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Video | Großbritannien und die EU: Diese Beziehung war schon immer schwierig

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Wer denkt, dass der Brexit der Anfang der Reibereien zwischen Großbritannien und der EU war, der liegt weit daneben. Die Geschichte der beiden war von Beginn kompliziert. Das sind die wichtigsten Daten vom Beitritt Großbritanniens im Jahr 1972 bis zum ersten Referendum im Jahr 1975, bei dem zum ersten Mal über einen Ausstieg abgestimmt wurde.

1963 und 1967 – Großbritannien kämpft für den Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft

Bevor das Bündnis Europäische Union hieß, gab es die Europäische Gemeinschaft (EG). Sie bestand aus drei internationalen Organisationen, die von den gleichen Institutionen regiert wurden.

Als das Vereinigte Königreich beitreten wollte, war das kein einfaches Unterfangen. Erste Beitrittsersuche wurden 1963 und 1967 vom damaligen französischen Präsidenten Charles de Gaulle abgelehnt.

Erst 1967 sagte der französische Staatschef, dass "eine Reihe von Elementen der britischen Wirtschaft, von der Arbeitspraxis bis zur Landwirtschaft", "Großbritannien mit Europa unvereinbar gemacht haben".

Der britische Premierminister Edward Heath unterzeichnet den Beitrittsvertrag im Jahr 1972.

1973 – Großbritannien wird Mitglied in der EG

Mit dem Ende der Amtszeit von de Gaulle trat Großbritannien erfolgreich der EG bei. Die Mitgliedschaft trat am 1. Januar 1973 in Kraft.

1975 – Das erste Brexit-Referendum

Mit dem Wahlversprechen, die Menschen "durch die Wahlurne" entscheiden zu lassen, ob sie in der EG bleiben wollen, entschied die Labour Partei die Parlamentswahlen 1974 für sich. Das erste Brexit-Referendum folgte 1975.

Die genaue Frage lautete: "Glauben Sie, dass das Vereinigte Königreich in der Europäischen Gemeinschaft (Gemeinsamer Markt) bleiben sollte?". 67,2 Prozent stimmten für „remain“. Das Königreich blieb Teil der Gemeinschaft.

1984 – Thatcher handelt den Briten-Rabatt aus

Die damalige britische Premierministerin Margaret Thatcher setzte sich 1984 erfolgreich für einen Rabatt ein, mit dem sich der Beitrag des Vereinigten Königreichs zum EU-Haushalt reduzierte.

Dahinter steckte ein komplizierter Finanzierungsmechanismus, mit dem sich der Nettobeitrag um 66 Prozent reduzierte.

Margaret Thatcher, britische Premierministerin von 1975 bis 1990, spricht vor der Presse über die finanziellen Beiträge des Landes an die EU.

1992 – Schwarzer Mittwoch

1990 trat Großbritannien dem Europäischen Wechselkursmechanismus (ERM) mit dem Pfund bei. Dabei handelt es sich um einen 1979 eingeführtes System, mit dem die Wechselkursschwankungen verringert werden sollte, um schließlich die Währungsstabilität in Europa zu erhöhen.

Bereits zwei Jahre später kam der Schwarze Mittwoch: Der Druck seitens der Währungsspekulanten war größer geworden. Mitglieder des Mechanismus hatten sich verpflichtet, den Wert ihrer Währung innerhalb bestimmter Grenzen zu halten. Doch das gelang Großbritannien nicht und die Regierung war gezwungen, das Pfund aus dem Programm zu nehmen.

Viele sprechen in diesem Zusammenhang von einer Katastrophe. Andere sagen, der Tag ebnete den Weg für eine wirtschaftliche Wiederbelebung.

1993 – Die Europäischen Gemeinschaften werden zur Europäischen Union

Mit der Unterzeichnung des Vertrags von Maastricht gründete sich die Europäische Union, in der auch die EG aufging. Mit dem Vertrag schloss man nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine politische Union und stärkte so auch die Zusammenarbeit in der Außen- und Sicherheitspolitik und legte den Grundstein für den Euro.

Anfang der 90er Jahre – Euroskeptizismus setzt sich in Großbritannien durch

Die UK Independence Party (UKIP) wurde 1993 gegründet, um eine euroskeptische Linie zu verfolgen, und gewann mit den Jahren an Durchschlagskraft. Bei den Europawahlen 2014 hatte sie einen wichtigen Wahlerfolg – ein Ereignis, das heute als wichtiger Faktor für die „Leave“-Kampagne vor dem Brexit-Referendum 2016 gilt. Die Euroskepsis im Vereinigten Königreich nahm weiter zu.

REUTERS/Scott Heppell
Der Brexit-Befürworter Nigel Farage bei seiner Kampagne in Hartlepool am 16. März 2019REUTERS/Scott Heppell

2016 – Briten halten das zweite Brexit-Referendum ab

Der konservative Premierminister David Cameron gab vor den Parlamentswahlen 2015 ein Versprechen ab: Wenn die Konservativen eine parlamentarische Mehrheit gewinnen würden, würde die Regierung unter anderem ein Referendum durchführen.

Und er hatte Erfolg: Die Tories gewannen die Mehrheit der Sitze im Unterhaus, und die Bürger gingen 2016 zur Wahl – dieses Mal stimmten 51,89 Prozent dafür, die EU zu verlassen.

Obwohl so ein Referendum rechtlich nicht bindend ist, löste die Regierung im März 2017 den Artikel 50 des Vertrags über die Europäische Union aus. Damit hatte das Vereinigte Königreich zwei Jahre Zeit, die EU zu verlassen.

Cutter • Thomas Duthois