Die Woche in Europa - wie die Ukraine russische Hacker neutralisiert

Die unsichtbare Schlacht: Russland und die Ukraine liefern sich einen Cyber-Krieg
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Von Stefan Grobe
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Ein Aspekt des Krieges - der bisweilen übersehen wird - sind Cyberangriffe. Russische und ukrainische Hacker sind im Dauerangriff, aber der Schaden scheint bisher begrenzt zu sein. Dennoch nimmt die Gefahr für beide Seiten zu, sagen Experten.

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Es ist Sommer und auch Europas Politiker machen eine Pause und fahren in den Urlaub.

Andere sind noch dienstlich unterwegs, wie Emmanuel Macron.

Der französische Präsident nutzte die Gelegenheit, um Frankreichs Überseegebiete östlich von Australien zu besuchen.

Mit seiner über die pazifischen Inseln verteilten Präsenz will Frankreich seine Macht und seine Interessen schützen. In Neukaledonien zollte Macron auch den Ureinwohnern Respekt:

"Die Geschichte dieses Landes und all derer, die Sie hier vertreten, mahnen uns zu Respekt und Demut, und mit dieser Einstellung stehe ich vor Ihnen."

Zu Hause in Paris werfen die Olympischen Spiele ihre Schatten voraus.

Die französische Hauptstadt bereitet sich auf das Sportereignis im nächsten Jahr vor, bei dem Athleten aus der ganzen Welt zu Gast sein werden.

Und schon ging es auch um Politik.

Die Bürgermeisterin von Paris machte deutlich, dass die Organisatoren es ablehnen werden, angesichts des Krieges in der Ukraine eine neutrale Position einzunehmen.

Anne Hidalgo, Mayor of Paris (French):

"Ich stehe an der Seite unserer ukrainischen Freunde angesichts der russischen Aggression", sagte Anne Hidalgo.

"Für mich ist es unvorstellbar, eine russische Delegation zu empfangen, während wir in der Ukraine einen Krieg haben."

Ob der Krieg bis zu den Olympischen Spielen 2024 vorbei sein wird, weiß derzeit natürlich niemand.

Ein Aspekt des Krieges - der bisweilen übersehen wird - sind Cyberangriffe.

Russische und ukrainische Hacker sind im Dauerangriff, aber der Schaden scheint bisher begrenzt zu sein.

Dennoch nimmt die Gefahr für beide Seiten zu, sagen Experten.

Gelegentlich sind diese Angriffe technisch nicht sehr ausgefeilt, aber sie können erhebliche Störungen verursachen.

Etwas, das auch westliche Opfer russischer Hacker erfahren haben.

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Dazu ein Interview mit Jacques Boschung, Vorstandschef von Kudelski Security, einer Cybersicherheitsfirma mit Hauptsitz in der Schweiz.

Euronews: Die russischen Cyberangriffe haben es bislang nicht geschafft, die Ukraine zu besiegen. Die Satellitenkommunikation, Stromnetze, Banken und andere gefährdete Ziele der Ukraine funktionieren weiterhin. Was ist hier der Schlüssel zum ukrainischen Erfolg?

Boschung: Das ist eine sehr gute Frage. Der Cyberkrieg ist aus russischer Sicht enttäuschend. Und wir glauben, dass es dafür mehrere Gründe gibt. Zum einen verfügten die Ukrainer über einen vollständigen Notfallplan, sie verteilten ihr gesamtes Cyber-Personal über das ganze Land und hatten bereits kritische Anwendungen in westliche Datenzentren umgesiedelt. Auch hatten sie einen Notfallplan für das ViaSat-Satellitensystem , Westliche Hilfe war also von entscheidender Bedeutung. Großbritannien stellte zehn Millionen Dollar für den Aufbau von Firewalls bereit, und private Firmen wie Microsoft oder Palantir investierten auf ihre Kosten Hunderte Millionen Dollar, um die Cyberabwehr der Ukraine zu unterstützen. Dazu kommt noch das Folgende: Russland ist es eher gewohnt, durch Trollfarmen wie die Internet Research Agency Desinformation zu verbreiten, als einen richtigen Cyberkrieg zu führen. Das ist auch Teil der Antwort.

Euronews: Russische Hacker nehmen auch westliche Infrastruktur ins Visier – wie schwerwiegend sind diese Angriffe?

Boschung: Diese Angriffe sind schwerwiegend und wir nehmen sie sehr ernst. Es gibt einen Bericht von Microsoft namens „Cyber Defense 2022“, der das Gesamtvolumen der Cyber-Bedrohungsakteure aus Russland auflistet. Demnach richten sich 55 Prozent der Cyberangriffe gegen in den USA, acht Prozent gegen Großbritannien, drei Prozent gegen Kanada, drei Prozent gegen Deutschland, zwei Prozent gegen die Schweiz, wo ich wohne, und dann gegen die Ukraine. Das war laut Microsoft letztes Jahr die Statistik. Interessant ist auch, dass die drei ersten Ziele, USA, Großbritannien und Kanada, die Länder sind, die der Ukraine seit 2014 die meiste Hilfe gewährt haben, beispielsweise durch die Ausbildung des ukrainischen Militärs. Da waren Hacker also sehr aktiv. So hat die GRU, ein russischer Militärgeheimdienst, mit ihrer Hacktivisten-Gruppe dieses Jahr das ukrainische Stromnetz angegriffen – ohne großen Erfolg.

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Euronews: Was ist mit den ukrainischen Cyberoperationen – worauf zielen sie in Russland ab und welche Auswirkungen haben sie?

Boschung: Wenn man ein Land mit einer Internetdurchdringung von 80 Prozent hat, gibt es keine Diskussion darüber, dass die Verteidigungsbereitschaft hoch ist. Deshalb gründete Kiew zu Beginn des Krieges die sogenannte IT-Armee der Ukraine, eine Gruppe von fast 200.000 freiwilligen Hackern, die die russischen Netzwerke von Firmen, Banken und kritischer Infrastruktur angreifen. Aber da es in Russland keine Meinungsfreiheit gibt und die westlichen Medien in Russland nicht länger präsent sind, wissen wir nicht viel über die Auswirkungen dieser Angriffe. Es wird nichts darüber veröffentlicht.

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