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Sicherere Netze, teurer Strom? EU stoppt chinesische Wechselrichter

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Solarmodule Copyright  Copyright 2018 The Associated Press. All rights reserved.
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Von Leticia Batista Cabanas
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Brüssel will EU-Gelder für Ökoenergieprojekte sperren, die Wechselrichter aus Risikoländern wie China nutzen. Hersteller sollen auf Europalösungen umsteigen, was allerdings Rechnungen und Produktionskosten hochtreibt.

Solaranlagen erzeugen inzwischen 13,4 Prozent des Stroms in der EU und sind damit zu einer tragenden Säule des europäischen Energienetzes geworden. Wechselrichter bilden das Herzstück dieser Anlagen: Sie wandeln den von den Modulen erzeugten Gleichstrom in Wechselstrom um, den Haushalte und Unternehmen nutzen können.

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Rund 61 Prozent der in die EU importierten Wechselrichter stammen direkt aus China. Die EU-Kommission untersagt Finanzinstitutionen wie der Europäischen Investitionsbank (EIB) und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung nun, Projekte zu finanzieren, bei denen chinesische Komponenten eingesetzt werden. Die Regel gilt für laufende Planungen und künftige Anlagen und folgt sicherheits- und cybersicherheitspolitischen Bedenken.

"Moderne Wechselrichter hängen im Netz, damit der Hersteller Software aktualisieren und Wartung aus der Ferne übernehmen kann", sagt Christoph Podewils, Generalsekretär der European Solar Manufacturing Company, eines europäischen Branchenverbands. "Damit verbunden ist ein großes Vertrauen: Der Hersteller darf keine manipulierten Updates einspielen, die das Stromnetz beschädigen. Bei chinesischen Geräten müsste man dieses Vertrauen auch der chinesischen Regierung entgegenbringen, die jedes Unternehmen anweisen kann, ihren Vorgaben zu folgen. So könnte China indirekt über Hunderte Gigawatt an Wechselrichterleistung verfügen – und damit im Kern das europäische Stromnetz kontrollieren."

Rund 80 Prozent aller neu installierten Solaranlagen in der EU laufen direkt über in China gefertigte Wechselrichter. Dass ein so großer Teil der Hardware der am schnellsten wachsenden Stromquelle der EU in chinesischer Hand ist, berge ein kritisches Risiko, das das Netz destabilisieren und landesweite Stromausfälle auslösen könne, fügt Podewils hinzu.

Er verweist auf eine Cybersicherheitsstudie der Technischen Universität Prag. Laut der Analyse untersuchen chinesische Forscher mit Verbindungen zu staatlichen Einrichtungen seit Jahren ausländische Stromnetze. Dabei geht es unter anderem um Kettenreaktionen bei Störungen, Angriffe mit falschen Daten sowie Methoden, kritische Knotenpunkte zu identifizieren, deren Ausfall großflächige Blackouts auslösen könnte. Verteilte Energiequellen wie Solaranlagen und Batteriespeicher tauchen in dieser Forschung zunehmend sowohl als Netzressource als auch als mögliche Angriffsfläche auf.

Branche ist gespalten

Projektentwickler im Bereich erneuerbarer Energien müssen ihre Beschaffungsverträge nun kurzfristig neu aufsetzen. Das Finanzierungs-Moratorium greift sofort. Projekte mit EU-Geldern stoppen die Vergabe und ersetzen chinesische Hardware.

Die Zeitpläne dürften sich dadurch um etwa sechs bis zwölf Monate verschieben, weil Projektierer auf in Europa gefertigte Wechselrichter warten müssen. Etwa 20 Prozent der Solaranlagen in der EU erhalten Unterstützung der EIB, betroffen sind daher Hunderte Projekte. Dazu zählt auch das Solaria Utility Portfolio in Spanien, ein Programm im Umfang von 1,7 Milliarden Euro zum Bau von 100 Solarparks in Spanien, Italien und Portugal.

Ausrüstung darf künftig nur noch von europäischen Herstellern oder von als vertrauenswürdig eingestuften Partnern wie Japan und den Vereinigten Staaten kommen. Zu den wichtigsten Lieferanten gehören SMA Solar Technology aus Deutschland, Fronius International aus Österreich, Fimer aus Italien und Victron Energy aus den Niederlanden. Der abrupte Wechsel führt jedoch zu Engpässen in der Logistik.

