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Britische Mediziner stehen vor Sensation in der Aids-Forschung

Britische Mediziner stehen vor Sensation in der Aids-Forschung
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Es könnte eine Sensation in der Wissenschaft sein: Britische Ärzte des University College London gehen davon aus, dass es einen zweiten Patienten gibt, der gegen das HI-Virus resistent ist. Das geht aus einem Artikel hervor, den sie in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht haben.

Der HIV-Patient wäre so mit Hilfe einer besonderen Therapie geheilt worden. Bei dem vormals Infizierten sind 34 Monate nach einer speziellen Knochenmarktransplantation keine Viren mehr nachweisbar. Sollte der Aidserreger nicht zurückkehren, wäre er erst der zweite Patient weltweit, der als von HIV geheilt gilt.

Berliner Patient gegen HIV resistent

Seit 2008 galt der sogenannte "Berliner Patient" als erster und bisher einziger Mensch, bei dem das HI-Virus nicht mehr nachgewiesen werden konnte. Möglich wurde dies durch eine Knochenmark-Transplantation eines HIV-resistenten Spenders.

Für Professor Ravindra Gupta, leitender Wissenschaftler am University College London, sei es ein unwahrscheinliches Ereignis, einen Spender zu finden, der nicht nur zur DNA eines mit dem HI-Virus infizierten Menschen passt, sondern auch zwei gelöschte oder mutierte Kopien des sogenannten CCR5-Gens hat. Deshalb sei dies nicht häufiger beobachtet worden.

Hilfe durch Knochenmarkspende

Dem HIV-infizierten Patienten waren blutbildende Stammzellen transplantiert worden, weil er an einer Art von Lymphdrüsenkrebs litt. Das Besondere daran: Der Spender hat in seinem Erbgut eine sehr seltene Mutation, die ihn immun gegen bestimmte Formen des HI-Virus macht. Davon profitierte nun auch der Patient. Mehr als ein Jahr nach der Transplantation setzte er die Medikamente ab, die die Vermehrung des HI-Virus unterdrücken. In der folgenden Zeit war der Erreger noch immer nicht bei ihm nachweisbar.

Für die Londoner Professorin für HIV-Medizin, Sarah Fidler, ist dieser zweite Patient nun ein besonderes Ereignis für die Wissenschaft. Denn die Idee, HIV loszuwerden, ein Virus, das sich in unser eigenes Erbgut einbettet, sei extrem schwierig, es komme sehr selten vor. Dieser Fall sei ein sehr interessanter wissenschaftlicher Befund, es sei wichtig, diese Informationen jetzt öffentlich zu diskutieren.

Timothy Ray Brown, der erste Mensch, der von HIV geheilt wurde, möchte dem Londoner Patienten Mut machen.

Er würde ihn gerne kennenlernen und ihm sagen, dass er sich Zeit nehmen soll. Wenn er damit an die Öffentlichkeit gehen will, soll er dies ruhig tun. Das wäre sehr gut für die Wissenschaft, und er könnte den Menschen, die mit HIV leben, eine neue Hoffnung geben. Deshalb möchte er ihn ermutigen, das eines Tages öffentlich zu machen.

Die Ärzte in London hatten den neuen Fall nach dem gleichen Prinzip behandelt, wie beim Berliner Patienten. Von einer Heilung wollen sie jedoch noch nicht sprechen. Die Therapie käme zudem nur für eine sehr kleine Zahl von HIV-infizierten Menschen in Frage.

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