Der Cayenne soll zurück nach Deutschland kommen. Doch die geplante Verlagerung der Produktion nach Leipzig hat offenbar einen hohen Preis: Beschäftigte sollen auf Teile ihres Lohns verzichten.
Porsche arbeitet offenbar an einem weitreichenden Umbau seiner Produktion. Wie zuerst die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet, soll die Fertigung des Erfolgsmodells Cayenne vollständig aus dem slowakischen Bratislava nach Leipzig verlagert werden. Dort soll das SUV künftig mit allen Antriebsvarianten vom Band laufen.
Porsche will Werk Leipzig retten
Für das Werk in Sachsen wäre das eine wichtige Zukunftsperspektive. Hintergrund sind die derzeitigen Überkapazitäten bei Porsche. Sowohl das Leipziger SUV-Werk als auch das Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen gelten als nicht ausgelastet.
Doch die Pläne haben offenbar eine entscheidende Bedingung. Nach Informationen der FAZ soll die Verlagerung nur möglich sein, wenn sich die Arbeitnehmer auf spürbare Einschnitte bei den Löhnen einlassen. Die Personalkosten in der Slowakei liegen deutlich unter dem deutschen Niveau. Um die Produktion wirtschaftlich nach Leipzig zu holen, müssten diese Unterschiede zumindest teilweise ausgeglichen werden.
Der Gesamtbetriebsrat soll laufende Gespräche mit dem Unternehmen bestätigt haben. Betriebsratschef Ibrahim Aslan erklärte, dass noch mehrere Punkte offen seien. Ziel sei es, möglichst schnell zu einer Lösung zu kommen – wann eine Einigung erzielt werde, sei derzeit aber noch unklar.
Porsche selbst wollte sich zu den konkreten Verlagerungsplänen nicht äußern, bestätigte nach Angaben der Zeitung jedoch Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern.
Sparkurs geht weiter
Die mögliche Rückkehr des Cayenne nach Deutschland ist Teil einer deutlich größeren Neuaufstellung des Sportwagenherstellers. Bereits in den vergangenen Monaten wurden mehrere Hundert befristete Arbeitsverträge nicht verlängert. Bis August sollen zudem rund 200 weitere Stellen über freiwillige Aufhebungsverträge und Abfindungen abgebaut werden. Außerdem könnten bis zu 400 Beschäftigte vorübergehend an den Volkswagen-Standort Wolfsburg wechseln.
Konzernchef Michael Leiters hatte den Sparkurs bereits mit dem schwierigen Marktumfeld begründet. Gegenüber der Leipziger Volkszeitung sagte er: „Der anhaltende Druck auf die Automobilindustrie erfordert auch bei Porsche konsequente Maßnahmen.“ Gleichzeitig bekannte er sich ausdrücklich zum Standort Deutschland und zum Werk Leipzig.
Absatzkrise setzt Porsche unter Druck
Der Umbau erfolgt vor dem Hintergrund einer schwierigen Geschäftslage. Vor allem die schwachen Verkaufszahlen in China, Belastungen durch US-Zölle sowie hohe Investitionen in die Neuausrichtung des Unternehmens setzen Porsche zu. Im ersten Quartal 2026 gingen die weltweiten Auslieferungen deutlich zurück. Bereits zuvor hatte der Sportwagenbauer einen massiven Gewinneinbruch für das Geschäftsjahr 2025 vermeldet.
Mit der Verlagerung des Cayenne nach Leipzig könnte Porsche die Auslastung seines deutschen Werks langfristig verbessern – allerdings wohl nur, wenn sich Unternehmen und Belegschaft auf schmerzhafte Zugeständnisse einigen.