Eilmeldung

Eilmeldung

Nissan wirft Ex-Konzernchef Ghosn aus dem Verwaltungsrat, Ehefrau bittet Frankreich um Hilfe

Nissan wirft Ex-Konzernchef Ghosn aus dem Verwaltungsrat, Ehefrau bittet Frankreich um Hilfe
Copyright
REUTERS/Regis Duvignau/File Picture
Schriftgrösse Aa Aa

Der Autokonzern Nissan hat Carlos Ghosn, seinen ehemaligen Konzernchef, aus dem Verwaltungsrat geworfen. Nissans Verwaltungsrat hatte ihn bereits im November seiner Ämter entbunden, als Ghosn das erste Mal in Japan festgenommen wurde.

Ghosn wollte "die Wahrheit" sagen

Kürzlich wurde Ghosn bereits zum vierten Mal in Japan festgenommen - und das nur etwa vier Wochen nach seiner Freilassung auf Kaution. Eigentlich hatte er auf Twitter eine Pressekonferenz angekündigt, bei der er "die Wahrheit" erzählen wollte. Daraus wird nun nichts. Seine Anwälte sagten, dass die erneute Festnahme nur dazu diene, Ghosn zum Schweigen zu bringen. Allerdings wird sein japanischer Anwalt Junichiro Hironaka der Presse ein Video zeigen, in dem sich Ghosn gegen die Vorwürfe wehrt.

Denn Ghosn beteuert weiterhin seine Unschuld.

Ghosn wurde bereits mehrfach verhaftet

Die erste Festnahme Ghosns erfolgte am 19. November. Damals wurde ihm vorgeworfen, gegen Börsenauflagen verstoßen zu haben. Zudem soll er private Investitionsverluste auf Nissan übertragen haben.

Mittlerweile wird ihm auch schwere Untreue vorgeworfen. Der japanischen Staatsanwaltschaft zufolge soll Ghosn bei Nissan Verluste von umgerechnet 4,5 Millionen Euro verursacht haben. Die sollen im Zusammenhang mit zweifelhaften Zahlungen an einen Vertriebspartner im Oman stehen.

Ghosn und die Renault-Nissan-Allianz

Fast zwei Jahrzehnte stand Ghosn an der Spitze des Renault-Partners. Er rettete Nissan vor der Pleite und half dabei, das Unternehmen als einen der führenden globalen Autokonzerne zu etablieren.

Im Jahr 1999 sorgte der gebürtige Brasilianer für den Einstieg von Renault bei Nissan. Später wurde in diese einzigartige Allianz auch Mitsubishi Motors eingebunden.

Der Rauswurf nun war erwartet worden. In einer außerordentlichen Aktionärsversammlung wurde dafür gestimmt, den 65-jährigen aus dem Gremium zu entfernen. Der neue Renault-Chef Jean-Dominique Senard wird nun neues Mitglied im Verwaltungsrat von Nissan und wurde am Ende der Versammlung vorgestellt. Renault hält 43 Prozent an Nissan.

Jean-Dominique Senard, Renaults neuer Aufsichtsratsvorsitzender:

"Ich werde ohne Unterlass die bestmöglichen Entwicklungen im Rahmen der Allianz vorschlagen, Sie wissen, wir haben eine neue Ära eingeläutet."

Nissan-Unternehmenschef Hiroto Saikawa wurde bei dem Aktionärstreffen unter dem Beifall einiger Anwesender gefragt, wann er Verantwortung übernehmen, sprich zurücktreten werde. Ein anderer fragte, warum Ghosns Schiebereien erst so spät festgestellt wurden. Er habe sich einfach nicht vorstellen können, dass die Vorwürfe stimmen, so Saikawa. Aber: Das Management habe Ghosns Fehlverhalten zugelassen. „Wir müssen tief in uns gehen.“

Hiroto Saikawa: "Die aktuelle Situation ist sehr bedauerlich. Wir werden das ernst nehmen und ich möchte mich heute bei allen Aktionären hier noch einmal entschuldigen."

Auch Kelly wurde aus dem Verwaltungsrat geworfen

Neben Ghosn warf Nissan auch dessen rechte Hand, den Amerikaner Greg Kelly, aus dem Verwaltungsrat. Renault und Mitsubishi erklärten, Ghosn werde bei ihnen im Juni als Direktor ausscheiden. Nissan-Chef Saikawa sah sich am Montag den Fragen einiger der Anteilseigner nach seiner eigenen Verantwortung in dem Wirbel um Ghosn ausgesetzt, will jedoch im Amt bleiben. Er habe Verantwortung, die Allianz mit Renault zu stabilisieren, sagte er.

Das Bündnis soll künftig von einem neuen Vorstandsgremium geführt werden, das die gesamte Kooperation der drei Autokonzerne steuern soll. Senard übernimmt als Chef von Renault künftig die Rolle des Vorsitzenden im geplanten Führungsgremium. Die anderen Mitglieder des sogenannten Alliance Operating Board werden Renault-Chef Thierry Bolloré, Nissan-CEO Saikawa und Mitsubishi-Chef Osamu Masuko sein.

CAROLE GHOSN WILL SICH NICHT VERNEHMEN LASSEN

Die Ermittler wollten nun auch Ghosns Ehefrau Carole vernehmen und kassierten ihr Handy und ihren libanesischen Pass ein. Aber sie verließ Japan mit einem zweiten, amerikanischen Pass am Freitag Richtung Frankreich. Sie habe sich nicht sicher gefühlt, begründete sie ihre Ausreise („Journal du Dimanche“). In Japan hatte sie deswegen der französische Botschafter zum Flughafen gebracht. Sie kehrte nach eigenen Angaben nach Frankreich zurück, um die französischen Behörden um Unterstützung zu bitten und forderte von ihnen, "für die Freilassung ihres Mannes nützlicher zu sein".