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Hinter den Kulissen der Metropolitan Opera: Die tragische Oper "Champion"

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Hinter den Kulissen der Metropolitan Opera: Die tragische Oper "Champion"
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Von Katharina Rabillon
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Ein bahnbrechendes Meisterwerk an der Metropolitan Opera: "Champion" über den tragischen Boxer Emile Griffith. Die Oper ist Teil der Zukunftsvision des Hauses, ein breiteres Publikum anzuziehen. Musica wirft einen Blick hinter die Kulissen der Met.

Das ist die zweite Musica-Folge über die Metropolitan Opera in New York und die neue Produktion der zeitgenössischen Oper "Champion". Eine Neuinszenierung ist immer spannend und herausfordernd. Wir blicken hinter die Kulissen: Was braucht es, um ein modernes Meisterwerk zu inszenieren? Um diese Frage zu beantworten, verfolgen wir den Probenprozess bis zur Premiere.

"Champion" war die erste Oper, die der berühmte Jazz-Trompeter und Komponist Terence Blanchard komponierte. Die Weltpremiere dieses Stücks fand 2013 im Opera Theatre of Saint Louis statt.

Die Metropolitan Opera kündigte für die Spielzeit 2023-24 die meisten neuen Werke in der modernen Geschichte des Hauses an - darunter vier Met-Premieren - und unterstreicht damit ihr Engagement für die Erweiterung des Repertoires und das Erreichen eines neuen Publikums. Ein Drittel der in der nächsten Saison präsentierten Opern sind zwar neu, das Programm bietet aber auch eine ganze Reihe von Klassikern, darunter neue Produktionen von Bizets "Carmen" und Verdis "La Forza del Destino" sowie Wiederaufnahmen von Werken von Verdi, Puccini, Wagner, Gounod, Mozart und Gluck.

Ein bahnbrechendes Werk erstmals an der New Yorker Metropolitan Opera: "Champion"

"Die Met war der Inbegriff meiner Träume seit ich ein kleines Kind war, ich wollte immer dort singen."
Ryan Speedo Green
Bass-Bariton

Mehr als eine Oper

Komponist Terence Blanchard meint: "Das sind einige der großartigsten Stimmen der Welt, sie etwas singen zu hören, das ich geschrieben habe, ist überwältigend."

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Die Metropolitan Operaeuronews

"Ich hoffe, dass das Publikum seine Vorurteile darüber, was eine Oper sein sollte, über Bord wirft. Denn das ist nicht einfach nur eine Oper", so die Sopranistin Latonia Moore.

Kontrolliertes Chaos

Musica wirft einen Blick hinter die Kulissen und verfolgt den spannenden Probenprozess bis zur Premiere.

Der Countdown beginnt: Zwei Wochen bis zur Premiere von "Champion – eine Oper in Jazz". Das Orchester probt, aber das ist nur die Spitze des Eisberges. Die Met ist wie ein großer Ozeandampfer, der niemals stillsteht. 

"Unsere Bühne ist quasi 24 Stunden im Einsatz: Heute Morgen hatten wir eine Probe für Champion. Heute Abend gibt es eine Aufführung vom Rosenkavalier. Über Nacht werden die Kulissen wieder für Champion umgewandelt, damit wir morgen früh mit den Proben weitermachen können", erklärt der Generaldirektor Metropolitan Opera Peter Gelb. "Es geht also ununterbrochen weiter, und das gefällt uns. Es ist ein kontrolliertes Chaos." 

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"Champion" an der New Yorker Meteuronews

Jazz-Trompeter Terence Blanchard schrieb 2021 Geschichte: Er präsentierte als erster schwarzer Komponist sein Werk an der Metropolitan Opera:

"Für mich ist es unwirklich, hier zu sein", meint er. "Ich bin Jazzmusiker. Das ist nicht mein tägliches Brot. Dieser Ort ist voller Geschichte. Man kann sie in den Wänden spüren. Hier arbeiten so viele tolle Leute, die schon seit Jahren hier sind und wissen, was sie tun."

