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Die Daheimgebliebenen: Wenn die Schule zum Horror wird

Die Daheimgebliebenen: Wenn die Schule zum Horror wird
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Der tägliche Horror: Für gar nicht mal wenige Kinder und Jugendliche ist der Schulbesuch nicht nur unangenehme Routine, für sie ist er die Hölle. "Wenn ich es nicht mehr ausgehalten habe, habe ich plötzlich angefangen zu weinen", beschreibt der Jugendliche Markus Hellström aus Stockholm seinen früheren Schulalltag, "ich kam mit nichts mehr klar, das war ganz schwer. Einmal wollte ich mich in einer Schulstunde fünfzehn Mal übergeben. Aber der Lehrer hat nur gesagt, versuche, es noch etwas auszuhalten."

Markus Hellström hat eine Form des Autismus. An der schule fühlte er sich gemobbt, schließlich blieb er daheim. So wie mehr als 1600 andere Schulpflichtige in Schweden. "Hemmasittare", die Daheimbleibenden, nennt man die, die aus völlig unterschiedlichen Gründen die Schule verweigern. Tendenz: nicht sinkend.

Absturz binnen zwei Monaten

Markus erzählt, er habe sich immer nur mit Erlaubnis aus der Schule entfernt. Seine Mutter, Ellinor Tonner Kennerö, berichtet, sie habe ihren Sohn immer wieder abholen müssen: "Er hat die Schule mitten unterm Tag verlassen, ist verschwunden, ging nach Hause. Am Ende hat er die Schule total verweigert. Das ging so schnell: binnen zwei Monaten vom normalen Kind zu jemandem, der nicht mehr leben wollte."

Das war der Punkt, an dem die Familie beschloss, etwas zu ändern. Die Lösung war ein Wechsel auf die Blommensberg-Schule. Eine normale Schule, aber dort hat man schon früh das Problem der Hemmasittare erkannt und daran gearbeitet.

"Uns kontaktieren auch Eltern, die nicht aus der Gegend sind, aber möglicherweise durch Freunde erfahren haben, dass einem hier geholfen wird", sagt Vizerektorin Maria Rosell. Die Schule erhalte viele Anrufe und E-Mails aufgrund ihrer Reputation.

Kleine Klassen, viel Ruhe, so beschreibt Markus sein neues Schulleben. An der Blommensberg-Schule dürfen sich die Schüler auch mal vom Unterricht zurückziehen, wenn es ihnen zu viel wird. Hier, so scheint es, machen auch Markus das Lernen und das Leben wieder Freude. Rückblickend sagt er, es wäre früher manchmal besser gewesen, zu ignorieren, was der Lehrer von einem denkt. Wenn man sich schlecht fühlt, solle man nach Hause gehen, egal, was der Lehrer davon hält.