Eilmeldung

Eilmeldung

80 Jahre Kristallnacht: "Das Andersartige ist eine Ausrede, um Menschen zu verfolgen"

Sie lesen gerade:

80 Jahre Kristallnacht: "Das Andersartige ist eine Ausrede, um Menschen zu verfolgen"

80 Jahre Kristallnacht: "Das Andersartige ist eine Ausrede, um Menschen zu verfolgen"
Schriftgrösse Aa Aa

Am 9. November 2018 jährt sich zum 80. Mal die Kristallnacht: Nationalsozialisten brannten Synagogen nieder, zerstörten jüdische Geschäfte und griffen Juden auf offener Straße an. Viele Juden wurden verhaftet. Es war eine Nacht des Schreckens. Die Novemberprogrome 1938 sind ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte: Die Kristallnacht ist ein Symbol für die Grausamkeiten, die während des Zweiten Weltkriegs an Juden begangen wurden.

Es ist wichtig, nie zu vergessen. Ziel unserer Miniserie ist darüber hinaus, den aktuellen Antisemitismus, den Rassismus und den Aufstieg der extremen Rechten in ganz Europa zu beleuchten. Dafür besuchen wir die jüdische Gemeinschaft in Rom, wir erkunden den neuen Antisemitismus in Frankreich und wir werfen einen Blick auf die Methoden der extremen Rechten, die in ganz Europa an Boden gewinnen.

Achtzig Jahre sind seit der Kristallnacht vergangen, einem Symbol für die Judenverfolgung durch die Nationalsozialisten. In Italien ist ein anderes Datum in Erinnerung geblieben: der 16. Oktober 1943, der schwarze Samstag der jüdischen Gemeinde in Rom.

Fünf Jahre nach der Kristallnacht: Rom ist von den Deutschen besetzt, als die Gestapo um halb sechs Uhr morgens mehr als 1000 Juden verhaftet und sie nach Auschwitz deportiert. Nur 16 werden zurückkehren. Der letzte Überlebende, Lello Di Segni, starb vor einigen Tagen, kurz vor seinem 92. Geburtstag.

Enrico Di Veroli (85) erinnert sich: "Ich war dabei. Ich habe miterlebt, wie meine Schwester, mein Schwager und ihre beiden Kinder deportiert wurden."

Euronews-Reporterin Eloisa Covelli: "Besteht Ihrer Meinung nach heute die Gefahr, dass so etwas wieder passiert?"

Enrico Di Veroli: "Ich weiß es nicht, heute gibt es den Staat Israel, der uns beschützen kann."

Euronews: "Sie sagen, Juden sind nicht mehr in Gefahr, dafür andere Menschen wie Migranten oder Sinti und Roma?"

Giuseppe Calò (72): "Nein. Lassen Sie uns nicht das Judentum mit Zigeunern und anderen Minderheiten vermischen."

Der Völkermord soll nie vergessen werden.

Die jüdische Gemeinde in Rom erinnert mit Filmen, Büchern und Konferenzen an die Shoah: Der Völkermord der Nationalsozialisten an den Juden soll nie vergesssen werden. Und es ist eine Mahnung, dass so etwas nie wieder passiert.

Euronews: "Ist Ihrer Meinung nach das politische Umfeld heute so vergiftet, dass Rassismus oder die Verfolgung bestimmter Menschengruppen wieder salonfähig sind?"

Claudio Procaccia, Direktor der Abteilung für Kulturerbe und Aktivitäten der Jüdischen Gemeinde Rom: "Das Risiko besteht immer, es liegt in der menschlichen Natur. Und in einer Zeit der Wertekrise, aus der eine Wirtschaftskrise entstanden ist, nimmt das Phänomen sicher zu."

Ruth Dureghello, Präsidentin der jüdischen Gemeinde in Rom: "Man muss nur verstehen, dass es immer einen Feind geben wird, den man angreifen, den man beleidigen, gegen den man sich stellen kann. Und wir sind die "Anderen" par excellence. Deshalb sind wir in der Vergangenheit Opfer dieses Hasses geworden - und manchmal auch heute noch. Wir müssen diesen Hass bekämpfen, egal gegen wen er sich richtet: Zigeuner, Homosexuelle oder Behinderte - wie es bereits geschehen ist. Das Andersartige ist eine Ausrede, um Menschen zu verfolgen."