Führende Politiker Armeniens und Aserbaidschans begrüßen den Frieden in Davos, während der serbische Präsident vor einer Scheidung zwischen den USA und Europa warnt
Die Präsidenten von Armenien und Aserbaidschan traten am Dienstag gemeinsam bei einem Panel von Euronews am Rande des Weltwirtschaftsforums auf. Es war ihr erster gemeinsamer Auftritt seit der Unterzeichnung eines historischen Friedensabkommens, das einen seit 30 Jahren andauernden Konflikt beendete.
Der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew bezeichnete das Abkommen als "einen enormen Gewinn für Armenien, Aserbaidschan und den Südkaukasus" und als Beispiel dafür, wie Länder, die lange tief verfeindet gewesen seien, den Weg zur Zusammenarbeit finden könnten.
"Wir haben es geschafft: Wir haben das Recht, das Völkerrecht, unsere Souveränität und unsere territoriale Integrität wiederhergestellt – und dann den Frieden erreicht", sagte Alijew. Die beiden Länder würden nun "Eurasien verändern", fügte er hinzu.
Der armenische Präsident Vahagn Khachaturyan dankte seinem Premierminister Nikol Pashinyan sowie Präsident Alijew für ihren politischen Willen, Frieden zu schließen. Er habe Alijews Ausführungen wenig hinzuzufügen, sagte Khachaturyan, "denn ich muss im Grunde dasselbe wiederholen".
Zur Veranschaulichung des Wandels nannte Khachaturyan konkrete Beispiele: So könnten Einwohner von Jerewan inzwischen aserbaidschanischen Kraftstoff für ihre Autos kaufen.
"Vor Jahren hätte allein die Erwähnung eine feindselige Reaktion ausgelöst. Doch das ist die neue Realität, in der wir heute leben", sagte er. "Gott sei Dank haben sich die Führungen unserer beiden Länder für diesen Weg entschieden – für die Zukunft und für den Frieden unserer Länder."
Dem Podium schloss sich auch der serbische Präsident Aleksandar Vučić an. Er zeichnete ein düsteres Bild der aktuellen geopolitischen Lage und sprach von einer "Scheidung zwischen Europa und den Vereinigten Staaten". Zugleich rief er kleinere Staaten zu engerer Zusammenarbeit auf.
"Wir leben in einer Welt, in der der große Fisch den kleinen frisst. Deshalb müssen sich die kleineren Länder zusammenschließen", sagte Vučić und appellierte an Armenien, Aserbaidschan und die gesamte Region, ihre Kooperation zu vertiefen.
Vučić warnte zudem, dass eine weitere Verschärfung der Spannungen zwischen den USA und Europa kleineren Ländern – ebenso wie europäischen Unternehmen – erheblich schaden würde.
"Diese Scheidung zwischen den USA und Europa wird keine vorübergehende Episode sein. Sie wird lange andauern, und am Ende werden wir alle den Preis dafür zahlen", sagte er.
Sehen Sie sich das Panel von Euronews auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos in seiner Gesamtheit im Player oben an.