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EU-Bürger in Großbritannien: „Plötzlich Außenseiter"

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EU-Bürger in Großbritannien: „Plötzlich Außenseiter"

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In London wird demonstriert - gegen die Austritt des Landes aus der Europäischen Union. Euronews-Reporter Damon Embling berichtet: „Der Druck auf Theresa May nimmt zu, und die Proteste gegen den britischen EU-Austritt vor dem Parlamentsgebäude hier in der Innenstadt von London gehen weiter. EU-Bürger, die in Großbritannien leben und arbeiten, machen sich zusehends Sorgen über das, was am Ende dieses politischen Durcheinanders mit ihnen geschehen wird."

Susanne Sahmland ist deutsche Staatsbürgerin, lebt aber seit 35 Jahren in Großbritannien. Sie arbeitete lang als Lehrerin und mittlerweile als Hochschuldozentin. Was der Austritt des Landes aus der Europäischen Union für die Mutter von drei Kindern bedeuten wird, darüber rätselt sie. Ein gutes Gefühl hat sie dabei nicht.

„Ich fühle mich der Gesellschaft hier zugehörig und engagiere mich. Ich singe im Kirchenchor. Es macht mich sehr traurig, dass ich plötzlich zur Außenseiterin werde", sagt Sahmland.

Sahmlands Sohn Frederik Bowling meint: „Ehrlich gesagt: Wenn man sich zuletzt die Nachrichten angeguckt hat, klang das sehr danach, dass es gar nicht zum EU-Austritt kommen wird. Darauf hoffe ich."

Die britische Premierministerin Theresa May betont immer wieder, dass sich die Möglichkeiten von Bürgern anderer europäischer Länder, sich auf der Insel niederzulassen, mit dem Ende der EU-Mitgliedschaft deutlich verringern werden. „Sobald wir die EU verlassen haben, bestimmen wir, wer herkommt. Es wird nicht mehr so sein, dass sich Bürger aus EU-Ländern unabhängig von ihren Fähigkeiten oder ihrer Arbeitserfahrung gegenüber einem Ingenieur aus Sydney oder einem EDV-Entwickler aus Delhi vordrängen können", so May in einer Rede.

Solche Aussagen der Premierministerin hören Susanne Sahmland und ihre Söhne gar nicht gern. Samson Sahmland-Bowling meint: „Ich weiß, dass meine Mutter Deutsche ist, doch sie hat nicht mal einen deutschen Akzent, finde ich. Zu hören, dass sie plötzlich eine Ausländerin sein soll und dass sie all das tun soll, was Theresa May da behauptet, ergibt doch gar keinen Sinn."

Euronews-Reporter Damon Embling fragt: „Theresa May spricht hier einen wunden Punkt an, nicht wahr? Sie bedient den Willen der Menschen, die für den EU-Austritt gestimmt haben."

„Das ist ungerecht, denn ich lebe seit 35 Jahren hier und trage ja auch seit langer Zeit etwas zu diesem Land bei", so Susanne Sahmland. „Die EU-Bürger, die hier leben, sind Einwohner dieses Landes. Nach 35 Jahren kann man nicht plötzlich sagen: Bitte gehen Sie jetzt!", sagt sie.

Wieder mehr Kontrolle über das eigene Land zu haben, ist ein Argument, das viele Brexit-Befürworter vorbringen. Für Menschen wie Susanne Sahmland, die aus einem anderen EU-Land stammen, aber seit Jahren oder gar Jahrzehnten in Großbritannien leben, ist das mit Unsicherheit verbunden.