Das neue Gesicht des Green Deals: Umsetzung wird "herausfordernd", warnt Maroš Šefčovič

Maroš Šefčovič ist das neue Gesicht des Green Deals der EU.
Maroš Šefčovič ist das neue Gesicht des Green Deals der EU. Copyright John Thys/AFP or licensors
Von Euronews
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Maroš Šefčovič, Vize-Präsident der EU-Kommission und neue treibende Kraft hinter dem als „Green Deal“ bekannten EU-Großprojekt, rechnet damit, dass die Umsetzung des Gesetzes für die 27 Mitgliedsstaaten zur Herausforderung werden könnte.

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"Wir befinden uns in einer neuen Phase, denn bisher haben wir uns sehr auf die Gesetzgebungsarbeit konzentriert. Ich denke, wir haben diesen neuen politischen, aber auch gesetzlichen Rahmen für den Green Deal geschaffen", sagte Šefčovič in einem am Dienstag aufgezeichneten Interview mit Euronews.

"Jetzt nähern wir uns der Phase, die genauso herausfordernd sein dürfte, wenn nicht sogar noch herausfordernder, und das ist die Einführung, das ist die richtige Umsetzung, das ist die Art und Weise, sicherzustellen, dass dieser ökologische Übergang auf eine sozial gerechte Art und Weise durchgeführt wird, dass er unserer Industrie helfen wird, auf den globalen Märkten ganz vorne dabei zu sein."

Die EU hat bereits zahlreiche Gesetze verabschiedet

In den letzten Jahren hat die EU eine Reihe von Gesetzen verabschiedet, um die Treibhausgasemissionen bis zum Ende des Jahrzehnts um mindestens 55% zu senken. So wurde sich auf ein schrittweises Verbot des Verbrennungsmotors geeinigt, eine Steuer auf umweltschädliche Importe eingeführt und neue, verschärfte Ziele für die Energieeffizienz festgehalten.

Darüber hinaus hat die EU weitreichende Pläne vorgelegt, um sich von fossilen Brennstoffen aus Russland unabhängig zu machen und verstärkt auf erneuerbare Energien zu setzen. Die Europäische Kommission schätzt, dass dafür jährlich 620 Milliarden Euro an zusätzlichen Investitionen erforderlich sein werden.

"Dies in die Praxis umzusetzen, wird meiner Meinung nach eine ebenso große Herausforderung sein wie die Arbeit, die wir bisher geleistet haben", so Šefčovič.

Nicht zu handeln, wäre jedoch "die schlechteste Lösung", sagte er weiter.

"Schauen wir uns diesen Sommer an. Schauen wir uns den letzten Sommer an. Letzten Sommer haben wir gesehen, wie schrecklich es war. Diesen Sommer war es noch viel schlimmer", fuhr Šefčovič fort und verwies unter anderem auf die verheerenden Überschwemmungen in Slowenien und die wütenden Waldbrände in Griechenland.

"Wir müssen uns verantwortungsvoll verhalten. Wir müssen uns mehr engagieren und hart arbeiten, um sicherzustellen, dass wir diese drei übergeordneten Ziele erreichen: sozial gerecht sein, den Klimawandel bekämpfen und unsere Industrie wettbewerbsfähig machen."

Ausrichtung auf die Wirtschaft

Šefčovič sprach mit Euronews in einem seiner ersten Fernsehinterviews, seit er die Verantwortung für den Green Deal von seinem Vorgänger Frans Timmermans übernommen hat. Timmermans war zurückgetreten, um in den Niederlanden als Ministerpräsident zu kandidieren.

Šefčovič hat sich nach jahrelanger Arbeit in den Machtzentren der EU einen Namen gemacht.

Eine engere Zusammenarbeit mit der Wirtschaft werde zu seinen obersten Prioritäten gehören.

"Ein sehr wichtiger Punkt wird die enge Zusammenarbeit mit unserer Industrie sein", so Šefčovič. "Ich möchte eine Reihe von, ich würde sagen, strukturierten Gesprächen mit der Industrie einführen, mit denen, die am meisten vom grünen Wandel betroffen sind, die unter großem Druck durch internationale Konkurrenten stehen."

"Und ich denke, dass unsere Unternehmen wissen sollten, dass wir hier sind, um für sie zu kämpfen. Wir wollen, dass sie nicht nur in Europa bleiben, sondern auch wachsen", sagte Šefčovič weiter.

Außerdem wolle er den Verwaltungsaufwand "so weit wie möglich" verringern.

"Ich verstehe, dass dieser grüne Übergang und der Kampf gegen den Klimawandel nicht einfach sind", sagte er. "Es ist nicht einfach für unsere Bürger, für die Haushalte, für die Industrie und für unsere Mitgliedsstaaten. Und ich habe volles Verständnis dafür."

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