"Die Entscheidung bringt für Projektentwickler, die auf EU-Investitionen angewiesen sind, zusätzliche Komplexität", sagt Jürgen Reinert, Vorstandschef von SMA, im Gespräch mit Euronews. "Sie müssen ihre Lieferantenauswahl genauer prüfen und bestimmte Annahmen im Projekt neu bewerten. Gleichzeitig sehen wir eine breitere Verschiebung: Neben Kosten und Leistung zählen bei Beschaffungsentscheidungen zunehmend Aspekte wie Systemsicherheit, Transparenz und regulatorische Konformität."

Unternehmen werden zudem Bestätigungen ihrer Lieferanten benötigen, dass interne Komponenten wie Leiterplatten und Halbleiter nicht aus China stammen. Zusätzliche Zollprüfungen dürften den Verwaltungsaufwand erhöhen und für weitere Verzögerungen sorgen.

Das Verbot dürfte die Beschaffungskosten um rund zwei Prozent steigen lassen, da europäische und verbündete Alternativen teurer sind und die Produktionskapazitäten nicht von heute auf morgen wachsen.

Chinesische Hersteller profitieren von hochautomatisierter Fertigung und bieten ihre Produkte meist 20 bis 30 Prozent günstiger an als europäische Wettbewerber. Zudem kontrolliert China rund 98 Prozent der Lieferkette für Solar- und Batteriekomponenten. Europäische Unternehmen bleiben daher weiterhin auf Vorprodukte aus Asien angewiesen, was Transport- und Zwischenhandelskosten erhöht.

Der Abschied von chinesischen Importen dürfte vorübergehend zusätzliche Engpässe verursachen, weil sich die Logistik auf regionale europäische Transportnetze umstellen muss.

"SMA ist zum Beispiel gut etabliert und verfügt über umfangreiche Erfahrung mit komplexen Systemen", betont Reinert. "In vielen Fällen hängt die tatsächliche Wirkung eher von projektspezifischen Faktoren wie Zeitplan, Zertifizierung und Finanzierungsstruktur ab als allein von Lieferbeschränkungen."

Auswirkungen auf EU-Bürger

Projektentwickler werden höhere Herstellungskosten, Verzögerungen und die Umstellung der Lieferketten zunächst selbst tragen müssen. Mit der Zeit könnten sie einen Teil davon an die Kunden weitergeben, wodurch die Strompreise leicht steigen könnten.

"Die Kosten könnten etwas steigen. Entscheidend ist aber die langfristige Belastbarkeit unserer Lieferketten", sagt David Greau, Generalsekretär des französischen Branchenverbands Enerplan, gegenüber Euronews. "Die Reindustrialisierung der gesamten Wertschöpfungskette – von Solarmodulen bis zu Wechselrichtern – gehört zu diesem Ansatz. Wir brauchen eine starke europäische Industrie."

Die Entscheidung bremst zudem den Ausbau erneuerbarer Energien. Große Projekte müssen zunächst chinesische Komponenten austauschen. Dadurch fließt günstiger Ökostrom vorübergehend langsamer ins Netz.

"Wichtig ist, die Zeitpläne klug zu synchronisieren und Vorgaben wie "Made in Europe" dann zu machen, wenn die Industrie sie auch erfüllen kann", ergänzt Greau. "Mit Größenvorteilen sollten europäische Produkte wettbewerbsfähig werden – auch wenn es in der Anlaufphase zusätzliche Unterstützung braucht. Langfristig profitiert die gesamte Branche davon."

Die erwartete Entlastung bei den Stromrechnungen der Verbraucher dürfte später kommen als in der EU-Solarstrategie vorgesehen. Diese rechnete mit spürbaren Effekten in den Jahren 2025/26 und mit einem Rückgang der Großhandelspreise für Strom um vier bis 25 Prozent bis 2030.

Der Weg zu mehr Resilienz

Zwischen 2027 und 2030 wollen europäische Hersteller ihre lokale Produktion im Rahmen des Net-Zero Industry Act deutlich hochfahren. Die höheren Kosten im Inland werden voraussichtlich in die Grundtarife für Strom einfließen. Die Preise dürften langfristig etwas steigen, dafür gilt die Versorgung als strukturell sicherer.

Befürworter sehen darin einen lohnenden Tausch: Ohne chinesische Software in kritischer Energietechnik sinke das Risiko staatlich gelenkter Cyberangriffe mit großflächigen Blackouts. Zugleich erhalte die europäische Industrie kräftigen Rückenwind.

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