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Meet My Mama: Hobbyköchinnen beleben Frankreichs Catering-Szene

Meet My Mama würzt französische Gastronomie neu
Meet My Mama: neue Würze für die französische Gastronomie Copyright  Gauriat, Valerie/
Copyright Gauriat, Valerie/
Von Valérie Gauriat
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Die Köchin Marie-Clarisse beschreibt ihre Küche als Brücke zwischen Kongo und Frankreich. Das Start-up Meet My Mama macht aus Hobbyköchinnen Profiköchinnen für große Events – Valérie Gauriat zeigt ihr Erfolgsrezept.

In der Profiküche der Cité Fertile, einem lebendigen Kulturzentrum am Pariser Stadtrand, richtet Marie-Clarisse Bonzia sorgfältig Tabletts mit bunten Häppchen an. Sie sind für eine prestigeträchtige Firmenveranstaltung am Abend bestimmt.

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Darunter sind Mini-Quiches aus Maniok und Okra mit Mangocurrysauce, dazu Hähnchenspieße in Mafé-Marinade sowie Süßkartoffelwürfel mit Frischkäse und Likouala-Pfeffer.

„Meine Küche schlägt eine Brücke zwischen dem Kongo, meinem Heimatland, und Frankreich“, sagt Marie-Clarisse lächelnd. „Ich habe französische Kochtechniken gelernt, um die Zutaten aus meiner Heimat ins Rampenlicht zu stellen.“

Diese Brücke ist mehr als kulinarisch.

Die zurückhaltende Köchin hätte nie gedacht, dass ihre Kochkunst ihr Leben verändern würde. Lange arbeitete sie in der Verwaltung, bis ihr Alltag eine überraschende Wendung nahm.

Während des Bürgerkonflikts in ihrem Land kam eine ihrer Töchter mit einer seltenen Krankheit zur Welt, für die sie spezialisierte medizinische Versorgung brauchte. Die Familie floh nach Frankreich, damit das Kind behandelt werden konnte.

Marie-Clarisse aus dem Kongo und Milena aus Peru: Brückenbauerinnen zwischen der Welt und der französischen Gastronomie
Marie-Clarisse aus dem Kongo und Milena aus Peru: Brückenbauerinnen zwischen der Welt und der französischen Gastronomie Valérie Gauriat/Euronews

Ein anspruchsvoller Bürojob ließ sich bald nicht mehr mit den häufigen Krankenhausaufenthalten ihrer Tochter vereinbaren.

„Immer wenn meine Tochter im Krankenhaus lag, ließ ich alles stehen und liegen und ging zu ihr“, erinnert sich Marie-Clarisse. „Das hat am Arbeitsplatz viele Probleme ausgelöst.“

Auf der Suche nach mehr Selbstbestimmung schrieb sie sich in einer Kochausbildung ein und erwarb ein Berufszeugnis.

Heute führt Marie-Clarisse ihren eigenen Cateringbetrieb, Maison Kolia. Sie gehört zu Dutzenden Unternehmerinnen, die von Meet My Mama, einem Pariser Foodtech-Unternehmen, das Spitzencatering mit sozialem Engagement verbindet, unterstützt werden.

Verborgenes Talent wird zur wirtschaftlichen Kraft

Mit Schulungen, Mentoring und konkreten Aufträgen hilft das Unternehmen Frauen mit unterschiedlichen Hintergründen und Einwanderungsgeschichte, ihr Kochtalent in florierende Unternehmen zu verwandeln.

Meet My Mama entstand 2017. Gegründet haben es Loubna Ksibi, Donia Souad Amamra und Youssef Oudahman, die nach Abschlüssen in Betriebswirtschaft und Technologie, Politikwissenschaften und Handel gerade ins Berufsleben gestartet waren.