Viele Handwerker und Künstler arbeiten alle auf ein Ziel hin: Das fesselnde Drama über Emile Griffith auf die Bühne zu bringen. Es ist die wahre und tragische Geschichte eines der größten Boxer aller Zeiten. Bass-Bariton Ryan Speedo Green:

"Ich spiele den Emile, der anfangs noch unschuldig ist, mit großen Träumen und großen Hoffnungen. Im Verlauf der Oper sieht man, wie diese Hoffnungen angesichts der Realität verschwinden. Er muss nicht nur mit der Tatsache fertig werden, dass er sexuell nicht das ist, was er ursprünglich dachte, sondern er kommt an einen Punkt, an dem er erkennt, dass die Gesellschaft nicht akzeptiert, wer er ist, und daran zerbricht er."

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Bass-Bariton Ryan Speedo Green spielt den Boxer Emileeuronews

Emile Griffith kommt in den 50er-Jahren nach New York. Seine Karriere als Boxer geht steil bergauf, er wird Weltmeister im Weltergewicht. Aber er hütet ein Geheimnis, Emile ist bisexuell und hat damit einen schweren Stand in dem maskulinen Sport.

1962 beleidigt ihn sein Gegner Benny "Kid" Paret mit homophoben Bemerkungen. Emilie Griffith schlägt ihn ins Koma, er stirbt kurz darauf. Der Champion wird den Rest seines Lebens von Schuldgefühlen geplagt.

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Der Boxkampf in der Opereuronews

Improvisation spielt eine zentrale Rolle

Um das packende Drama zu vertonen, verbindet der Komponist verschiedene musikalische Genres - von Gospel und Calypso über traditionelle Opernklänge bis hin zu Samba und Jazz. Improvisation spielt dabei eine zentrale Rolle.

"Die Herausforderung ist, dass wir ein Jazz-Quartett im Orchestergraben nicht gewohnt sind", sagt Dirigent Kensho Watanabe. "Wir haben ein Schlagzeug, und sobald man mit der Nummer anfängt, wird der Schlagzeuger quasi zum Dirigenten. Es gibt also diese wunderbare Interaktion, die ich mit dem Schlagzeuger habe, um ein bisschen über die Tempi zu verhandeln."

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Mit dem Schlagzeuger über die Tempi verhandelneuronews

Terence Blanchard erzählt: "Als Jazzmusiker habe ich nie dasselbe Stück auf dieselbe Weise gespielt. Das ist einfach nicht unser Ding. Ich lasse ihnen viel Freiheit, denn es geht darum, sich selbst auszudrücken und die Klangfarbe zu finden, die die Geschichte in diesem Moment am besten erzählt." 

"Ich kann meinen eigenen speziellen Geschmack, meine eigene spezielle Farbe einbringen. Ich freue mich darauf, sogar das Orchester bei der Premiere zu überraschen."
Latonia Moore
Sopranistin

"Es war eine lehrreiche Erfahrung für mich als jemand, der nicht diesen Hintergrund hat, sie und einige der anderen Sängerinnen und Sänger in der Show zu beobachten", erzählt Bass-Bariton Ryan Speedo Green.

Einheit durch Bewegung

Die großen Tanznummern verleihen dieser bahnbrechenden Oper eine besondere Note und stellen eine zusätzliche Herausforderung für die Sänger dar. Choreographin Camille A. Brown schwört die Truppe ein: "Auf der Bühne wollen wir als eine Einheit und eine Gemeinschaft auftreten, und das erreichen wir durch Bewegung."

