Mehrere Dutzend Personen beschimpften Reporter der Medienplattform "Apollo News", bedrohten sie und griffen sie körperlich an, dabei wurde ein Journalist am Kopf getreten. Am folgenden Tag, auf einer Pressekonferenz, rechtfertigte das Linksaußen-Bündnis "Widersetzen" die Angriffe.
Bei Protesten gegen den AfD-Bundesparteitag in Erfurt sind mehrere Journalisten verletzt worden. Ein Reporterteam des rechtslibertären Portals Apollo News sei von Demonstrierenden attackiert worden, wie das Medium selbst berichtete. Der Chefredakteur schrieb auf der Plattform X, ein Mitarbeiter sei dabei am Hinterkopf getreten worden.
Focus Online und Welt gaben an, Videos vorliegen zu haben, die die Angriffe dokumentieren sollen. Zudem zeigt ein Foto einen Reporter am Boden, der offenbar am Kopf getreten wird.
Ein Reporter wurde offenbar plötzlich geschubst, woraufhin die Journalisten zu fliehen begannen. Eine größere Gruppe von Demonstranten setzte ihnen nach. Kurz darauf kommt es offenbar zu den Übergriffen auf das Reporterteam, über die der Chefredakteur von Apollo News berichtet. Der Angriff habe erst geendet, als Polizeikräfte eintrafen, schreibt er: "Die Kollegen wurden vor Ort von Rettungssanitätern versorgt: Platzwunden am Kopf, Schürfwunden, Prellungen."
Zuvor hatte die Polizei mitgeteilt, dass zwei Journalisten durch Flaschenwürfe aus einer Versammlung heraus verletzt worden seien. Ein Reporter sei demnach mit einem Krankenwagen zur weiteren Behandlung gebracht worden. Angaben dazu, für welches Medium die Betroffenen arbeiteten, machte die Polizei zunächst nicht.
Vor dem Wochenende hatte "Widersetzen" noch betont: "Von uns wird keine Eskalation ausgehen." Bei den Blockaden gegen den AfD-Parteitag am Samstag war über Megafone immer wieder zu hören: "Wir bleiben ganz ruhig, wir sind friedlich."
Die Pressekonferenz des Aktionsbündnisses am Sonntag machte nun deutlich, dass die angekündigte Gewaltfreiheit offenbar nicht durchgängig eingehalten wurde. Im Nachgang des nicht verhinderten AfD-Parteitags wurde diese Darstellung kritisch hinterfragt.
Bei der Abschluss-Pressekonferenz des Linksaußen-Bündnisses "Widersetzen" am Sonntag lehnten es die Sprecher der Initiative ab, die Gewalt gegen Journalisten zu verurteilen, insbesondere die Angriffe auf Reporter.
Die Plattform Apollo News wird von Kritikern teilweise als "rechtsaußen" oder rechtskonservativ eingeordnet, sieht sich selbst aber als konservatives bzw. alternatives Nachrichtenmedium im politischen Spektrum. Der Vorwurf ist eine politische Einordnung, keine offizielle Einstufung.
Die Sprecher erklärten zum Auftakt der Pressekonferenz, man habe Erfurt zur "antifaschistischen Hauptstadt" mobilisiert.
Die Journalisten, darunter auch ein Reporter der Bild, hakten wiederholt zu den Angriffen auf die drei Journalisten nach. Die Sprecher reagieren zunächst nicht, bis Noa Sander, einer der Protestteilnehmer, meinte: "Faschisten mit einem Presseausweis sind immer noch Faschisten. Ich weiß nicht, was Sie nicht verstanden haben. Sie sind auf unseren Aktionen nicht willkommen."
Die Journalisten wurden dann aufgefordert, die Pressekonferenz zu verlassen.
Linksextreme drohen mit Gewalt
Sander betonte: "An alle Parteien, insbesondere CDU und BSW: Das hier ist unsere explizite Warnung! Wenn ihr es wagt, den Faschist*innen an die Macht zu helfen, macht ihr euch zu unserem nächsten Aktionsziel."
Die Polizei hat indes Ermittlungen wegen Körperverletzung aufgenommen. Laut „Apollo News“ erlitt einer der Reporter eine schwere Kopfplatzwunde, ein weiterer wurde leicht verletzt. Eine Spezialeinheit der Polizei brachte ihn und seine Kollegen schließlich in Sicherheit.
Eine Polizeisprecherin bestätigte das Geschehen der Bild-Zeitung und erklärte: "Wir können sagen, dass der Vorfall von uns aufgenommen wurde. Die Betroffenen wurden nach ersten Erkenntnissen aus der Masse mit Flaschen angegriffen."
Die Polizei hat eine für den Einsatz eigens gebildete Ermittlungsgruppe für die Untersuchungen eingesetzt.