Meet-My-Mama-Mitgründer:innen: Foodtech-Startup mit sozialem Auftrag
Meet-My-Mama-Mitgründer:innen: Foodtech-Startup mit sozialem Auftrag Valérie Gauriat/Euronews

„Die Idee ist aus unseren eigenen Geschichten entstanden“, erklärt Oudahman. „Wir sind mit Frauen aufgewachsen, die unglaubliche Fähigkeiten hatten und wirtschaftlich trotzdem unsichtbar blieben, trotz ihres Könnens und Wissens. In Führungspositionen in der Gastronomie sind noch immer 90 Prozent der Küchenchefs Männer. Wir wollten für diese Frauen nicht nur Platz schaffen. Sie sollen Zugang zu den besten Posten bekommen.“

Der Name des Startups spielt auf die „Mères Lyonnaises“, die Mütter von Lyon, an – Köchinnen aus einfachen Verhältnissen, die Ende des neunzehnten und Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts den Dienst in Privathaushalten hinter sich ließen und eigene Restaurants in Lyon eröffneten, das als Frankreichs Hauptstadt der Gastronomie gilt.

Einige von ihnen wurden zu Legenden, etwa Eugénie Brazier. Sie war 1933 die erste Köchin, die drei Michelin-Sterne erhielt, und setzte ihre eigenen Rezepte in einer Männerdomäne durch. „Die Mères Lyonnaises haben Größen wie Paul Bocuse ausgebildet. Wir haben das Konzept ins Heute geholt“, sagt Loubna Ksibi.

Tradition und kreative Fusion

Diese Aktualisierung hat den Geschmack der Weltküche und spiegelt die Gesellschaft von heute wider. Im Lauf der Jahre sind bei Meet My Mama Frauen aus allen Teilen der Welt dazugekommen.

„Wir haben außergewöhnliche Frauen aus Peru, Japan, Island, Sri Lanka, Marokko, Italien, dem Kongo und vielen weiteren Ländern kennengelernt“, sagt Ksibi. „Jede bringt ihre eigene Geschichte, Kultur und Expertise mit. Es sind kulinarische Reisen rund um den Globus. Das macht Meet My Mama so reich.“

Zu denen, die dieses neue Kapitel mitschreiben, gehört Milena Pecho, Gründerin des Cateringunternehmens Wankas.

Sie wurde in Frankreich als Tochter peruanischer Eltern geboren und arbeitete mehrere Jahre in der Finanzprüfung, bis sie merkte, dass das Konzernleben nicht mehr zu ihr passte.

Mamas stärken, damit sie „etwas Eigenes aufbauen“
Mamas stärken, damit sie „etwas Eigenes aufbauen“ Valérie Gauriat/Euronews

„Ich wollte etwas Eigenes aufbauen und wachsen sehen“, sagt sie.

Sie reiste nach Peru und besuchte eine gastronomische Schule. Danach kehrte sie nach Frankreich zurück, schloss sich einem kulinarischen Inkubator an und fand schließlich zu Meet My Mama.

Ihre Küche feiert das bemerkenswerte kulinarische Erbe Perus. Sie verbindet indigene Traditionen mit japanischen, europäischen und afrikanischen Einflüssen. Eine ihrer Signature-Kreationen ist ein feines Nikkei-Ceviche. Ein anderes Gericht kombiniert schwarze Quinoa mit einer traditionellen Huancaína-Creme und Cancha, dem gerösteten peruanischen Mais, der Kindheitserinnerungen weckt.

Als sie zu Meet My Mama kam, hatte sie bereits Kundschaft. Doch sie sagt, das Netzwerk habe ihr geholfen, jeden Aspekt ihres Unternehmens zu professionalisieren.

„Sie haben mir geholfen, effizienter und produktiver zu werden und zugleich Hygiene- und Qualitätsstandards zu verbessern. Heute arbeiten wir wirklich auf höchstem Niveau.“

Meet My Mama bietet weit mehr als Sichtbarkeit. In der Mama Academy erhalten die Teilnehmerinnen Schulungen in Kochtechnik, Unternehmertum, Geschäftsführung und Leadership.

