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Wirtschaft: "Brexit"-Aufschub verschafft nur eine Atempause

Wirtschaft: "Brexit"-Aufschub verschafft nur eine Atempause
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Reuters
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Der verschobene Abschied Großbritanniens aus der Europäischen Union sorgt in der deutschen Wirtschaft nicht für Begeisterungsstürme. Dax und EuroStoxx50 drehten innerhalb kurzer Zeit ins Minus - auch wegen enttäuschender Konjunkturdaten aus Deutschland und anderen Ländern Europas.

“Die Verschiebung des Austrittsdatums um erst mal zwei Wochen verschafft der Wirtschaft einen Moment zum Durchpusten, mehr aber nicht”, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer. “Das Londoner Problem, sich endlich auf eine Brexit-Vorgehensweise zu verständigen, löst das nicht.”

Etwas optimistischer schätzt das der Verband der Chemischen Industrie (VCI) ein. “Der Aufschub eröffnet eine neue Chance, das Schreckgespenst des harten Brexit zu bannen und sich doch noch auf ein gemeinsames Abkommen zu einigen”, sagte Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann. “Beim Szenario ‘No-Deal’ verlieren beide Seiten, auch wenn unsere Unternehmen umfassende Vorbereitungen für diesen Fall getroffen haben.” Der Bankenverband BdB begrüßt, dass die europäischen Staats- und Regierungschefs das Brexit-Ruder in die Hand genommen hätten. “Die Brexit-Tragödie darf nicht zu einer unendlichen Geschichte werden”, sagte BdB-Hauptgeschäftsführer Andreas Krautscheid. “Zu viele andere wichtige Themen stehen auf der europäischen Agenda.”

Es sei richtig, dass die EU auf einer Zustimmung zum zuvor ausgehandelten Deal bestehe, bevor die Frist um noch weitere fünf Wochen verlängert werde, betonte der DIHK. “Zur jetzt verlängerten Zitterpartie gehört aber auch, dass die Gefahr eines harten Brexit sehr hoch bleibt”, mahnte Verbandswchef Schweitzer. “Ich rate meinen Unternehmerkollegen, sich hierauf weiterhin vorzubereiten.” Mit einem Handelsvolumen von 119 Milliarden Euro lag Großbritannien im vergangenen Jahr auf Rang sechs der wichtigsten Handelspartner Deutschlands.

Den meisten deutschen Unternehmen ist eine geschlossene Haltung der 27 EU-Staaten wichtiger als weitere Zugeständnisse an die ausstiegswilligen Briten. 85 Prozent sagen, dass Binnenmarkt und Zusammenhalt der EU durch den Brexit-Deal nicht gefährdet werden dürften, selbst wenn der eigene Handel mit Großbritannien Schaden nimmt. Das geht aus einer DIHK-Umfrage unter knapp 1.800 Unternehmen hervor.

Die EU-27 und die britische Regierung hatten sich am Donnerstagabend auf eine Doppelstrategie beim Brexit geeinigt und damit einen ungeregelten EU-Austritt des Landes am 29. März verhindert. Sollte das britische Parlament kommende Woche dem ausgehandelten Austrittsvertrag noch zustimmen, soll es eine Verschiebung des Brexit-Datums bis zum 22. Mai geben. Lehnt das Unterhaus den Vertrag jedoch erneut ab, soll es eine Verlängerung bis zum 12. April geben.

Am härtesten würde ein "No-Deal-Brexit" die Briten selbst treffen, dann gleich die anderen Europäer, schätzt die Bertelsmann-Stiftung. Auf Großbritannien kämen Einkommensverluste von 57 Milliarden Euro pro Jahr zu, schätzt die Stiftung. Die Europäer, ohne Großbritannien, müssten bei einem harten Brexit Einkommensverluste von 40 Milliarden Euro pro Jahr hinnehmen.

su