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Politiker Ungarns: "Zu viel Gleichheit könnte bedeuten, dass man die Weiblichkeit verleugnet"

Der stellv. Ministerpräsident Zsolt Semjén (KDNP)
Der stellv. Ministerpräsident Zsolt Semjén (KDNP) -
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MTI/Koszticsák Szilárd
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Den Internationalen Frauentag nutzten zahlreiche Mitglieder der ungarischen Regierung – beinahe ausschließlich Männer –, um den Frauen auf ihre ganz eigene Weise zu gratulieren. Nachlesen kann man das in einer Broschüre von der ungarischen Familienorganisation Club für junge Familien (FICSEK), die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Darin geht es um Themen, die Frauen betreffen – wie etwa die Gleichstellung der Geschlechter.

Etwa schrieb der stellvertretende Ministerpräsident der Orban-Regierung, Zsolt Semjén, er sei davon überzeugt, Frauen seien als Mütter vorgesehen. Im Wortlaut heißt es, dass "die Heilige Schrift und die 2000 Jahre alten Lehren der Kirche (....) deutlich auf die Lebensaufgaben von Männern und Frauen hinweisen – ihren sichersten Weg zur Erfüllung." Und weiter:

Nach unserem Glauben führt dieser Weg für die Frauen durch das Wunder der Mutterschaft, das eine unvergleichliche Rolle im Geheimnis der Schöpfung darstellt.
Zsolt Semjén
stellvertretender Ministerpräsident Ungarns

Die Broschüre wurde von Nyitrai Zsolt, dem stellvertretenden Bürgermeister von Újbuda und Abgeordneten der regierenden Fidesz-Partei, vorgestellt und enthält Botschaften von ungarischen Prominenten, die ungarischen Frauen einen glücklichen Internationalen Frauentag wünschen.

Auf den ersten 50 der insgesamt 168 Seiten der Broschüre finden sich nur Worte Politikern der Fidesz-Partei und der christdemokratischen Volkspartei. Und sie transportieren deutlich, wie konservativ viele von Ihnen die Rolle der Frauen sehen. Hier ein paar Beispiele:

Mihály Varga, der Finanzminister in Ungarn, sprach von sanften Gefühlen in den Herzen der Frauen.

Der größte Teil der unsichtbaren Arbeit wird von Frauen ausgeführt. Sie handeln aus den sanften Gefühlen in ihrem Herzen, ohne irgendeine Entschädigung zu erwarten, denn so empfinden sie es, ist es richtig.
Mihály Varga
Finanzminister

Ein weiteres Mitglied der Fidesz-Partei und Bürgermeister des Budapester Bezirks Csepel, Lénárd Borbély, forderte die Männer auf, ihre Weiblichkeit stärker zu nutzen.

Ich wünschte, jeder Tag würde zu einem echten Fest der Frauen werden, nicht nur heute. […] Wir, als Männer, spielen eine sehr wichtige Rolle bei der lebendigen Weiblichkeit.
Lénárd Borbély
Bürgermeister von Csepel, Budapest

István Tarlós, Bürgermeister von Budapest, sagte, die Basis eines guten Hauses sei nicht das Land, sondern die Frau.

Es ist kein Zufall, dass das alte Sprichwort sagt. Die Grundlage eines guten Hauses ist nicht das Land, sondern die Frau.
István Tarlós
Bürgermeister von Budapest

János Latorcai, der stellvertretende Vorsitzende des Parlaments, stellte fest, dass die Gleichstellung nicht "überbetont" werden sollte, um die Weiblichkeit nicht zu überschatten.

Die Überbetonung der Gleichstellung bedeutet in vielen Fällen die Verleugnung der Geschlechter und führt letztendlich zur Ablehnung von Weiblichkeit und weiblichen Tugenden.
János Latorcai
stellvertretender Vorsitzender des Parlaments

Der stellvertretende Bürgermeister von Budapest Balázs Szeneczey sagte, er sei glücklich, ein Mann zu sein.

Die Frau ist ein Rätsel, eine unerschütterliche Motivation für Männer jeden Alters. (....) Es liegt zum Teil an den Frauen, dass ich dem guten Herrn jeden Tag danke, als Mann geboren worden zu sein.
Balázs Szeneczey
stellvertretender Bürgermeister von Budapest

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