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Wird Marsrover Bruno Leben auf dem roten Planeten finden?

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Wird Marsrover Bruno Leben auf dem roten Planeten finden?

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Bei der ExoMars-Mission, die nach Leben auf dem roten Planeten sucht, wächst die Spannung: Denn bereits der erste Satellit dieses europäisch-russischen Projekts entdeckte viel mehr Wassereis knapp unter der Marsoberfläche, als irgendjemand erwartet hatte. Jetzt arbeiten die Ingenieure fieberhaft daran, den Rover rechtzeitig zum Start im Jahr 2020 fertigzustellen.

Euronews-Reporter Jeremy Wilks: _"Hallo und willkommen bei Space hier von der Marsoberfläche aus, oder zumindest so nah, wie man sie von der Erde aus erreichen kann. Ich habe mich in Großbritannien und Belgien mit Wissenschaftlern und Ingenieuren getroffen, die an der ExoMars-Mission arbeiten - eine europäisch-russische Initiative, um nach Leben auf dem Roten Planeten zu suchen. Sehen wir uns an, wie weit sie sind."
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Bruno - der Marsrover, der nach Leben suchen soll

Bruno, der Marsrover, ist eine sechsrädrige Maschine mit einer Höchstgeschwindigkeit von zwei Zentimetern pro Sekunde und der Fähigkeit, auf dem Mars halbautonom zu fahren. Er ist das Testfahrzeug für Airbus-Ingenieure, die den ersten Rover bauen, der auf dem Mars nach Leben suchen soll:

"So wie Bruno wird der ExoMars-Rover aussehen. Er hat alle Sensoren und Antriebe, die den Rover halbautonom machen, angefangen mit diesen beiden Kameras an der Spitze des Mastes - sie ermöglichen es dem Rover, in 3D zu sehen, so wie wir es tun, und die Felsen und Hänge vor sich zu identifizieren, und dann zu analysieren, ob sie außerhalb seiner Möglichkeiten liegen", sagt Paul Meacham, leitender Systemingenieur bei Airbus.

2021 soll der Rover auf dem Mars landen: Er kann bis zu zwei Meter tief bohren und die Proben im bordeigenen Labor verarbeiten. Seine Einzigartigkeit stellt die Ingenieure vor große Herausforderungen, wie Paul Meacham erklärt:

"Diese Räder aus Metall sind ein wichtiger Teil des Fortbewegungssystems. Wir dürfen keinen Gummi verwenden, weil es sich um ein organisches Material handelt. Wenn wir versuchen, Leben auf dem Mars zu entdecken, wollen wir nicht etwas nachweisen, was wir mitgebracht haben. Stattdessen müssen wir ein Metallrad mit Gummieigenschaften entwickeln, diese Weichheit und das ist genau das, was diese Metallräder haben."

Der echte Rover wird in diesem eigens dafür gebauten sterilen Raum in Stevenage bei London gebaut. Alle Komponenten und Instrumente, die aus wissenschaftlichen Laboren in ganz Europa kommen, werden dort erst sterilisiert und dann montiert:

"In diesem kleinen quadratischen Panel, das man dort hinten sieht, steckt die gesamte Elektronik des Servicemoduls des ExoMars-Rovers, alles wird in diesem speziell für die Exo-Marsmission gebauten Raum zusammengebaut. Wenn es Leben auf dem Mars gibt, werden wir es hoffentlich mit dieser Mission entdecken", so Javier Pérez Mato, leitender Integrationsingenieur für Avionik bei Airbus.

Keine organischen Spuren dürfen auf den Mars gelangen

Von der Erde dürfen keine organischen Spuren auf den Mars gelangen, deshalb muss der Rover klinisch sauber sein:

"Es gab viele verschiedene Herausforderungen, die Werkzeuge und die Geräte müssen steril sein, und die ganze Einrichtung hier ist so aufgebaut, dass die Elektroingenieure am Rover arbeiten können, ohne den sterilen Raum betreten zu müssen, denn es ist ein großer Aufwand, Schutzanzüge anzuziehen, um dort reinzugehen", so Abby Hutty, ExoMars-Delivery Manager bei Airbus.