 In einer Bewegungsstunde werden sie auf die Probe gestellt. Camille A. Brown: "Ich habe mich sehr darauf gefreut, mit den Darstellern an ihren verschiedenen Bewegungen zu arbeiten, und der Rhythmus, den Terence komponiert hat, hat mich sehr inspiriert. Ich wollte etwas machen, das Boxbewegungen und Aufwärmübungen beinhaltet, aber auch einen Rhythmus hat. Also haben wir Push-ups und Jabs eingebaut, ein bisschen von allem."

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Die Oper "Champion" an der Meteuronews

Ryan Speedo Green fühlt sich bereichert: "Ich merke, dass ich nicht nur ein Opernsänger bin, sondern auch das Herz eines Tänzers habe. Für die Tänzer, die mir beim Tanzen zusehen, ist das vielleicht nicht so, aber ich habe das Gefühl, dass ich als Darsteller wirklich Neuland betrete und mich in meinen Körper einfühle. Champion zeigt, dass wir als Opernsänger mehr als nur Stimmen haben."

Während die Proben auf Hochtouren laufen, wird an den Kostümen gefeilt. Kostümbildner Montana Levi Blanco achtet auf das kleinste Detail. Die Anspannung ist groß und alles passiert unter dem wachsamen Auge der Regieassistentinnen, die viele Menschen koordinieren müssen.

"Man muss ruhig sein und mit Krisen umgehen können und alle anderen beruhigen", so Christy Langan. _"Yasmine ist da draußen und gibt alle Signale für die Schiene, für alles, was fliegt, für das Deck, für die Technik, für alles, was sich bewegt. Und was den künstlerischen Prozess angeht, ist sie in Kontakt mit dem Regisseur._Ich bin auf der Bühne und kommuniziere mit ihr und sorge dafür, dass alle Leute da sind, dass alle Kostüme gewechselt werden, dass alle Requisiten bereit sind. Wir beide managen also alles."

Kollegin Yasmine Kiss: "Für mich ist die größte Herausforderung, dass es eine brandneue Oper ist. Der Komponist sitzt zwei Plätze von mir entfernt. Musikalisch gesehen ist es also ein bisschen mehr Aufwand, das Stück kennenzulernen und die musikalische Sprache zu verstehen, denn die moderne musikalische Sprache kann ganz anders sein als bei einem historischen Mozart oder so".

Die Zukunftsvision der Metropolitan Opera

Endlich ist der Abend der Premiere gekommen, der Zauber beginnt. Vorhang auf für fast 4.000 Zuschauer und die neue Produktion von "Champion". Das Meisterwerk ist auch Teil der Zukunftsvision der Metropolitan Opera.

Das Haus will das Gesicht der Oper verändern – mit zeitgenössischen Werken und Geschichten, mit denen sich die Menschen von heute identifizieren können.

"Das Ziel ist es, die Menschen ins Haus zu bringen, damit sie Oper erleben können", so Terence Blanchard. "Ein Mann sagte zu mir: Wenn das Oper ist, dann komme ich. Und das hat mich umgehauen, denn im Grunde hat er mir gesagt: Ich habe mich selbst auf der Bühne gesehen. Ich habe eine Geschichte gesehen, die ich kenne, etwas, das ich aus meinem Leben kenne."

Der Generaldirektor der Met betont: "_Wir sollten versuchen, die Oper für ein breiteres und jüngeres Publikum zugänglicher und relevanter zu machen, und das müssen wir auch._Und das ist auch der Grund, warum wir in den nächsten fünf Spielzeiten 17 Premieren an der Met haben werden, das ist eine beispiellose Anzahl an neuen Werken, wahrscheinlich in der gesamten 140-jährigen Geschichte der Metropolitan Opera."

Ryan Speedo Green findet: _"_Mit dieser Oper, mit "Champion", kann ich die Vorurteile der Opernbesucher aufbrechen. Wenn eingefleischte Opernfans die Show sehen, werden sie Dinge erleben und sehen, die sie normalerweise nicht sehen."

Weitere Quellen • Sabine Sans

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