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181 Ex-Offiziere wollen Verlegung von Francos Grab verhindern

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181 Ex-Offiziere wollen Verlegung von Francos Grab verhindern

Protest vor dem Valle de los Caídos, dem "Tal der Gefallenen"
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REUTERS/Javier Barbancho
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Mehr als 180 ehemalige hochrangige Armeeoffiziere in Spanien haben ein Manifest veröffentlicht, in dem sie die Achtung von Francisco Francos sterblichen Überresten fordern.

Nach Plänen des sozialistischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez soll die Leiche des Diktators exhumiert und aus dem größten faschistischen Denkmal des Landes, dem sogenannten "Tal der Gefallenen" (Valle de los Caídos), entfernt werden.

Das Vorhaben hat landesweit für Empörung gesorgt und Proteste von Pro-Franco-Gruppen ausgelöst.Mitte Juli kam es in der Valle de los Caídos zu Demonstrantationen von rund 1.000 Franco-Anhängern.

Im Manifest der pensionierten Offiziere verurteilen die Unterzeichner eine "berüchtigte Kampagne", die von der "politischen Linken" durchgeführt wird, um den Diktator zu diskreditieren.

Das Dokument wurde an die sozialistische Regierung geschickt und auf der Website einer umstrittenen Militärgruppe von Pensionären veröffentlicht.

Zu den Unterzeichnern gehören ein ehemaliger Admiral, 29 Generäle, 105 Oberstleutnants, 15 Leutnants sowie Kommandanten und Kapitäne der Marine.

Doch die Stimmung spiegelt sich auch in der neuen Generation der spanischen Armee wider: "Er [Franco] war einer der Besten von uns. Er wurde kritisiert und respektiert", sagte José María Pairet Varela, ein pensionierter Oberst, gegenüber Euronews.

Pairet sagte, dass die meisten spanischen Militärs, einschließlich derer, die derzeit in der Armee sind, "dieses Gefühl teilen".

Nach dem dreijährigen Bürgerkrieg, der 1939 endete, regierte Franco die Nation fast vier Jahrzehnte lang als Diktatur. Doch auch nach seinem Tod spaltet die Debatte darüber, was mit seinen Überresten geschehen soll, das Land.

Francos umstrittene Gedenkstätte

Das Tal der Gefallenen am Stadtrand von Madrid ist das größte Massengrab Spaniens und heute den Opfer des Bürgerkriegs gewidmet.

Rund 34.000 Gebeine liegen dort begraben, aber nur die Gräber der rechtsextremen Führer Franco und José Antonio Primo de Rivera sind beschriftet.

REUTERS/Javier Barbancho
Das Tal der Gefallenen nahe MadridREUTERS/Javier Barbancho

Das Denkmal wurde von mehreren politischen Gefangenen unter Zwangsarbeit gebaut und 1959 von Franco eingeweiht. Damals stellte das Regime das Denkmal als Ort der Versöhnung dar, der die nationale katholische Ideologie des Diktators repräsentierte. Heute ist es eine Touristenattraktion sowie ein Heiligtum für (extreme) Rechte und Franco-Anhänger.

Trennungen zwischen links und rechts

MInisterpräsident Sánchez, ein Sozialist, hat die Präsidentschaft des konservativen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy vor zwei Monaten übernommen.

Seine Partei (PSOE) glaubt, dass die Entfernung der Überreste von Franco ein wichtiger Schritt zur Versöhnung der schmerzhaften Vergangenheit Spaniens sei. Sánchez hat auch versucht, Pro-Franco-Gruppen zu verbieten.

"Ein Land, das in die Zukunft blickt, muss in Frieden mit seiner Vergangenheit leben", sagte Sánchez im Juni vor dem Parlament. "Wunden sind seit vielen Jahren offen, zu viele, und es ist Zeit, sie zu heilen. Unsere Demokratie wird Symbole haben, die die Bürger vereinen statt sie zu trennen."

Während andere linke und regional-nationalistische Politiker den Schritt unterstützen, wurde er von den Konservativen kritisiert.

Rajoys Nachfolger als Chef der Volkspartei PP Pablo Casado sagte, dass er keinen einzigen Euro für die Ausgrabung von Franco ausgeben würde und beschuldigte Sánchez, "unnötige Probleme zu schaffen, nur um Wählerstimmen zu gewinnen, mit der Gefahr, die Gesellschaft langanhaltend zu entzweien".

Sanchez hat offenbar die Bürger in Spanien auf seiner Seite. Eine neu veröffentlichte Meinungsumfrage ergab, dass die Sozialistische Partei bei Neuwahlen mit 29,9% der Stimmen einen leichten Vorsprung hätte, während die Konservativen 20,4% erreichen würden.

Die nächsten Wahlen sind in Spanien allerdings erst im Juli 2020 geplant.