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Maas in Auschwitz: "Unsere Verantwortung endet nie"

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Maas in Auschwitz: "Unsere Verantwortung endet nie"

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Agencja Gazeta/Jakub Porzycki
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Als erster deutscher Außenminister seit 26 Jahren hat Heiko Maas das ehemalige deutsche Vernichtungslager Auschwitz besucht. "Die Hölle auf Erden - sie war eine deutsche Schöpfung namens Auschwitz", schrieb Maas in das Gedenkbuch der KZ-Gedenkstätte. "Voll Trauer und Scham verneigen wir uns vor den Frauen, Männern und Kindern, die hier und an anderen Orten millionenfach von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Aus dem Vermächtnis der Opfer erwächst Deutschlands Verantwortung, für die unantastbare Würde des Menschen einzustehen - überall und jeden Tag. Diese Verantwortung endet nie", hieß es weiter.

Maas wurde von dem polnischen Auschwitz-Überlebenden Marian Turski durch das ehemals größte Vernichtungslager der Nazis geführt. "Das ist der schrecklichste Ort der Welt. Hier muss man sich entscheiden: Entweder verliert man den Glauben an die Menschlichkeit, oder man gewinnt die Hoffnung oder die Kraft dafür einzutreten, dass die Menschenwürde gewahrt wird und tut etwas dafür."

Im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau wurden mehr als 1,1 Millionen Menschen ermordet, die meisten davon waren Juden. Als letzter deutscher Außenminister vor Maas hatte Klaus Kinkel 1992 die Gedenkstätte besucht. Ein Bundeskanzler war mit Helmut Kohl zuletzt 1995 in Auschwitz.

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Maas hatte in seiner Antrittsrede als Außenminister im März gesagt, er sei wegen Auschwitz in die Politik gegangen. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, würdigte diesen Satz als Ausdruck des Geschichtsbewusstseins Maas', aber auch als wichtigen Beitrag zur Debatte über die Erinnerungskultur. "Wenn es eine Partei gibt, bei der ein namhafter Vertreter eine 180-Grad-Wende in der Erinnerungspolitik fordert, dann ist diese Äußerung des Außenministers in meinen Augen genau der Gegenpol: Die Schoa darf nicht vergessen werden und aus der Schoa erwächst gerade für die Bundesrepublik Deutschland eine besondere Verantwortung."

Schuster nahm damit Bezug auf eine Äußerung des Fraktionsvorsitzenden der Alternative für Deutschland (AfD) in Thüringen, Björn Höcke. Dieser hatte im vergangenen Jahr die deutsche Erinnerungskultur als "dämliche Bewältigungspolitik" bezeichnet und eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" gefordert. Schuster warf der Parteispitze vor, sich nie eindeutig von Höcke distanziert zu haben. "Damit muss man allerdings wirklich fragen, inwieweit sie (die AfD-Führung) auf dem Boden der deutschen Demokratie steht", sagte Schuster.