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Indien: Tödliche Pestizide bedrohen Baumwollbauern

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Indien: Tödliche Pestizide bedrohen Baumwollbauern

Indien: Tödliche Pestizide bedrohen Baumwollbauern
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In der EU und in der Schweiz ist es seit Jahren verboten, doch in Indien wird es weiter auf die Baumwollfelder gesprüht: Das Pflanzenschutzmittel Polo des Schweizer Konzerns Syngenta. Dabei ist es der Schweizer Nichtregierungsorganisation Public Eye zufolge tödlich. Rund 800 Landarbeiter im Distrikt Yavatmal im westlichen Bundesstaat Maharashtra sind laut Recherchen der Organisation durch den Einsatz von Polo schwer vergiftet worden. Über 50 Männer in der Region seien verstorben.

Auch Purushattam Khadse arbeitet mit Polo: "Meine Augen begannen zu brennen und wurden rot. Ich bin zum Arzt gegangen und der hat mir gesagt: Sie leiden unter dem Mittel, das sie auf die Felder sprühen. Es ist in ihre Augen gekommen."

Im Bauwollanbaugebiet Yavatmal haben die Behörden Polo vor ein paar Monaten verboten. Dem Schweizer Fernsehen gelang es trotzdem, das Pestizid vor Ort zu kaufen. Public Eye berichtete, dass die Bauern beim Kauf nur unzureichend über die Gefahren aufgeklärt werden und selten Schutzausrüstung erhalten. Die Warnhinweise sind in Englisch und Hindi formuliert. Sprachen, die viele Bauern nicht sprechen, wenn sie überhaupt lesen und schreiben können. Die Folgen können verheerend sein. Der Bauer Hiroman Soyam ist teilweise erblindet. Er kann zudem kaum sprechen. Seine Felder kann er laut Public Eye nicht mehr bestellen.

Polo wurde in der EU 2002 verboten, in der Schweiz 2009. Sein Wirkstoff Diafenthiuron kann laut der Europäischen Chemikalienagentur ECHA Organschäden bewirken, wenn man ihm länger oder wiederholt ausgesetzt ist. Public Eye wirft Syngenta vor, das Mittel trotzdem nach Indien zu exportieren. Im Jahr 2017 seien es 75 Tonnen gewesen.

Der Konzern weist die Vorwürfe laut Schweizer Medien zurück. Es gebe keine Hinweise darauf, dass Polo für die Erkrankungen und Todesfälle verantwortlich sei. Dies sei auch das Ergebnis einer von den indischen Behörden in Auftrag gegebenen Untersuchung. Zudem gebe es in Indien Dutzende lokale Generika und identische Produkte, die noch nicht einmal Warnhinweise enthalten würden.