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Krähen ärgern gerne Menschen

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Krähen ärgern gerne Menschen

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Krähen passen gut ins Bild eines kalten und nebeligen Novembertags. Einige Menschen halten sie sogar für bedrohlich und unheimlich. „Grundsätzlich haben diese Rabenvögel nichts Böses an sich, was sie für Menschen aber vielleicht bösartig erscheinen lässt, ist ihre große Intelligenz", so der österreichische Ornithologe Andreas Kleewein in der ORF-Online-Ausgabe. "Unter den Vögeln gibt es selten so intelligente Gruppen wie diese.“ Krähen können Werkzeuge verwenden und sie können Menschen auch ärgern, so Kleewein, der bei der Kärntner Landesstelle des Vogelschutzprogramms BirdLife arbeitet.

Krähen ärgern Radfahrer zum Spaß

Wenn man zum Beispiel mit dem Fahrrad fährt, komme es durchaus vor, dass man über längere Strecken von Krähen verfolgt werde, so Kleewein. „Manche fliegen durchaus nahe heran und ärgern einen. Ich habe das dort schon öfter beobachtet, das verärgert die Radfahrer, als Ornithologe amüsiert mich das.“ Die Krähen meinen das nicht böse, sondern sie wissen, dass sie die Menschen etwas einschüchtern und spielen quasi. Ein Bauer habe ihm gesagt, wenn er Salat anpflanze, fliegen die Krähen dorthin und zupfen die Pflanzen wieder heraus. Das machen sie aber nur ein- oder zweimal, dann sei es nicht mehr interessant.

„Was noch vorkommen kann, ist, dass Krähen Gummidichtungen beim Auto herausziehen. Das sind zum Glück Ausnahmen, wie auch das Herausziehen von Fensterdichtungen. Das ist Spaß für sie, nicht aber für die Menschen.“

Spiegeltest fürs Ich-Bewusstsein

Krähen oder Rabenvögel haben ein Ich-Bewusstsein, so Kleewein. „Das haben sonst nur Primaten, also Menschenaffen oder auch Delphine.“ Man mache dazu einen Versuch, in dem man dem Vogel einen Spiegel vorsetze, sagte Kleewein. Der Vogel betrachtet sich im Spiegel. Dann platziere man einen roten Punkt auf der Stirn des Vogels und halte ihm den Spiegel wieder vor. Der Vogel wische dann den Punkt weg. Ihm ist bewusst, dass er sich selbst sieht und dass sich an seinem Erscheinungsbild etwas verändert hat. Diesen Test macht man auch mit Kleinkindern, um zu testen, ob ihnen klar ist, dass der Mensch im Spiegel sie selbst sind. Beim Menschen ist das etwa zwischen dem 18. und 24. Lebensmonat der Fall.

Krähen sind sogar noch schlauer als bisher gedacht

Aber Krähen können weit mehr als nur Menschen ärgern. Die Fähigkeit, Werkzeuge aus verschiedenen Komponenten herzustellen, ist laut Anthropologen ein wichtiger Schritt in der Evolution des menschlichen Gehirns. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass Verbundwerkzeuge erst spät in der kulturellen Entwicklung des Menschen aufgetaucht sind und möglicherweise mit der Entstehung von komplexem Bewusstsein und Sprache einhergehen.

Sie zu bauen setzt also eine enorme kognitive Leistung voraus, zu der auch Krähen fähig sind, wie ein internationales Team von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Ornithologie im bayerischen Seewiesen und der Universität Oxford herausgefunden hat. Demnach können Geradschnabelkrähen mehrere, für sich alleine zu kurze Elemente kombinieren, um an einen Leckerbissen heran zu kommen – eine Fähigkeit, die bisher nur bei Menschen und Menschenaffen beobachtet wurde. Die Krähen können also neuartige Probleme schnell und flexibel lösen. Welche Vorgänge dabei im Gehirn ablaufen, ist jedoch noch unklar.