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Wie Kohle & Stahl die EU prägte, wie wir sie heute kennen

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Von Stefan Grobe  & Jorge Liboreiro
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Robert Schuman und die Gründungsväter der späteren Europäischen Union
Robert Schuman und die Gründungsväter der späteren Europäischen Union   -   Copyright  AP/AP1952

1950 litt Europa noch immer an den Verwüstungen des Zweiten Weltkriegs. Millionen Europäer waren auf dem Schlachtfeld getötet worden. Hunderte Städte lagen in Trümmern.

Der Kontinent brauchte dringend eine Garantie, um einen weiteren tödlichen Krieg zu vermeiden.

Der französische Außenminister Robert Schuman hatte eine überraschende Idee. Er sagte, Frankreich und Deutschland sollten ihre Kohle- und Stahlproduktion zusammenlegen, zwei Industriezweige, die für beide Länder unerlässlich waren. Schuman glaubte, der gemeinsame Markt würde einen Krieg „materiell unmöglich machen“ und als Sprungbrett für ein wirklich integriertes und friedliches Europa dienen.

Schuman: "Europa entsteht nicht auf einmal oder nach einem einzigen Plan. Es wird durch konkrete Errungenschaften aufgebaut, die zunächst eine faktische Solidarität schaffen."

Aufbauend auf Schumans Idee gründeten Frankreich und Westdeutschland im April 1951 die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl. Ihnen schlossen sich Italien, Belgien, die Niederlande und Luxemburg an.

Die neue Gemeinschaft beseitigte Handelsschranken und legte Kartell- und Fusionsregeln für die Kohle- und Stahlindustrie fest. Außerdem wurden Subventionen, Zölle und diskriminierende Behandlungen zwischen den Ländern abgeschafft.

Einer unabhängigen Hohen Behörde wurden weitreichende Exekutivbefugnisse eingeräumt, während eine Gemeinsame Versammlung aus nationalen Gesetzgebern als Aufsichtsgremium fungierte.

Der Umfang der Kohle- und Stahlgemeinschaft war in der Praxis begrenzt, trug aber zur Einführung des innovativen Konzepts des Supranationalismus bei. Dies war die Grundlage der Europäischen Union, wie wir sie heute kennen.

Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Hohe Behörde zur Europäischen Kommission und die Gemeinsame Versammlung zum Europäischen Parlament. Die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl wurde 2002 nach Ablauf ihres Gründungsvertrags offiziell aufgelöst.

Der 9. Mai, der Tag, an dem Schuman seinen historischen Vorschlag vorstellte, wurde zum Europatag erklärt.