Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Pinguine brüten früher: Warum sind Forschende so besorgt?

In der Antarktis lebt eine Pinguinkolonie.
In der Antarktis lebt eine Pinguinkolonie. Copyright  Ignacio Juarez Martinez
Copyright Ignacio Juarez Martinez
Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Die Brutzeit des Eselspinguins in der Antarktis beginnt jetzt 14 Tage früher. Forschende sind alarmiert und fürchten Folgen für das gesamte Ökosystem.

Antarktische Pinguine gehen an ihre Grenzen, um sich an die Klimakrise anzupassen. Forschende stellen eine "Rekordverschiebung" in ihrer Brutsaison fest. Sie bringen ihren Nachwuchs jetzt früher zur Welt.

Arten wie Adélie-, Zügel- und Eselspinguin leben in einem der sich am schnellsten erwärmenden Lebensräume der Erde. An ihren Koloniestandorten steigen die Temperaturen teils bis zu viermal so schnell wie im antarktischen Durchschnitt.

Eine zehnjährige Studie unter Leitung von Penguin Watch an der University of Oxford und der Oxford Brookes University deutet darauf hin, dass die rasche Erwärmung der Grund ist, warum Pinguine ihre Brutsaison vorziehen. Die im Journal of Animal Ecology veröffentlichte Arbeit zeigt die bislang schnellste Verschiebung der Phänologie (also wie wiederkehrende Naturereignisse wie Brut mit dem Klima zusammenhängen) bei Vögeln und möglicherweise bei allen Wirbeltieren.

Warum Pinguine ihre Brutzeiten verschieben

Zwischen 2012 und 2022 untersuchten Forschende die zeitliche Verschiebung der Pinguinbrut. Besonders den Zeitpunkt der "Ansiedlung" in der Kolonie, also den ersten Tag, an dem Pinguine einen Nistbereich durchgehend besetzen.

Mehr als 35 Kolonien wurden mit 77 Zeitrafferkameras überwacht. Sie reichten von einem Dutzend bis zu Hunderttausenden von Nestern.

Die Ergebnisse zeigen: Bei allen drei Arten begann die Brutsaison in Rekordtempo früher. Eselspinguine verzeichneten die größte Veränderung, im Schnitt um 13 Tage pro Jahrzehnt. In manchen Kolonien wurde die Brutsaison sogar um bis zu 24 Tage vorverlegt.

Adélie- und Zügelpinguine zogen ihre Brut im Schnitt um zehn Tage vor.

Die "Gewinner und Verlierer" des Klimawandels

"Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass es für diese Pinguinarten wohl 'Gewinner und Verlierer des Klimawandels' geben wird", sagt der Hauptautor Dr. Ignacio Juarez Martínez.

"Die zunehmend subpolaren Bedingungen auf der Antarktischen Halbinsel begünstigen vermutlich Generalisten wie Eselspinguine, zulasten polarer Spezialisten wie Zügel- und Adéliepinguinen. Pinguine sind zentral für die antarktischen Nahrungsketten. Geht ihre Vielfalt verloren, steigt das Risiko eines großflächigen Kollapses des Ökosystems."

Statistische Modelle deuten darauf hin, dass steigende Temperaturen die vorgezogene Brutsaison verursachen. Unklar bleibt jedoch, ob es sich um eine Anpassungsreaktion handelt.

"Selbst im besten Fall ist ungewiss, wie viel Spielraum diese Arten noch haben, wenn die Temperaturen weiter in dem aktuellen Tempo steigen", warnt die Studie.

Sind vorgezogene Brutzeiten problematisch?

Forschende warnen, dass veränderte Brutzeiten den Zugang zu Nahrung stören können. Diese Bedrohung hat in Südafrika bereits Tausende Pinguine das Leben gekostet.

Eine Studie des südafrikanischen Ministeriums für Forstwirtschaft, Fischerei und Umwelt aus dem Jahr 2025, in Zusammenarbeit mit der University of Exeter, ergab: Zwischen 2004 und 2011 starben rund 62.000 Brillenpinguine infolge schwerer Nahrungsknappheit.

Brillenpinguine sind auf Sardinen als zentrale Nahrungsquelle angewiesen. Seit 2004 ist in jedem Jahr außer drei die Biomasse der Sardinenart Sardinops sagax vor der Westküste Südafrikas auf nur ein Viertel dessen gefallen, was die Population im gesunden Zustand erreichen könnte.

Die Studie macht Veränderungen von Meerestemperatur und Salzgehalt entlang der Westküste Afrikas dafür verantwortlich, dass der Laicherfolg der Fische sinkt.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

CO2-schluckende Pilze und Durchgreifen gegen Ewigkeitschemikalien: Gute Umweltgeschichten 2026

Totaler Widerspruch: Athleten prangern umweltschädliche Sponsoren der Winterspiele 2026 an

Spanien warnt: Online-Hass gegen Klimaforscher nimmt zu, „Schadet öffentlichem Verständnis“