„Wir geben den Mamas die Macht, selbst Macht zu haben. Und einen Teil davon geben sie weiter – an ihre Kinder und ihr Umfeld“, sagt Mitgründerin Donia Souad Amamra. „Die indirekte Wirkung ist enorm.“

Durch eine Partnerschaft mit der Ecole Ducasse, der von Starkoch Alain Ducasse gegründeten Kochschule, können die Unternehmerinnen ihre Fähigkeiten zusätzlich verfeinern.

Zu den Kursteilnehmerinnen gehört auch Aminata Kane, die mit „Au Kassimani“ ihren eigenen Cateringbetrieb aufgebaut hat.

„Ich bin hierher gekommen, um die technischen Fähigkeiten zu erwerben, die mir noch fehlen, um das zu vollenden, was ich mit Meet My Mama begonnen habe“, sagt sie. „Mein Ziel ist, die afrikanische Küche sichtbar zu machen, indem ich sie auf Gourmetniveau bringe.“

Meet My Mama hat bereits rund 80 Frauen den Schritt in die Selbstständigkeit mit eigenem Cateringunternehmen ermöglicht. Hunderte weitere haben Schulungen erhalten oder Jobs in der Lebensmittelbranche gefunden.

Aminata Kane: eine der Meet-My-Mama-Köchinnen, die für Zusatztraining an der Ecole Ducasse ausgewählt wurden
Aminata Kane: eine der Meet-My-Mama-Köchinnen, die für Zusatztraining an der Ecole Ducasse ausgewählt wurden Valérie Gauriat/Euronews

„Wir arbeiten für große Konzerne“, sagt Marie-Clarisse Bonzia. „Allein hätten wir diese Türen wahrscheinlich nicht öffnen können, aber Meet My Mama öffnet sie für uns.“

Ihr größter Erfolg ist für sie jedoch nicht die berufliche Anerkennung.

„Heute tue ich das, was ich liebe“, sagt sie nachdenklich. „Das ist ein Erfolg, darauf bin ich stolz. Aber vor allem ist es Freiheit.“

Meet My Mama hat sich in der hart umkämpften französischen Cateringbranche etabliert. Das Unternehmen organisiert inzwischen mehr als 600 Veranstaltungen pro Jahr und beliefert ein renommiertes Kundenportfolio, darunter Google, LVMH, Chanel und AXA. Seine Köchinnen und Köche haben Events an ikonischen Orten wie dem Schloss Versailles und dem Eiffelturm ausgerichtet, ebenso bei internationalen Treffen wie der Expo 2020 in Dubai und den Paralympischen Spielen Paris 2024.

Von der heimischen Küche bis zum Präsidententisch

Für Loubna Ksibi ist dieser geschäftliche Erfolg untrennbar mit dem sozialen Auftrag des Unternehmens verbunden.

„Je mehr Geschäft wir machen, desto mehr Wirkung erzielen wir“, sagt sie. „Und je größer unsere Wirkung ist, desto mehr Geschäft entsteht daraus.“

Inzwischen stehen Tausende angehende Köchinnen und Köche auf der Warteliste. Das Unternehmen prüft Möglichkeiten für eine internationale Expansion.

Loubna Ksibi mit Mama Marie-Clarisse: stolz darauf, zu den führenden Caterern in Paris zu gehören
Loubna Ksibi mit Mama Marie-Clarisse: stolz darauf, zu den führenden Caterern in Paris zu gehören Valérie Gauriat/Euronews

Wie die berühmten „Mères“ aus Lyon zeigen die heutigen Mamas, dass kulturelles Erbe mit einem Hauch Modernität die französische Kulinarik neu prägen kann.

„Die Mamas Richtung Exzellenz zu führen, ist für uns ein Gewinn für beide Seiten. So können wir in außergewöhnlichen Locations arbeiten, große Unternehmen und Events beliefern oder Persönlichkeiten wie Präsidenten bekochen. Wir gehören inzwischen zu den führenden Caterern in Paris“, sagt Loubna Ksibi stolz. „Ich weiß nicht, wie weit wir noch kommen werden. Aber wir haben bereits Großartiges erreicht. Und wir werden weitermachen.“

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