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Zentralafrikanische Republik: "Der gefährlichste Ort der Welt für Kinder"

Zentralafrikanische Republik: "Der gefährlichste Ort der Welt für Kinder"
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Seit sechs Jahren kämpfen muslimische und christliche Milizen in der Zentralafrikanischen Republik um Rohstoffe und Weidegebiete. Ein großer Teil der Bevölkerung ist auf der Flucht. NBC-Reporterin Cynthia McFadden war mit UNICEF in dem vom Bürgerkrieg zerrissenen Land unterwegs.

"Das ist der gefährlichste Ort der Welt für Kinder", sagt Caryl Stern, UNICEF-Chefin USA.

Cynthia McFadden: "Schlimmer als in Syrien?"

Caryl Stern: "Hier ist es am schlimmsten, weil mehrere Faktoren zusammenkommen, der Konflikt und die Gewalt, die hier herrscht, verhindern, dass Vorräte durchkommen. Deshalb gibt es eine alarmierende Unterernährungsrate. Zwei von drei Kindern in diesem Land benötigen humanitäre Hilfe."

Aber diese Hilfe zu leisten, ist gefährlich: Im vergangenen Jahr gab es 396 Angriffe auf Helfer.

"Hier gilt nicht mehr, man trägt den blauen Helm und ist sicher. Menschen, die ihr Leben der Rettung von Kindern widmen, werden bei ihrer Arbeit angegriffen", so Stern.

UNICEF arbeitet an vorderster Front, wir sind mit der Chefin der USA-Sektion von UNICEF Caryl Stern unterwegs: "Wir sind im einzigen Kinderkrankenhaus des Landes." Oberschwester Anne Yadilbert arbeitet seit 25 Jahren in der Klinik. Dort wird kein Kind abgewiesen. Es gibt keinen anderen Ort, wo Kinder behandelt werden. Wie viele Andere hier ist Colette ein Waise.

Die NBC-reporterin: "Diese Siebenjährige wiegt wie viel?" Die UNICEF-Chefin sagt: "Sie wiegt 14 Kilo, das sind 28 Pfund." Wir treffen die kleine Ma Jolie, sie ist sechs und nah am Tod. "Ohne Hilfe wird dieses Kind sterben", meint Caryl Stern.

Ein großer Teil der Bevölkerung ist auf der Flucht

Wir verlassen die Hauptstadt, im übrigen Land sollen noch schlimmere Zustände herrschen: Fast 80 Prozent des Landes werden von 14 bewaffneten Gruppen kontrolliert. In den vergangenen Jahren wurden über eien Million Menschen zur Flucht gezwungen. Die Menschen können oft nicht mehr mitnehmen, als sie auf dem Leib tragen.

Zusätzlich zur humanitären Krise befürchten Experten, dass die von "America First" bestimmte Außenpolitik Donald Trumps die USA dazu bringen könnte, die finanzielle Hilfe hier im Land zu stoppen. Amerika ist einer der größten Geldgeber: 120 Millionen Dollar im vergangenen Jahr:

"Es ist ein schwaches Land in einer unglaublich wichtigen Gegend. Gerade deswegen liegt es an uns, hier präsent zu bleiben, aufgrund der Lage und der vorhandenen Ressourcen", so David Brownstein, US-Handelsbeauftragter Zentralafrikanische Republik.

Reiches armes Land

Das Land reich an Bodenschätzen wie Diamanten, Gold und Uran hat die Aufmerksamkeit von China und Russland auf sich gezogen. Der höchste Sicherheitsberater des Landes ist ein Russe. Und Russland schickt sowohl Waffen als auch militärische Ausbilder ins Land, um Regierungstruppen auszubilden. Dazu kommt ein weiteres Problem:

"Die Terrormiliz IS nutzt die Vorteile der Sicherheitslücken, der schwachen Regierung, sie kann potenziell das Land besetzen. Wir müssen alle Lücken füllen, für Frieden in Ostafrika brauchen wir Frieden in der Zentralafrikanischen Republik", so Brownstein.

Trotz eines seit kürzlich in Kraft getretenen Grundlagenabkommens gibt es noch keinen Frieden. Hoffnung an einer anderen Front bringt ein kleines rot-silber verpacktes Produkt:. Laut UNICEF bestimmt es über Leben und Tod: Eine energiereiche Paste aus Erdnussbutter angereichert mit Vitaminen:

"Sie muss weder gekühlt noch zubereitet werden, die Mutter reißt einfach die Packung auf und die Kinder essen selbstständig, und sie scheint ihnen zu schmecken", so die UNICEF-Chefin.

Spenden geben eine Chance auf Leben

Im vergangenen Jahr kämpfte UNICEF darum, die Hälfte der nach ihrer Aussage benötigten Mittel aufzutreiben. Was passiert, wenn die Organisation nicht genügend Geld hat?
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"Kinder sterben. Das ist die Antwort. UNICEF wird so viel wie möglich in jedem Winkel des Landes tun. Aber wir können nur so lange helfen, so lange unsere Spenden reichen"_, so Stern.

Spenden von denen Kinder wie Ma Jolie profitieren: In nur drei Tagen sorgte die Energiepaste für einen großen Unterschied: Das Mädchen sitzt und isst jetzt selbstständig.

NBC: "Diese Kinder würden sterben, wenn es Sie, dieses Krankenhaus, UNICEFnicht gäbe."

"Wenn es am Morgen beim Mitarbeitertreffen heißt, kein Kind ist in der Nacht gestorben, danken wir Gott dafür", so die Oberschwester Anne Yadilbert.

Laut den Ärzten würden die Kinder ohne die Energiepaste nicht überleben. Plumpy Nut gibt ihnen die Nährstoffe für einen ganzen Tag: "Eine Chance auf Leben, die es sonst nicht geben würde", so Stern.

Allein 1,5 Millionen Kinder brauchen Hilfe in der Zentralafrikanischen Republik.