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Italien diskutiert harte Regeln: Immer mehr Jugendliche kämpfen mit Digital-Sucht

Social-Media-Verbot
Social-Media-Verbot Copyright  Copyright 2024 The Associated Press. All rights reserved.
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Von Giorgia Orlandi
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Nach Frankreich und Spanien rückt nun auch Italien digitale Süchte bei Jugendlichen stärker in den Fokus. Politik und Experten beraten über strengere Regeln für soziale Netzwerke und Online-Spiele. Gleichzeitig wächst der Ruf nach mehr Prävention und Aufklärung.

In Italien wächst die Sorge über digitale Sucht bei Jugendlichen. Nach aktuellen Daten des Istituto Superiore di Sanità, die von dem Sozialunternehmen "Con i Bambini" zitiert werden, gelten rund 100.000 junge Menschen im Alter von 15 bis 18 Jahren als gefährdet, eine Abhängigkeit von sozialen Netzwerken zu entwickeln.

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Noch größer ist eine zweite Zahl: Etwa eine halbe Million Jugendliche leidet demnach unter "Gaming Disorder" – einer Störung, die mit problematischem, kontrollverlierendem Online-Spielen verbunden ist.

Auch die Social Warning Association, ein Netzwerk für digitale Ethik, warnt vor einer verbreiteten Abhängigkeit: 77 Prozent der italienischen Jugendlichen bezeichnen sich selbst als süchtig nach digitalen Geräten. Viele wüssten zwar um das Problem, fänden aber kaum Wege, ihre Nutzung zu begrenzen.

Bildungsarmut und Familienschwierigkeiten als Treiber

"Con i Bambini" engagiert sich im Kampf gegen Bildungsarmut bei Minderjährigen und hat nach eigenen Angaben bereits über 800 Projekte in Italien finanziert. Die Organisation beobachtet die digitale Abhängigkeit seit Längerem.

Eine aktuelle Studie von "Con i Bambini" sieht vor allem zwei Ursachen: Bildungsarmut und schwierige Verhältnisse in der Familie. "Mehr als 75 Prozent der Jugendlichen, die isoliert leben und süchtig nach sozialen Netzwerken und Spielen sind, haben eine gestörte, dysfunktionale oder fehlende Beziehung zu ihren Eltern", sagt Simona Rotondi, Leiterin der institutionellen Aktivitäten der Organisation, im Gespräch mit Euronews.

Debatte über Regeln: "Verbote reichen nicht"

Das Thema ist längst auch politisch. Das Europäische Parlament forderte in einer Entschließung vom November des vergangenen Jahres, das Mindestalter für den Zugang zu sozialen Plattformen auf 16 Jahre festzulegen.

Frankreich und Italien erwägen zudem Gesetze, die die Nutzung sozialer Plattformen für Jugendliche unter 15 Jahren verbieten sollen. Ähnliche Überlegungen gibt es auch in Spanien.

Rotondi hält Regeln zwar für wichtig, warnt aber vor einer Debatte, die sich allein auf Verbote konzentriert. "Eine gesetzliche Regelung ist notwendig, aber nicht ausreichend", betont sie. Sie könne kontrollieren und schützen, aber nicht die kulturellen Muster in Familien verändern. "Die Herausforderung ist erzieherischer Natur. Es reicht nicht aus, etwas zu verbieten", sagt Rotondi. Stattdessen müsse man Kinder wieder stärker mit ihrem Umfeld verbinden – mit Freizeitangeboten, sozialen Orten und echten Beziehungen.

Viele Fachleute sehen es ähnlich: Ein Verbot kann kurzfristig schützen. Es ersetzt aber keinen langfristigen Bildungs- und Präventionsansatz.

Jugendliche sind sich des Problems bewusst

Die Alarmglocken läuten vor allem bei Eltern. Laut einer vom Institut Demopolis durchgeführten und von "Con i Bambini" unterstützten Umfrage sorgen sich 83 Prozent der italienischen Erwachsenen über die Internet-, Smartphone- und Tablet-Nutzung von Jugendlichen.

"Wir sind besorgt, aber wir können unsere Kinder nicht vom Telefon wegbringen. Wir wissen nicht, wie wir es machen sollen. Institutionen und Schulen müssen uns helfen", sagt ein Elternteil.

Gleichzeitig wächst auch unter Jugendlichen das Bewusstsein. "Wir jungen Leute informieren uns auf diese Weise. Wir lesen weniger Zeitungen, die Nachrichten laufen über soziale Medien", sagt eine Jugendliche gegenüber Euronews. Soziale Medien ließen sich nicht einfach abschalten, meint sie. Deshalb sei es wichtiger, den bewussten Umgang zu lernen. "Es wäre besser, präventiv statt repressiv einzugreifen", sagt sie.

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