Mehr Patienten-Feedback soll Gesundheitsversorgung in Europa verbessern

Von Claudio Rosmino
Mehr Patienten-Feedback soll Gesundheitsversorgung in Europa verbessern
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Könnte das Feedback von Patient:innen ein Teil der medizinischen Therapie sein? Das dänische Gesundheitssystem setzt auf "Patient Reported Outcome", Fragebögen, die die Versorgung verbessern und das System entlasten sollen.

Hanne Dalgaard Christensen ist 57 Jahre alt und Renterin in Dänemark. Sie hat wegen einer schweren Darmerkrankung aufgehört zu arbeiten und muss sich seither regelmäßig untersuchen lassen.

Mit dem Fragebogen "Patient Reported Outcome" (PRO) kann sie dem Krankenhaus selber von dem Krankheitsverlauf berichten. Und sie kann ihr Wissen über ihren eigenen Gesundheitszustand und die Qualität der bevorstehenden Konsultation mit ihrer Ärztin verbessern.

Manchmal vergesse sie, ihrer Ärztin etwas zu sagen, ein Detail vielleicht. "Aber hier muss man vor dem Termin einen Fragebogen ausfüllen. So hat man die Zeit, über alles nachzudenken, und der Arzt kann auf alle Fragen antworten, die im Idealfall jedes Mal auftauchen", sagt Hanne Dalgaard Christensen.

Besseres Patientenfeedback = bessere Versorgung

Ursprünglich wurden die Fragebögen in der Neurologie eingeführt und dann auf andere medizinische Bereiche ausgeweitet. Der Online-Fragebogen enthält Fragen zu bestimmten Symptomen, zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität und zu Alltagssituationen.

Die wichtigsten Vorteile von PROs sind: Zeitersparnis, Einbeziehung der Patienten, bessere Anpassung der Therapie, bessere Qualität der gesammelten Gesundheitsinformationen.

Am Universitätskrankenhaus Aarhus wird dieser Online-Dienst hauptsächlich für chronisch kranke Patienten genutzt, die meistens eine regelmäßige Nachsorge und Beratung benötigen. Die Wahrnehmung der Patient:innen liefert nützliche Hinweise für die Messung der Qualität der Versorgung, erklärt Mette Julsgaard, Gastroenterologin am Aarhuser Universitätskrankenhaus.

"Patientenberichte sind ein hervorragendes Mittel, um einen Einblick in die Symptome von Patienten zu bekommen, bevor wir sie in der Ambulanz sehen. Wenn wir sie dann sehen, haben wir bereits viele Antworten und wissen, worauf wir uns konzentrieren müssen, ob es Symptome gibt, die mit ihrer chronischen Darmerkrankung zusammenhängen, oder ob wir ihre medizinische Behandlung ändern müssen", so die Ärztin Mette Julsgaard.

Künftig Standard im "Europäischen Gesundheitsdatenraum"

Der künftige "Europäische Gesundheitsdatenraum" soll diesen medizinischen Ansatz grenzüberschreitend fördern. Gesundheitsdaten sollen erhoben und gemeinsam genutzt werden können. Künstliche Intelligenz wird für ein erstes Screening der eingehenden Informationen eingesetzt. Das erleichtert die anschließende Bewertung durch den Arzt, sagt Lisbeth Kallestrup. Sie ist Direktorin für Qualität und Patientenbeteiligung, Universitätskrankenhaus Aarhus. 

"Die Fragebögen werden mit einem Algorithmus bearbeitet, der anzeigt, ob es dem Patienten gut geht und wir nicht mit ihm sprechen oder ihn sehen müssen. Einige Fragebögen sind, wie wir es nennen, gelb, um festzustellen, ob ein Telefonat mit dem Patienten notwendig ist. Andere sind rot und zeigen an, dass es notwendig ist, den Patienten zu sehen.

Vernetzung und gemeinsame Nutzung von Daten führen zu einem Wandel unserer Gesundheitssysteme. Das Feedback der Patienten kann dabei für von entscheidender Bedeutung sein, um Produkte und Dienstleistungen anbieten zu können, die immer stärker auf die Erfahrungen der Patienten zugeschnitten sind.

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