Eilmeldung

Eilmeldung

20.11. UNICEF-Weltkindertag: Wie steht es um die Kinder?

20.11. UNICEF-Weltkindertag: Wie steht es um die Kinder?
Copyright
REUTERS/Mohamed al-Sayaghi/File Photo
Schriftgrösse Aa Aa

Der 20. November ist der Tag, an dem die Vereinten Nationen 1989 die Kinderrechtskonvention verabschiedeten. Seitdem wird der Tag jedes Jahr als Internationaler Tag der Kinderrechte gefeiert.

Das Internationale Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) hat sich zum Ziel gesetzt, eine Welt zu schaffen, in der jedes Kind das Recht auf grundlegende menschliche Bedürfnisse wie Freiheit, Nahrung, Wasser, Unterkunft und Bildung wahrnehmen kann.

UNICEF arbeitet in 190 Ländern mit dem vorrangigen Ziel, Kinderleben zu retten und ihre Rechte zu verteidigen. Aufgrund zahlreicher humanitärer Krisen leben weltweit Millionen von Kindern unter unvorstellbaren Bedingungen. Doch es gibt auch positive Tendenzen.

Kindersterblichkeit

Die Kindersterblichkeit bei Kindern unter fünf Jahren hat sich laut einem Bericht der Inter Agency Group der Vereinten Nationen zwischen 1990 und 2016 halbiert. Trotz der Fortschritte bleibt noch viel zu tun, um das Wohlergehen von Kindern, besonders in Konfliktgebieten, zu gewährleisten.

Allein 2017 starben schätzungsweise 6,3 Millionen Kinder und Jugendliche, meist an vermeidbaren Ursachen, schlussfolgert dieser Unicef-Bericht.

Der Tod der meisten Kinder hätte leicht vermieden werden können, wenn die Kinder Zugang zu Medikamenten und sauberem Wasser gehabt hätten.

Seit 2015 bekämpft eine von Saudi-Arabien geführte Koalition die Houthis im Jemen, ihr gehören Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Ägypten, Marokko, Jordanien, Sudan und Senegal an. Unzählige Luftangriffe verwüsteten das Land. Die Leidtragenden sind vor allem Kinder, denen jegliche Lebensgrundlage entzogen wird. Dieser andauernde Konflikt wird von Experten als schwerste humanitäre Krise der Welt bezeichnet.

"Kinder haben in mehr als drei Jahren Konflikt sehr gelitten - mindestens 6.000 wurden bei den Kämpfen getötet oder schwer verletzt, während über 11 Millionen Menschen humanitäre Hilfe benötigen, um zu überleben", sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore.

Lebensmittel

Konflikte wie im Jemen töten Kinder nicht nur durch beispiellose Gewalt, sondern auch durch Hungersnöte. Die dürften in den kommenden Jahren noch steigen. Schon 2017 hatten rund 821 Millionen Menschen - jeder Neunte - nicht genug zu essen, wie der UNICEF-Bericht enthüllt. Zudem waren Kinder in den vergangenen drei Jahrzehnten zunehmend klimabedingten Katastrophen und Extremen ausgesetzt. Der Bericht fordert auch genauere Daten über Kinder, Ernährung, Hunger und Ernährungsunsicherheit, damit kein Kind auf der Strecke bleibt.

Trinkwasser

Die Verfügbarkeit von sauberem Wasser ist ein wichtiger Faktor für die Gesundheit von Kindern weltweit. Alle zwei Minuten stirbt statistisch ein Kind an einer durch verschmutztes Wasser hervorgerufenen Krankheit, so die Organisation water.org.

Bis zu 844 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser und 2,3 Milliarden Menschen haben keine Toilette. Der fehlende Zugang zu sauberem Wasser oder sanitären Einrichtungen trägt zudem zur Ausbreitung von Infektionen und durch Wasser übertragenen Krankheiten bei, die jedes Jahr fast eine Million Menschenleben fordern.

Ausbildung

Der Zugang zur Bildung ist in vielen Länder Afrikas nach wie vor eine große Herausforderung.

Im Tschad ist die Zahl der Kinder, die bildungsfern leben, besonders hoch. Viele sind vor der Gewalt in der Region geflohen. Mehr als 1.000 Schulen und Bildungseinrichtungen für 3,5 Millionen Kinder bleiben geschlossen - eine Zahl, die der Gesamtbevölkerung Uruguays entspricht.

