Islands EU-Referendum steht auf der Kippe: Ländliche Wahlkreise votieren klar mit Nein, Reykjavíks zwei Wahlkreise klar mit Ja.
Die jüngsten Zahlen zeigen, dass sich der Trend wieder zugunsten des "Nein"-Lagers entwickelt.
Zunächst lag das "Ja"-Lager vorne. Dann kamen die Ergebnisse aus den ländlichen Wahlkreisen Nordwest und Süd, die sich klar gegen eine Fortsetzung der Beitrittsgespräche mit der EU aussprachen.
Insgesamt kommt "Nein" mit Stand 8.30 Uhr MEZ auf 51,8 Prozent, "Ja" auf 48,2 Prozent. Nach Angaben des öffentlich-rechtlichen Senders RÚV sind bislang mehr als 150.000 Stimmen ausgezählt.
Bei den ersten Auszählungen lag das "Ja"-Lager zunächst bei 51,2 Prozent. Die endgültigen Zahlen aus dem Wahlkreis Süd, die um 8.32 Uhr MEZ veröffentlicht wurden, zeigen jedoch, dass dort etwas mehr als 60 Prozent mit "Nein" gestimmt haben.
Ministerpräsidentin Kristrún Frostadóttir, Außenministerin Þorgerður Katrín Gunnarsdóttir und Bildungs- und Kinderministerin Inga Sæland haben für 15.00 Uhr MEZ eine Pressekonferenz angesetzt. Dort wollen die Parteivorsitzenden das Ergebnis erörtern und Fragen der Medien beantworten.
Ausstehend sind nur noch die endgültigen Ergebnisse aus zwei Wahlkreisen. Im Südwesten lag "Ja" bei der zweiten Auszählung bei 48,5 Prozent und "Nein" bei 51,5 Prozent. Im Nordosten kam "Ja" auf 41,0 Prozent und "Nein" auf 59,0 Prozent.
In den vier übrigen Wahlkreisen des Landes sind inzwischen alle Stimmen ausgezählt.
Dort verteilen sich die Stimmen wie folgt:
Reykjavík Nord: „Ja“ 57,5 % – „Nein“ 42,5 %
Reykjavík Süd: „Ja“ 54,5 % – „Nein“ 45,5 %
Wahlkreis Süd: „Ja“ 39,5 % – „Nein“ 60,5 %
Wahlkreis Nordwest: „Ja“ 37,1 % – „Nein“ 37,1 %
Wie die Umfragen erwarten ließen, zeichnet sich in den ländlicheren Regionen eine deutliche Mehrheit für das "Nein"-Lager ab. Erste Ergebnisse aus der Hauptstadt Reykjavík deuten hingegen auf eine Mehrheit von rund 58 Prozent für "Ja" hin.
Im Wahlkreis Nordwest liegt das europakritische Lager bei 60,8 Prozent, das "Ja"-Lager bei 39,2 Prozent. Im Nordosten erreicht "Nein" bei fast 10.000 abgegebenen Stimmen 56 Prozent, "Ja" kommt auf 44 Prozent.
Anders sieht es in Reykjavík aus: Im südlichen Wahlkreis der Hauptstadt liegt "Ja" bei mehr als 20.000 ausgezählten Stimmen bei 55,9 Prozent, "Nein" bei 44,1 Prozent. Im nördlichen Hauptstadtwahlkreis sind fast 21.000 Stimmen ausgezählt. Dort kommt "Ja" auf 59,4 Prozent und "Nein" auf 40,6 Prozent.
Die Teilergebnisse entsprechen damit weitgehend den Erwartungen. Ländliche Regionen gelten wegen Sorgen um Fischerei und Landwirtschaft als euroskeptischer, während die Hauptstadt Reykjavík eher als EU-freundlich gilt.
In Island haben die Wahllokale für das EU-Referendum am Samstag um 22.00 Uhr Ortszeit geschlossen.
Am Samstag waren die Isländer aufgerufen, darüber abzustimmen, ob die Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union wieder aufgenommen oder jede Aussicht auf einen EU-Beitritt auf absehbare Zeit aufgegeben werden soll. Rund 272.000 Menschen waren wahlberechtigt.
Nach vorläufigen Angaben lag die Wahlbeteiligung über, oder zumindest in etwa auf dem Niveau der Parlamentswahl 2024, als sie 80 Prozent erreichte. Das melden lokale Medien.
Bis wenige Tage vor der Abstimmung deuteten Umfragen auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen hin. Der Vorsprung des proeuropäischen Lagers schmolz dabei kontinuierlich.
Auf dem Stimmzettel stand die Frage: "Soll Island die Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union wieder aufnehmen?"
Island hatte nach der Finanzkrise 2009 einen EU-Beitritt beantragt, die Gespräche jedoch nach der Wahl einer europakritischen Regierung 2013 eingefroren.
Die Meldung wird laufend aktualisiert.