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Faktencheck: Gibt es eine ukrainische Briefmarke mit einem Nazi-Veteranen?

Jaroslaw Hunka, ein 98-jähriger Kriegsveteran im kanadischen Parlament im September 2023.
Jaroslaw Hunka, ein 98-jähriger Kriegsveteran im kanadischen Parlament im September 2023. Copyright Patrick Doyle/AP
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Von Euronews
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Alles begann, als Jaroslaw Hunka, ein Veteran, der in der 14. SS-Waffendivision gedient hatte, einer Nazi-Einheit, die hauptsächlich aus ukrainischen Freiwilligen bestand, am 22. September im kanadischen Parlament mit stehenden Ovationen bedacht wurde.

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**Hat die Ukraine eine Briefmarke zu Ehren eines Nazi-Veteranen herausgegeben? **

Alles begann, als Jaroslaw Hunka, ein Veteran, der in der 14. SS-Waffendivision gedient hatte, einer Nazi-Einheit, die hauptsächlich aus ukrainischen Freiwilligen bestand, am 22. September im kanadischen Parlament mit stehenden Ovationen bedacht wurde. 

Der 98-jährige Veteran war vom Sprecher des kanadischen Unterhauses, Anthony Rota, eingeladen worden. Er habe nichts von der Vergangenheits Hunkas gewusst, sagte Rota hinterher. 

Anthony Rota entschuldigte sich und trat zurück. Er hatte Hunka während des Besuchs von Präsident Wolodymyr Selenskyj als "ukrainischen Helden" bezeichnet. Auch der kanadische Ministerpräsident Justin Trudeau entschuldigte sich am 27. September.

Der Skandal erregte weltweites Aufsehen und Russland nutzte ihn, um seine  Desinformationskampagne zu befeuern. 

Eines der wichtigsten Propagandanarrative, die Russland seit seinem Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 verbreitet, ist, dass man an der Entnazifizierung der Ukraine arbeite.

Am 26. September gab die russische Botschaft in Großbritannien auf X bekannt, dass die Ukraine Briefmarken mit dem Konterfei von Jaroslaw Hunka und der Aufschrift "Held der Ukraine" herausgibt. Im Hintergrund des Tweets sind der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und seine Frau Olena zu sehen.

Der inzwischen gelöschte Tweet wurde mehr als 500.000 Mal aufgerufen. Viele Nutzer äußerten sich empört oder ungläubig. 

Woher wissen wir, ob diese Briefmarke tatsächlich existiert? In der oberen rechten Ecke befindet sich ein Strichcode.

Bei der Suche nach dem Barcode findet man heraus, dass er sich auf ein ganz anderes Produkt bezieht, nämlich auf Briefumschläge, die 2022 zu Ehren der Ukraine herausgegeben wurden. Sucht man auf der Website der ukrainischen Post nach dem Strichcode, findet man dort  dieselben Briefumschläge.

Die Briefmarke ist auf der Website nicht zu finden. Die Liste der kürzlich erschienenen Briefmarken enthält nicht die Marke mit dem Hunka-Motiv. Laut der jüngsten Pressemitteilung der Post werden neue Briefmarken herausgegeben, die westliche Waffen zeigen, aber keine bestimmte Person.

Das bedeutet, dass die virale Briefmarke eine Fälschung ist und nie von der ukrainischen Post herausgegeben wurde. Der Nazi-Skandal im kanadischen Parlament hat zu einer Desinformationskampagne geführt, die offenbar von pro-russischen Propagandisten verbreitet wurde.

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