Die gemeinsame ESA-Roskosmos-Mission schickte bereits 2016 den ExoMars Trace Gas Orbiter (TGO) zum Mars. Seit April dieses Jahres ist er vor Ort in Betrieb, untersucht das Methan in der Marsatmosphäre auf biologische Spuren und macht Bilder von der Oberfläche.

Bei Treffen u.a. in Belgien wählte das Wissenschaftlerteam den Landeplatz für die zweite ExoMars-Mission aus: Der Rover soll die Oxia-Planum-Zone erkunden, eine Ebene und ehemaliger See in der Nähe des Äquators:

"Oxia Planum ist wirklich einer der interessantesten Landeplätze für den Rover. Insbesondere hoffen wir auf die Bohrproben des Oberflächen- und Untergrundmaterials, die wir dort sammeln und analysieren. Außerdem ist es ein ziemlich sicherer Landeplatz, denn wir wissen, dass die Oberfläche dafür geeignet ist. Die Ebene liegt ziemlich tief, d.h. das Raumschiff durchfliegt mehr Atmosphäre und hat mehr Zeit, um abzubremsen und zu reagieren, bevor es landet", sagt Håkan Svedhem, ExoMars-TGO-Projektwissenschaftler bei der ESA.

Die russische Komponente der Mission ist die Landeplattform, die den ExoMars-Rover tragen wird. Die Plattform sollte mit Messinstrumenten für die Marsatmosphäre ausgerüstet werden:

"Zweifellos ist der Start im Juli 2020 ein recht ehrgeiziges Ziel, denn mit der Entwicklung der wissenschaftliches Ausrüstung der Landeplattform wurde sehr viel später angefangen als mit der Entwicklung der übrigen Ausrüstung des Rovers", so Daniel Rodionov, ExoMars-Projektwissenschaftler am russischen Weltraumforschungsinstitut.

Unser Wissen über den Mars wächst schnell

Die bisherigen Erkenntnisse aus der Marsmission brachten erstaunliche Ergebnisse: Der rote Planet ist weitaus vielfältiger als erwartet, wie diese Bilder der Schweizer CaSSIS-Kamera vom ExoMars Trace Gas Orbiter zeigen. An vielen Stellen entdeckten die ESA-Wissenschaftler Wassereis direkt unter der Oberfläche:

"Wasser auf dem Mars gibt es nur unterirdisch. Wir haben keine oberirdischen Seen gefunden. Wasser gibt es in gefrorenem Zustand, d.h. es gibt Eis unter der Oberfläche. Flüssiges Wasser wurde schon immer als Voraussetzung für Leben angesehen. Es bedeutet nicht unbedingt, dass es dort Leben gibt, aber es ist eine Zutat, die man für Leben brauchen würde", so Håkan Svedhem.

Unser Wissen über den Mars entwickelt sich rasant. Glauben die Wissenschaftler, dass sie mit der ExoMars-Mission Leben oder Spuren von Leben auf dem Planeten entdecken werden?

Daniel Rodionov sagt: "Ja, natürlich hoffe ich, dass ExoMars Spuren von organischen Verbindungen auf der Marsoberfläche finden wird. ExoMars ist die Mission, die das herausfinden sollte, sie wurde dafür entwickelt."

Auch Abby Hutty ist zuversichtlich: "Ich denke, wir haben die bestmöglichen Instrumente an Bord, um dort nach Leben zu suchen. Wichtig ist, dass wir den Bohrer haben, um tatsächlich in die Tiefe gehen zu können, denn wenn, dann würde man unter der Oberfläche Leben oder Spuren von Leben finden. Das ist das Entscheidende, was noch nie jemand zuvor gemacht hat."

Geplant ist, dass der ExoMars-Rover eine Erkundungsfahrt von rund vier Kilometern und mindestens sechs Bohrungen in zwei Meter Tiefe machen soll. Wenn man etwas findet, wie würde es aussehen? Paul Meacham meint:

"Eher nicht die kleinen grünen Männchen. Wahrscheinlich werden es Bakterien sein, denn man findet sie an den unwirtlichsten Orten der Erde. Bakterien sind die widerstandsfähigste Lebensform, die wir kennen. Es ist also ziemlich wahrscheinlich, dass wir diese Art von Leben unter der Marsoberfläche finden werden."

Die Landung auf dem Mars ist für März 2021 geplant - dann wissen wir mehr.

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