folgen für Gesellschaften und Volkswirtschaften weltweit. Wasser- und Ernährungssysteme geraten unter Druck. Migration und die Gesundheit der Menschen sind bedroht.

Warum erwärmt sich die Welt schneller als gedacht?

Der Bericht Parasol Lost erklärt den Anstieg mit dem Verlust der „Aerosol-Abkühlung“. Dahinter steckt ein verdeckter Sonnenschirm, den Luftverschmutzung erzeugt. Bisher hat er die Erwärmung um rund ein halbes Grad gedämpft. Da die Welt Quellen der Luftverschmutzung reduziert, zieht sich dieser versteckte Schirm nun zurück.

Forscher verweisen zudem auf die hohe Empfindlichkeit der Erde gegenüber Treibhausgasen. Gemeint ist, wie stark die durchschnittliche Oberflächentemperatur steigt, wenn sich die Emissionen im Vergleich zum vorindustriellen Niveau verdoppeln.

Die Studie warnt: Politik und Finanzbranche „unterschätzen“ Klimarisiken, die das globale Finanzsystem schwächen können. Dazu zählen klimabedingte Inflation, plötzliche Finanzschocks und Versicherer, die viel früher als erwartet aus Hochrisikoregionen abziehen.

Risiken der Erderwärmung für die Wirtschaft

Frühere Schätzungen prognostizierten bei einem Anstieg um drei Grad Schäden von nur zwei Komma eins Prozent des globalen BIP und bei sechs Grad von weniger als acht Prozent.

Eine aktuelle Analyse des britischen Climate Financial Risk Forum hält es dagegen für „plausibel“, dass Unternehmen ein Szenario schwerer Klima- und Naturschocks ansetzen: eine Schrumpfung des globalen BIP um 15 bis 20 Prozent über einen Zeitraum von fünf Jahren.

Der starke Anstieg erklärt sich laut Forschern auch dadurch, dass viele Prognosen Risiken nicht berücksichtigen, die Wissenschaftler inzwischen erwarten. Dazu zählen der Meeresspiegelanstieg, die Versauerung der Ozeane und die Schädigung von Ökosystemen.

Ein Rettungsplan für den Planeten

Sandy Trust, Hauptautor und Mitglied des Nachhaltigkeitsgremiums des IFoA, fordert einen „dringenden“ Rettungsplan.

„Wenn wir den Kurs nicht schnell ändern, treffen Klimaschäden Wachstum und künftigen Wohlstand“, warnt sie. „Die Parallelen zwischen den Fehlleistungen im Risikomanagement während der Globalen Finanzkrise und der Untätigkeit gegenüber dem großen systemischen Risiko Klimawandel sind offensichtlich. In beiden Fällen stützte man sich zu stark auf beruhigende Modellrechnungen und verstand das Systemrisiko nicht.“

In Europa warnen Experten, dass das extreme Sommerwetter 2025 kurzfristige wirtschaftliche Verluste von mindestens 43 Milliarden Euro verursachte. Insgesamt könnten die Kosten bis 2029 auf enorme 126 Milliarden Euro steigen.

Die unmittelbaren Verluste entsprechen null Komma sechsundzwanzig Prozent der Wirtschaftsleistung der EU im Jahr 2024. Die Autoren betonen, dass diese Schätzung eher vorsichtig ist, da sie die Wechselwirkungen nicht erfasst, wenn Extremereignisse zugleich auftreten, etwa Hitzeperioden und Dürren.

Nicht eingerechnet sind zudem Kosten für Gefahren wie Waldbrände, die in diesem Jahr europaweit Rekorde brachen, sowie Hagel- und Sturmschäden.

„Wir bewegen uns in eine neue Realität einer Welt mit eineinhalb Grad“, sagt Dr. Jesse Abrams von der University of Exeter. „Heftige physische Risiken bedrohen bereits Volkswirtschaften, Lebenshaltungskosten und Finanzsysteme. Katastrophale Kipppunkte rücken näher.“

„Die wirtschaftlichen Kosten dieser Klimafolgen sind schon heute sichtbar. Mit der beschleunigten Erwärmung treffen Klima-Schocks wohl schneller. Sie wirken unmittelbarer und intensiver. Politik und Märkte müssen darauf vorbereitet sein.“

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