Stasi-Akten zeigen: 007 verletzte am Checkpoint Charlie im geteilten Berlin gleich viermal die DDR-Grenze. Das Ganze geschah bei Dreharbeiten. Ein gefährlicher Eklat mitten im Kalten Krieg, beobachtet und dokumentiert von der Stasi.
Checkpoint Charlie – einer der gefährlichsten Orte im Kalten Krieg – wurde 1982 zur Filmkulisse des James-Bond-Films "Octopussy" mit 007-Darsteller Roger Moore.
Der Plot könnte zeitgemäßer nicht sein: Bond deckt ein Komplott auf, bei dem ein sowjetischer General mithilfe einer Atombombe einen NATO-Stützpunkt zerstören will. Bei seinen Ermittlungen trifft er auf die geheimnisvolle Schmugglerin Octopussy und verhindert schließlich die nukleare Katastrophe.
Die Reise führt den berühmtesten Agenten der Filmgeschichte offenbar ihn auch an die innerdeutsche Grenze. Hier gerät 007 am 10. August 1982 ins Visier des berüchtigten DDR-Geheimdienst, der Staatssicherheit (Stasi).
Das legen Dokumente nahe. Darin protokolliert die Stasi haarklein ihre Beobachtungen der Dreharbeiten.
Die Männer von der Staatssicherheit halten fest, dass zwischen 7:30 Uhr und 8:30 Uhr zwölf Fahrzeuge zur Grenzübergangsstelle Friedrich-/Zimmerstraße gefahren sind. Die Stasi beschreibt, wie das Kamerateam den Dreh des Films vorbereitet: "08:15 Uhr gingen drei männliche Personen mit zwei Kameras und einem Handwagen mit Kisten, die sie den Mercedes-Bussen entnommen hatten, die Kochstraße rechts ab", hieß es in einem der Dokumente.
Die Kochstraße ist eine der am besten bewachten Straßen im geteilten Berlin. 1961 wurde hier der sogenannte Checkpoint Charlie errichtet, der Grenzübergang nur für die West-Besatzungsmächte, also Franzosen, Briten und Amerikaner.
Die Stasi dokumentiert das Geschehen akribisch: „Von 09:34 Uhr bis 11:25 Uhr erfolgten von vier Standorten aus die Filmaufnahmen", hieß es. Doch dann passiert das, womit die Stasi nicht gerechnet hat:
Während der Dreharbeiten fährt ein schwarzer Mercedes von der Kochstraße auf den Checkpoint Charlie zu und verletzt ganze vier Mal die Staatsgrenze um vier bis fünf Meter, heißt es im Dokument. Damit gelingt James Bond im Mercedes das, was zahlreichen Menschen aus Ostberlin vor ihm bei ihren Fluchtversuchen nicht gelungen ist: er überwindet die DDR-Grenze.
Warum die Stasi das durchgehen ließ, lässt sich aus dem Dokument entnehmen. Dass es sich um einen Filmdreh handelt, erfährt sie nämlich von einer Diplomatin, die am Grenzübergang in die DDR einreisen wollte.
Im Protokoll heißt es später: Der Dreh wird um 13:33 Uhr beendet. Es hätten sich "keine Auswirkungen auf den grenzüberschreitenden Reiseverkehr" ergeben. Glück für die Stasi – schließlich hat James Bond die Lizenz zum Töten.