Der Verdächtiger der Schießerei mit einem Toten und sieben Verletzten in den Yvelines, gesteht, gezielt Menschen angegriffen zu haben, die er als muslimisch oder afrikanischer Herkunft wahrnahm. Die Staatsanwaltschaft spricht von einem geplanten rassistischen Angriff.
Der mutmaßliche Schütze von Trappes und La Verrière im Département Yvelines hat zugegeben, gezielt Menschen angegriffen zu haben, die er als muslimisch oder als afrikanischer beziehungsweise nordafrikanischer Herkunft einstufte. Das teilte am Donnerstag der Antiterror-Staatsanwalt Olivier Christen mit.
Der 39-jährige Kévin T. soll bei dem Angriff am 23. Oktober einen Mann getötet und sieben weitere Menschen verletzt haben. Er fuhr dabei zunächst mit dem Auto, später griff er zu Fuß an.
„Er räumte ein, gezielt Menschen angegriffen zu haben, die nach seiner Wahrnehmung muslimisch oder afrikanisch, nordafrikanisch sind“, sagte der Staatsanwalt auf einer Pressekonferenz. Der Täter habe außerdem erklärt, er habe Trappes, eine stark bevölkerte Vorstadtgemeinde von Paris, ausgewählt, weil er sie als „ein Versteck für Islamisten“ betrachte.
Angriff lange vorbereitet
Der Staatsanwalt betonte die „sehr gründliche Vorbereitung der Straftat“.
Bei seinen Vernehmungen räumte Kévin T. die Planung im Voraus ein und erklärte, er habe im Dauerfeuer geschossen. Die Ermittlungen ergaben unter anderem, dass er bereits im September mehrere Zubehörteile gekauft hatte, um die Schlagkraft seiner Waffe zu erhöhen, einer Maschinenpistole vom Typ Sten aus dem Zweiten Weltkrieg. Zudem erwarb er eine Polizeibinde und Handschellen.
Am Tag des Angriffs fuhr der Verdächtige mit einem Auto zwischen Trappes und La Verrière hin und her und schoss auf mehrere Menschen. Das getötete Opfer, Pengo Bossio Wangi, war 26 Jahre alt und stammte aus der Demokratischen Republik Kongo. Unter den sieben Verletzten ist ein elfjähriges Mädchen, dessen Leben inzwischen nicht mehr in Gefahr ist. Dennoch lagen am Donnerstag noch drei Opfer im Krankenhaus, und für eines von ihnen besteht weiterhin Lebensgefahr.
Bei der Durchsuchung der Wohnung des Verdächtigen in der Gemeinde Plaisir entdeckten die Ermittler ein Waffenlager mit Magazinen, zwei Schlagringen, einer Bajonettklinge aus Stahl und einem Schalldämpfer. Außerdem fanden sie einen Koran, eine Bibel und ein Exemplar von „Mein Kampf“, dem Buch von Adolf Hitler.
Die Ermittler stießen zudem auf Aufkleber mit nationalistischen Parolen.
Auf 30 Aufklebern stand unter anderem der Spruch „Vive la France, RN, fier d’être français“ (Es lebe Frankreich - Stolz Franzose zu sein).
Kevin T. gab zu, die Motive selbst entworfen und online bestellt zu haben, betonte aber, er sei weder Mitglied noch Sympathisant einer politischen Partei. Trotz seiner Geständnisse bestreitet er, einen Terrorakt begehen zu wollen, und bezeichnet seine Tat laut Staatsanwalt als „legitim“.
Er bestritt außerdem, Kinder töten zu wollen, und sagte, er habe sich bei der Körpergröße des elfjährigen Opfers irren können. Dennoch erklärte er, er empfinde „keinerlei Reue“.
Der Verdächtige hatte von psychologischen und psychiatrischen Problemen berichtet. Nach Angaben des Staatsanwalts zeigte die medizinische Untersuchung jedoch keine psychiatrische Erkrankung, die als „dekompensiert“ gilt, also mit nicht mehr beherrschbaren Symptomen, die eine Zwangseinweisung rechtfertigen könnten.
Die Nationale Antiterror-Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren wegen „Mordes und versuchten Mordes im Zusammenhang mit einer terroristischen Vereinigung“ ein, mit dem erschwerenden Umstand der tatsächlichen oder angenommenen Herkunft oder Religion der Opfer. Sie beantragte Untersuchungshaft für den Verdächtigen, der demnächst drei Ermittlungsrichtern vorgeführt werden soll.
Emmanuel Macron macht extreme Rechte verantwortlich
In einem Interview am Mittwoch auf dem YouTube-Kanal HugoDécrypte zu politischer Verantwortung in einem rassistischen Klima, das den Anschlag begünstigt haben könnte, prangerte Emmanuel Macron einen „Atmosphären-Rassismus“ und eine „Enthemmung der Gewalt“ an.
Der Staatspräsident machte ausdrücklich „politische Bewegungen verantwortlich, die dies am äußersten rechten Rand haben entstehen lassen“, und nannte dabei den Rassemblement national sowie „jene, die ihm nahestehen“.
Der RN reagierte am Donnerstag scharf in der Sendung von TF1. Der Abgeordnete Jean-Philippe Tanguy bezeichnete den Präsidenten als „sehr problematisch“ und warf ihm vor, seit fast zehn Jahren „hasserfüllte Ideologien“ gedeihen zu lassen. Er kritisierte insbesondere den Anstieg von Antisemitismus und Homophobie während Macrons Amtszeiten.
Nationaler Gedenkakt für die Opfer
Den Opfern des Angriffs soll ein nationaler Gedenkakt gewidmet werden. Die Regierung kündigte dies am Mittwoch, dem 28. Oktober, an, einen Tag nachdem die Fraktionsvorsitzende der Öko-Abgeordneten, Cyrielle Chatelain, die Ehrung in der Nationalversammlung gefordert hatte.
Die Zeremonie soll Premierminister Sébastien Lecornu leiten, wie die für den Kampf gegen Diskriminierung zuständige Ministerin Aurore Bergé vor dem Senat erklärte.
Datum und Ort stehen noch nicht fest, unter anderem weil mehrere Opfer weiterhin in einem kritischen Zustand sind.