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"Bringt Euch doch um"- Schock nach Gelbwesten-Spruch gegen Polizisten

"Bringt Euch doch um"- Schock nach Gelbwesten-Spruch  gegen Polizisten
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REUTERS/Gonzalo Fuentes
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Am Ostersamstag haben einige Protestierende bei der Gelbwesten-Demo in Paris den Sicherheitskräften, die ihnen Place de la République gegenüberstanden, zugerufen: "Bringt Euch um" ("Suicidez-vous"). Nicht nur Frankreichs Innenminister Christophe Castaner ist entsetzt. Er schreibt auf Twitter: "Schande über die, die sich zu etwas Beklagenswertem hinreißen lassen! Absolute Unterstützung für die eingesetzten Kräfte und ihre Familien. Die große Mehrheit der Franzosen, weiß, was sie ihnen schuldet."

Die französische Polizei bedankt sich aber auch auf Twitter für den Zuspruch, den sie im Internet nach der Gewalt an diesem Samstag in Paris bekommen hat. Es war am 23. Protestwochenende der Gelbwesten-Bewegung wieder zu Ausschreitungen gekommen.

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Ostersamstag in ParisREUTERS/Gonzalo Fuentes

28 Selbstmorde von ¨Polizisten in Frankreich seit Beginn des Jahres

Am Freitag hatten sich vor mehreren Polizeistationen in Frankreich Menschen versammelt, um der 28 Kollegen zu gedenken, die seit Anfang des Jahres Selbstmord begangen haben.

Euronews hat mit einem Vertreter der Polizeigewerkschaft über das Problem der Selbstmorde gesprochen. "2019 gab es 28 Selbstmorde, doppelt so viele wie im Vorjahr. Im vergangenen Jahr gab es an diesem Tag 14 Selbstmorde", sagte Frédéric Lagache, stellvertretender Generalsekretär der Gewerkschaft Alliance.

Am Donnerstag waren zwei weitere Selbstmorde publik gemacht worden.

Philippe Capon, Generalsekretär der UNSA-Polizistenvertretung, erklärte gegenüber Europe 1: "Schon seit Jahren, seit 2015, seit den Anschlägen, leidet die Polizei enorm. Es gibt diese ständigen Angriffe an Samstagen, wo wir uns befinden, Polizisten sind der Sündenbock. Es ist ein Job, der schwer zu bewältigen ist, wenn es dir in deinem Alltag nicht gut geht, wenn du bei der Arbeit nicht gut bist, wenn Kollegen nicht unbedingt darüber reden wollen, also bist du in einer extrem komplexen Situation."

Gewerkschaftsvertretet Frédéric Lagache beklagt, dass sich die Anzahl der Überstunden aufgrund der Demonstrationen der Gelbwesten immer weiter erhöht. Von diesen Überstunden seien 24 Millionen Stunden noch nicht bezahlt.

"Wir haben genug von dieser Situation und von dieser Regierung, die sich taub stellt. Wir haben Anträge auf Verbesserung der Situation von Polizisten gestellt, aber es geschieht nichts, wir werden nicht gehört", sagte Ivan Assioma, ein Polizeigewerkschafter aus Paris.

"Jedes Wochenende werden die Polizisten gerufen. Sie sind jung, sie werden nach dem Abitur entwurzelt, sie werden schlecht bezahlt und haben zudem kein Privatleben mehr, sie arbeiten jedes Wochenende", fügte er hinzu.

Am Freitag sagte der Innenminister, er "verstehe die Initiative der Gewerkschaftsorganisationen". Christophe Castaner wies auch darauf hin, dass die von angekündigte Einheit "Selbstmord - Prävention - Prävention - Prävention" innerhalb der Polizei am 29. April eingerichtet wird.

Ein europäisches Problem: Die Situation in Italien und Spanien

In Italien gab es nach Angaben des Cerchio Blu Observatoriums zwischen dem 1. Januar und dem 12. April 2019 insgesamt 16 Selbstmorde bei der Polizei. Fünf von ihnen betreffen Gefängnisbeamte, und in 86% der Fälle wurde die Dienstwaffe benutzt, um sich das Leben zu nehmen.

Laut Cerchio Blu-Präsident Graziano Lori ist das Phänomen auf internationaler Ebene alarmierend. "Unter den Polizeikräften gibt es im Gegensatz zum Rest der Bevölkerung keine Selbstmordversuche. Die Mittel der Waffe sorgen dafür, dass sie nicht "fehlschlagen"."

In Spanien nahmen sich laut El Pais 13 Polizisten ihr Leben. Im vergangenen Oktober veröffentlichte die Gewerkschaft ARP eine erste Studie zur Entwicklung eines Präventionsplans. In ihren Schlussfolgerungen erinnert die Gewerkschaft daran, dass sich in Spanien zwischen 2000 und 2017 alle 43 Tage ein Polizist umgebracht. Das ist neunmal mehr als in der übrigen Bevölkerung.

Die Verfasserin des Berichts, María Jesús Espiño Castellanos, erklärt Euronews, dass "es bei der Polizei ein Tabuthema ist, auch wenn viel mehr Polizisten durch Selbstmord gestorben sind als durch die ETA".