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Ist Europas Infrastruktur bereit für den KI-Boom?

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Stromkabel Copyright  Copyright 2006 AP. All rights reserved.
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Von Servet Yanatma
Zuerst veröffentlicht am
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Über tausend Führungskräfte europäischer Unternehmen sorgen sich um Europas KI-Infrastruktur. Sie fordern verlässliche, bezahlbare Energie und stabile, sichere Netze.

Der Boom der Künstlichen Intelligenz (KI) erfasst immer mehr Branchen. Unternehmen führen KI im Eiltempo ein, und immer mehr Menschen nutzen sie täglich. Die großen KI-Konzerne bringen laufend neue Versionen mit erweiterten Fähigkeiten auf den Markt.

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Doch wie steht es um die Infrastruktur? Ist die Welt auf die KI-Welle vorbereitet? Eine neue Studie des Telekommunikationskonzerns Nokia legt nahe, dass Europa noch nicht so weit ist. Eine überwältigende Mehrheit der Technologie- und Wirtschaftsführungskräfte in Europa geht davon aus, dass die heutigen Netze umfangreiche Modernisierung und Investitionen brauchen, um den Anforderungen des KI-Superzyklus gerecht zu werden.

Zwei Drittel der Unternehmen setzen bereits KI ein

Die Umfrage zeigt: Europäische Unternehmen sehen KI als Schlüssel für höhere Produktivität und mehr Innovation. Zwei Drittel der Firmen (67 %) nutzen KI bereits zumindest in Teilbereichen. Weitere 15 Prozent testen sie in Pilotprojekten. Managerinnen und Manager planen nun einen KI-getriebenen Umbau in mehreren Bereichen ihres Geschäfts.

Bei kurzfristigen KI-Anwendungen in europäischen Firmen liegt die Cybersicherheit mit 63 Prozent vorn. Auch in der Automatisierung von Geschäftsprozessen (57 %) und im Kundendienst, etwa mit KI-Assistenten und Chatbots (55 %), kommt KI bereits häufig zum Einsatz.

Zu den weiteren Einsatzfeldern zählen Produktentwicklung und Innovation (48 %), prädiktive Analysen und Entscheidungsfindung (48 %), Robotik und intelligente Systeme (44 %) sowie die Optimierung von Lieferketten und Logistik (44 %).

Die größte Herausforderung: die KI-Infrastruktur

Der Nokia-Bericht mit dem Titel „AI is too big for the European internet“ kommt zu dem Schluss: Investitionen, Fachkräfte und Energie bleiben zwar entscheidend, die eigentliche Schwachstelle liegt jedoch in der KI-Infrastruktur selbst.

„Heute ist das digitale Rückgrat des Kontinents schlicht nicht auf KI ausgelegt: Hochleistungs-Verbindungen sind zersplittert, und die Sicherheit ist angreifbar“, heißt es in dem Bericht.

Stromversorgung wird zum Engpass der KI-Infrastruktur

Den größten Engpass der europäischen KI-Infrastruktur sieht der Bericht in der Energieversorgung. Grundlage ist eine Befragung von mehr als 1.000 europäischen Führungskräften, die für KI-Investitionen verantwortlich sind.

Zu den Befragten gehörten Technologie- und Geschäftsentscheidende, Anbieter von Telekom- und Rechenzentrums-Infrastruktur sowie Unternehmen und Organisationen, die KI in ihre Abläufe integrieren wollen.

„Europas Fähigkeit, KI im großen Maßstab einzusetzen, stößt an die Grenzen der Energieproduktion und der Stromnetze“, heißt es in der Studie.

Rund neun von zehn Führungskräften (87 %) befürchten, dass Europas Energieinfrastruktur mit der wachsenden KI-Nachfrage nicht Schritt halten kann. Mehr als die Hälfte (57 %) sieht sie in ernsthafter Gefahr oder erkennt bereits deutliche Überlastungserscheinungen.

Diese Belastung spüren Unternehmen bereits heute. Jede fünfte Firma (21 %) berichtet, dass Energieengpässe KI-Projekte direkt verzögern. Weitere 28 Prozent mussten Zeitpläne oder Standorte ihrer Vorhaben anpassen.

