Am Ende einer Restaurierung in der Kirche San Lorenzo in Lucina, Rom, erscheint das Gesicht des italienischen Premierministers anstelle eines Cherubs. Der Restaurator verteidigt sich und leugnet die Ähnlichkeit. Die Opposition erhebt sich, während Meloni mit Ironie reagiert.
In Rom ist eine Kontroverse entbrannt, nachdem das Gesicht eines Engels am Ende der Restaurierung der Kruzifixkapelle in der historischen Kirche San Lorenzo in Lucina Züge von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni angenommen hatte. Die Affäre erschütterte das Vikariat von Rom und löste eine Mischung aus Verlegenheit und institutioneller Entschlossenheit aus.
Die Diözese Rom äußerte sich in einer offiziellen Mitteilung und stellte klar, dass die Restaurierung seit 2023 unter der Vorgabe genehmigt worden sei, "ohne Änderungen oder Ergänzungen vorzunehmen". Die Veränderung des Gesichts des kleinen Engels sei jedoch eine eigenständige Initiative des Dekorateurs gewesen, die den zuständigen Stellen nie gemeldet worden sei. Das Vikariat leitete daraufhin eine eingehende Untersuchung gemeinsam mit dem Pfarrer, Monsignore Daniele Micheletti, ein und behält sich vor, mögliche Maßnahmen zu prüfen.
Politische Debatte entfacht
Der Vorfall hat inzwischen auch die nationale politische Debatte erreicht. Während Ministerpräsidentin Meloni selbst mit Ironie reagierte und ein Foto des Werks mit den Worten "Ich sehe definitiv nicht wie ein Engel aus" veröffentlichte, ging die Demokratische Partei in die Offensive. Die Fraktionsvorsitzende im Kulturausschuss, Irene Manzi, forderte ein dringendes Eingreifen von Kulturminister Alessandro Giuli und verwies auf einen möglichen Verstoß gegen das Gesetz zum Schutz des kulturellen Erbes. Nach Ansicht der Opposition stellen willkürliche Veränderungen und zeitgenössische „Anpassungen“ an geschützten Kunstwerken einen inakzeptablen Präzedenzfall dar, der die wissenschaftlichen Kriterien der Restaurierung untergrabe.
Um den institutionellen Kreis zu schließen, meldete sich Kardinal Baldo Reina, Papstvikar für die Diözese Rom, zu Wort und warnte eindringlich vor jeder Form der Instrumentalisierung sakraler Kunst. Christliche Bildwerke müssten, so der Kardinal, in ihrer liturgischen und spirituellen Funktion verankert bleiben und dürften nicht der Logik politischer Polemik unterworfen werden.
Unterdessen hat das Kulturministerium bereits eine technische Inspektion angeordnet, um den Zustand des Freskos zu überprüfen. Das Werk wurde ursprünglich im Jahr 2000 von demselben Künstler geschaffen, der auch für die aktuelle Restaurierung verantwortlich ist.
Wer ist der Restaurator, der Melonis Gesicht gemalt haben soll?
Der zentrale Akteur der Affäre, der Küster und Restaurator Bruno Valentinetti, weist die Vorwürfe mit einer Mischung aus Verärgerung und Belustigung zurück. Die behaupteten Ähnlichkeiten bezeichnete er als "reine Erfindung" und erklärte, er habe lediglich die Zeichnungen und Farbgebung von vor 25 Jahren übernommen.
Valentinetti lenkte den Blick stattdessen auf das, was er selbst als sein eigentliches "Schmuckstück" bezeichnet: die Installation einer Leuchte an der Decke der Kapelle, die dem Moment des Aperitifs gewidmet sei. Die Lampe trägt den Namen "Aperidies" und ist von der Atmosphäre der Bars inspiriert, die den Platz vor der Kapelle säumen.
Ungeachtet dieser Dementis ist die Basilika inzwischen zum Ziel eines unablässigen Stroms Neugieriger geworden. Wo früher Politiker durch die Gänge schritten, wird heute geflüstert, und immer wieder richten sich verstohlene Blicke auf das Kreuz in der Canaletti-Kapelle.