Unterbringung

Humanitäre Krisen mit Kindern als Notleidenden sind nicht nur in den Ländern des Südhalbkugel zu beobachten. Laut der Wohnungslosenhilfe e.V. gibt es in Deutschland schätzungsweise 32.000 obdachlose Kinder. Tendenz steigend, auch in Europa. Der Bericht der europäischen Hilfsorganisation FEANTSA aus dem Jahr 2018 bestätigt, dass Obdachlosigkeit in jedem Land der EU mit Ausnahme von Finnland auf dem Vormarsch ist. So gab es beispielsweise in Schweden zwischen 2011 und 2017 einen Anstieg der Kinder in Notunterkünften um 60 Prozent, so der Bericht.

Die Organisation forderte die EU Staats- und Regierungschefs auf, in die Bekämpfung der Obdachlosigkeit zu investieren, das Problem genauer unter die Lupe zu nehmen und sie bis 2030 komplett zu beseitigen.

Freiheit

Mehr als 14.000 Immigrantenkinder sitzen nach Berichten der Washington Post in US-Haft - so viele wie nie zuvor.

Im Vorfeld des heutigen Weltkindertages forderte Amnesty International, dass alle festgehaltenen Kinder und ihre Familien, die derzeit im in Dilleys Family Residential Center - dem größten Gefangenenlager für Einwanderer in den Vereinigten Staaten leben - freigelassen werden. Zudem sollten die USA ihren Plan zur Erweiterung der Familiengefängnisse beenden. In dem Zentrum im Süden von Texas leben Hunderte Menschen, es hat eine Kapazität von derzeit 2.400 Betten.

"Der Weltkindertag sollte ein Tag für jedes Kind sein, an dem es seine Rechte geltend machen kann", sagte Margaret Huang, Geschäftsführerin von Amnesty International in den USA. "Alle Kinder verdienen es, sicher und geschützt zu sein, bei ihren Eltern und ihren Familien zu leben und ihren Stimmen Gehör zu verschaffen. Stattdessen werden Kinder mit ihren Familien in den Vereinigten Staaten hinter Gitter gesperrt, auf unbestimmte Zeit. Sie wissen nicht, was als nächstes mit ihnen passieren wird."

Huang erklärte weiter, dass die Vereinigten Staaten es versäumt hätten, die Rechte der Kinder zu schützen. Sie weigerten sich, das Beste für Kinder zu tun und verfolgten weiterhin eine grausame Hass-Politik.

Human Rights Watch (HRW)

Bede Sheppard, stellvertretende Direktorin für Kinderrechte bei Human Rights Watch (HRW), sagte Euronews, dass es 2018 sowohl gute als auch schlechte Nachrichten für Kinder weltweit gebe.

Die Zahl der Kinder, die durch Kinderarbeit ausgebeutet werden ist seit dem Jahr 2000 um mehr als ein Drittel gesunken, von geschätzten 245 Millionen auf heute rund 152 Millionen. Ermutigend für das HRW sei auch die steigende Zahl der Länder, die Kinderehen verbieten, sowie die verstärkte Rechenschaftspflicht für kriegsführende Parteien, die Kindersoldaten einsetzten.

"Weltweit gibt es viele positive Trends für Kinder, aber wir sollten uns nicht von den schrecklichen Umständen blenden lassen, in denen viel zu viele Kinder auf der ganzen Welt leben müssen", sagte Sheppard gegenüber Euronews. "Zum Beispiel sehen Hunderttausende von Rohingya-Kindern, die 2017 vor Gräueltaten der staatlichen Sicherheitskräfte in Myanmar geflohen sind, jetzt einer ungewissen Zukunft in Lagern in Bangladesch entgegen", fuhr Sheppard fort, "Im Jemen hungern und sterben Kinder an vermeidbaren Krankheiten, in Syrien werden immer noch Kinder für den Kampf angeworben, und in Europa wird Tausenden von asylsuchenden Kindern ihr Recht auf Bildung verweigert und der Zugang zur Gesundheitsversorgung auf den griechischen Inseln verwehrt".