Hohe Energiekosten, oft verbunden mit veralteter Infrastruktur, bereiten zusätzliche Sorgen. Eine Mehrheit der Unternehmen (52 %) hält die Energiepreise in Europa im Vergleich zu globalen Wettbewerbern schon jetzt für nicht wettbewerbsfähig. 40 Prozent der Befragten nennen Genehmigungsverfahren als Bremsklotz, 35 Prozent verweisen auf eine zu geringe Netzkapazität oder begrenzten Zugang zu erneuerbaren Energien.

Drei von fünf Unternehmen denken über Verlagerung wegen günstigerem Strom nach

Und mehr noch: Drei von fünf Führungskräften (61 %) in europäischen Unternehmen ziehen in Betracht, besonders datenintensive Bereiche in Regionen mit günstigeren Strompreisen zu verlagern – oder haben diesen Schritt bereits vollzogen.

Rund 21 Prozent haben eine Verlagerung auf dem Radar, ohne bislang zu handeln, nur 16 Prozent wollen in jedem Fall bleiben, unabhängig vom Zugang zu Energie.

„Während amerikanische KI- und Rechenzentrumsunternehmen Direktverträge mit Atomkraftwerken schließen, um ihre Energieversorgung zu sichern, hat Europa erheblichen Aufholbedarf“, warnt der Bericht.

Auch die Stabilität des Internets macht Sorgen

Der Einsatz von KI stellt hohe Anforderungen an die Netzanbindung, und die Belastungsgrenzen sind bereits sichtbar. Mehr als die Hälfte der Unternehmen (54 %) klagt über schlechte Netzwerkleistung, mit Latenzen, Ausfällen oder zu geringer Durchsatzrate infolge des wachsenden KI- und Datenverkehrs.

Für 16 Prozent beeinträchtigen diese Störungen das operative Geschäft spürbar. Eine große Mehrheit von 77 Prozent hat bereits jetzt mit Verbindungsproblemen zu kämpfen, noch bevor sie KI in großem Stil ausbauen.

Auf die Frage nach der Zuverlässigkeit des Netzes bei steigenden KI-Lasten äußerten sich 86 Prozent der europäischen Unternehmensspitzen besorgt. Viele halten die heutigen Netze noch nicht für geeignet, eine breite KI-Nutzung zu tragen.

Globaler Datenverkehr dürfte explodieren

Prognosen gehen davon aus, dass der weltweite Datenverkehr bis 2033 um das Fünf- bis Neunfache zunimmt, und das würde die ohnehin ausgelasteten europäischen Netze beispiellos unter Druck setzen.

„Ohne einen entschlossenen Ausbau robuster und sicherer Netze riskiert Europa, beim Thema KI bloßer ‚Abnehmer‘ zu bleiben, abhängig von fremder Infrastruktur und fremden Standards – statt selbst zum ‚KI-Gestalter‘ zu werden“, heißt es in dem Bericht.

Souveränität gehört zur digitalen Infrastruktur

Der Bericht betont zudem: Souveränität bildet inzwischen die Grundlage digitalen Vertrauens. Sicherheit gilt dabei als Schlüssel, um diese Souveränität zu gewährleisten.

Für europäische Unternehmen zählt Souveränität zu den wichtigsten Zielen. 86 Prozent halten es für sehr oder äußerst wichtig, Daten und Kontrolle in Europa zu behalten. Rund 73 Prozent sehen Souveränität als entscheidenden Faktor bei der Infrastrukturplanung.

Was fordern Europas Unternehmen?

Um diese Probleme anzugehen, wünschen sich Führungskräfte einfachere und einheitlichere Regulierung über die Märkte hinweg, einen schnelleren Zugang zu Funkfrequenzen sowie Anpassungen im Wettbewerbsrecht, die Zusammenschlüsse erleichtern. Zudem verweisen sie auf den Bedarf an branchenweiten Investitionen in energieeffiziente, KI-taugliche Netze.

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